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Alt 26.07.2009, 20:58
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Standard Törnbericht vom Mittelmerr zum Atlantik

Das kleine Blaue auf der Suche nach einem Klo

Törnbericht: Flüsse und Kanäle in Südfrankreich 31-05-09 bis 09-07-09 mit „Triton IV“

Die Bilder zu dieser Reise findet Ihr unter:

https://get.google.com/albumarchive/...COOjn_v5sbG1Dw


31-05: Abreise von Walberberg, 1. Stop in Bonn-Endenicher-Ei: Bis hierhin ist uns soviel eingefallen, was wir vergessen haben, dass wir umkehren und noch mal zurückfahren.
Auf ein Neues, jetzt fällt uns auch nichts mehr ein, das Gespann rollt locker mit 90-100 km/h durch die Pfalz ins Elsass, bis wir im Tal des Doubs ein nettes Restaurant mit Parkplatz finden, wo wir übernachten.

01-06: Weiterfahrt über französische Nationalstraßen um Autobahngebühren zu sparen (mit Anhänger fast doppelt). Autogas ist zunehmend schwerer zu finden, das gibt es aber an fast jeder Autobahntankstelle. Also bei Lyon auf die dort mautfreie Autobahn fahren und dort tanken. Übernachtung in Bollene auf dem Friedhofsparkplatz (da gibt’s Wasser!)

02-06: Kurze Rast in Avignon, ein paar Fotos und weiter nach Arles, unserem geplanten Ort, das Boot ins Wasser zu lassen. Der geplante Slip in die Rhone existiert nicht mehr, die 2. Möglichkeit in einer Werft scheidet auch aus, da dort keine Möglichkeit besteht, Auto und Trailer sicher abzustellen. Also suchen wir in unserem Wasserführer die 1. Möglichkeit zu slippen: Wir finden St. Gilles am Canal du Rhone a Sete. Dort gibt’s einen Superslip, Liegeplätze, Dusche, Klo und lt. Hafenmeister auch jemanden, der zumindest den Trailer für € 50,-/Monat unterstellt. Also einslippen, Motor starten und zum Liegeplatz fahren, alles klappt wie am Schnürchen nur der Kühlschrank will nicht. Gestern tat er es noch. Alle Versuche vergebens, wir beschließen zur Not einen neuen zu kaufen. Der Mensch mit dem Trailer-Parkplatz taucht auch auf, und wir finden ein abgeschlossenes Gelände, wo wir für nochmals € 50,-/Monat auch das Auto abstellen können. Wir bekommen einen Schlüssel und vereinbaren, das Auto später dazuzustellen.

03-06: Besichtigung von Arles, viele römische Bauten, aber kein Laden für Camping-Kühlschränke. Vielleicht in Marseille? 95 km = 1 Std. Jede Menge riesiger Supermärkte und tolle Sportgeschäfte, aber nur Kühltaschen und Elektrokühlboxen. Wir bekommen die Info, dass bestenfalls das Geschäft „le vieux Camper“ so etwas haben könnte. Die Wegbeschreibung ist sehr präzise und führt uns genau vor diesen Super-Sport-und-Freizeitladen mitten in Marseille. Leider hat auch dieser Laden nur eine viel zu große und zu teure Gaskühlbox, die wir gar nicht im Boot untergebracht hätten. Man nennt uns aber noch jemanden, der unser Gerät reparieren könnte, auch den finden wir dank einer genauen Beschreibung, aber eine Reparatur wäre wg. fehlendem Ersatzteil nicht vor ca. 1 Woche möglich. Also beschließen wir während unserer Tour weniger Fleisch und andere leicht verderbliche Lebensmittel zu essen, und als Getränk kommt eben vornehmlich Rotwein in Frage.

04-06: Wir wollen vor dem eigentlichen Start noch etwas in die Camargue schauen, also packen wir unsere neuen Aldi-Klappfahrräder ins Auto und fahren nach St. Marie de la mer, wo van Gogh gelebt hat. Große Reisfelder, schwarze Stiere, weiße Pferde und rosa Flamingos wie aus dem Bilderbuch, dazu das typische Licht, es hat sich gelohnt. Nur die Sättel der Klappräder sind eine Strafe, also wird wenigstens für Georgs empfindlichen Hintern noch eine Fahrradhose gekauft. Kosten für die 3 Nächte Aufenthalt in St. Gilles: 3 x € 18,-, was wir noch nicht wussten: das war der teuerste Hafen der ganzen Tour, allerdings wäre Strom und Wasser incl. gewesen, aber das brauchen wir ja nicht. Dafür war der Slip umsonst. Auto abstellen klappt auch einwandfrei, Maurice ist zwar nicht da, aber er kommt sich später den Autoschlüssel holen. Gabriele vermutet, dass er wohl auch mal ein bischen Forester fahren möchte, was wohl auch stimmte. Naja, als Rheinländer muß man auch jönne könne.

05-06: Endlich geht es los, Wetter Regen…. Bis gestern war es noch provencetypisch heiß und sonnig. Wir haben ca. 55 l Sprit im Tank und 20 l in Reserve. Wir fahren den nicht sonderlich interessanten Canal du Rhone a Sete, dessen einzige Schleuse kurz hinter St. Gilles in die Petite Rhone führt, die wir aber links liegen lassen. Erstes Ziel ist Aigues Mortes (totes Wasser) eine Stadt, die heute noch genau so dasteht wie im Mittelalter. 2x € 8,- um einmal auf der Stadtmauer rundum zu laufen ist schon happig, aber der nette junge Mann an der Rezeption sagt zu Georg: „Sie sind Handicaper, Ihre Frau ist escorte, also beide umsonst! Vive la France! Von Aigues Mortes geht es weiter, der Regen hat nachgelassen, bis wir an der Kreuzung des Kanal mit dem Flüsschen Lez eine brauchbare Übernachtungsstelle finden. Wir werfen zum ersten Mal den neuen Bordgrill an, der wurde aus einer Edelstahlbackofenschale von Ikea umfunktioniert und es gab leckeres Rumpsteak. Über die Qualität französischen Fleisches zu reden, hieße Eulen nach Athen zu tragen. In der Nacht regnete es etwas stärker, es war auch etwas Gewitter dabei, trotzdem war die erste Nacht draußen ohne Hafen eine ruhige, und wir schliefen ca. 10 Std.

06-06: Der Regen hatte doch an ein paar Stellen seinen Weg in unsere Betten gefunden, nur tropfenweise, aber unangenehm. Georg fand zwei der Lecks und dichtete sie mit Sika und Tape ab, dann befahl er Petrus, er möge für den Rest der Tour die Sonne scheinen lassen, was der auch weitestgehend befolgte. Danke ihm dafür. Wir fuhren den Lez hinauf, um einen Abstecher nach Montpellier zu machen, aber die erste Schleuse war außer Betrieb, so konnten wir nur ein bewohntes Storchennest bewundern und an einer ganz neuen Wassertankstelle mit 40 l unseren Benzinvorrat auf Höchststand (70 l + 20 l in Kanistern) bringen. Bei ca. 2,5-3l/h und 8-10 km/h reicht das für 300 km = die halbe Tour. Dann folgten wir dem Kanal in Richtung Sete. Die Hubbrücke in Frontignan hat leider keine Öffnungszeit mehr am Mittag, so dass wir eine mehrstündige Pause bis 16:00 Uhr hatten. Anschließend fuhren wir ein kurzes Stück über den Etang de Thau in den Jachthafen von Sete. Die beiden beweglichen Brücken am Stadteingang waren für uns gerade hoch genug (ca. 2,3 m). Wir fanden ein Plätzchen im Stadthafen, den Hafenmeister haben wir nicht gesehen, also € 0,-

07-06: Sonntag morgen recht früh aufstehen, denn die heute anstehende Fahrt über den Etang de Thau kann bei stärkerem Wellengang für unser Boot zumindest unangenehm werden. Da wir unser bordeigenes porta-potti recht ungern fürs „große Geschäft“ nutzen, suchen wir nach Möglichkeit ein Bahnhofsklo oder ein „WC-public“ auf, die in Frankreich regelmäßig in ordentlichem und sauberem Zustand anzutreffen sind und wohl auch regelmäßig gereinigt werden. Das kostet schon mal ein paar Cent, aber wir waren als alte (seit über 45 Jahren) Frankreichreisende überrascht, wie sauber und gepflegt sich das Land präsentierte. Eingeweihte wissen, dass das früher anders war. Am westlichen Ende des Etang de Thau kamen wir nun endlich in den eigentlichen Canal du Midi. Nach 2 Schleusen und der Kreisschleuse von Agde fanden wir einen € 0,- Platz vor dem Hafen. Wir klappten unsere Fahrrädchen auseinander und fuhren ca. 7 km, um für längere Zeit das letzte Mal im Meer zu baden, die auch wieder zurück. Dank Radlerhose hatte auch der Sattel seine Schrecken verloren und wir konstatieren: Die Aldi-Rädchen sind super. Diesen Ausflug hätten wir auch mit dem Boot machen können und zwar über den Fluß Herault, der dem Departement seinen Namen gab. Der dritte Ausgang der Kreisschleuse führt dahin, aber das haben wir irgendwie nicht begriffen.

08-06: Der Canal du Midi mit seinen schönen Platanen-Ufern wird uns jetzt begleiten. 4 Schleusen sind es bis Beziers, wir erkunden etwas diese Stadt, die Geburtsort des Erbauers des Canal du Midi, Paul Riquet, ist. Wir müssen feststellen, dass auch in Südfrankreich die Einzelhandelsgeschäfte immer mehr verschwinden zu Gunsten der riesigen Supermärkte. Die haben zwar in der Regel ein tolles Angebot, liegen aber häufig für Sportschiffer ungünstig. Also kaufen wir bei einem Mohammedaner zwei fette Hühnerbeine, die dann nach Überqueren des Orb via Kanalbrücke ihren Platz auf dem Grill am Fuße der Schleusentreppe von Foncerannes finden. Abends macht Georg noch einen Erkundungsspaziergang zum stillgelegten Staukeilschiffshebewerk, das im vorigen Jahrhundert die 3 Doppelschleusen ersetzen sollte. Es hat wohl nie richtig funktioniert und jetzt wächst es langsam zu. In Deutschland würde das wohl abgerissen, aber hier lässt man es stehen, und es sollte mich nicht wundern, wenn daraus ein Museum würde. Die Schleusenanlage wurde renoviert (wohl mit Unesco- bzw. EU-Hilfe) und ist eine der Attraktionen am Kanal.

09-06: Um 10:00 Uhr wird auf der Schleusentreppe bergwärts geschleust. Es finden sich zahlreiche Schaulustige ein, um die Anfänger und die Könner zu bewundern. Es ist alles halb so wild, wie es aussieht, Das Wasser strömt erst wild in die noch leere obere Kammer einer Doppelschleuse und läuft dann beruhigt in die untere Kammer. Wenn diese voll ist, fahren die Schiffe in die obere Kammer, das Verbindungstor wird geschlossen und die obere Kammer läuft durch die Öffnungen, die jetzt ja unter Wasser liegen recht ruhig voll. Das Ganze passiert dreimal hintereinander und dauert nicht mal eine Stunde. Gesamthöhenunterschied: 13,6 m. Jetzt kommt eine Strecke von 53 km ohne Schleusen aber mit einem 160 m langen Tunnel. Der ist weniger aufregend aber unter dem Kanal fährt an gleicher Stelle noch die Eisenbahn im Tunnel! Doch davon später. Vor dem Tunnel kaufen wir im Örtchen Colombiers noch je einen Karton ( 5 l ) Rotwein und Rose, das war wohl der beste Wein auf der ganzen Tour. Wir machen irgendwo in der Wildnis am Kanalufer fest und genießen eine ruhige Nacht.

10-06: Heute steht ein Abzweig in Port-la-Robine auf dem Programm, wir wollen noch weiter südlich nach Narbonne und Port la Nouvelle. Es geht in kurzen Abständen sieben automatisierte Selbstbedienungsschleusen runter in die Aude. Die Platanen am Kanalufer werden von Zypressen und Pinien abgelöst, die ganze Stimmung wird mediterrianer. Nach Querung der Aude kommen noch 4 weitere Schleusen bis ins Zentrum von Narbonne. Die letzte Schleuse hat wieder Selbstbedienung mit über dem Wasser hängendem Drehgriff (Pimmelfangschleuse), was wir erst durch Zuruf netter Engländer bemerken. Später stellt sich heraus, dass es Iren sind. Überhaupt trifft man am Kanal Leute aus aller Herren Länder. Neben Franzosen hatten wir Kontakt mit Engländern, Australiern, Südafrikanern, Iren, Amerikanern, Spaniern, Italienern, Deutschen, Kölnern, Österreichern, Schweizern, Niederländern, Belgiern, Luxemburgern, Schweden, Dänen, Neuseeländern, Bayern, Polen, und wir haben bestimmt noch einige vergessen. Die Skipper aus den osteuropäischen Ländern konnten wir leider nicht immer zuordnen, so dass wir allgemein dafür plädieren, auch am Mietboot eine kleine Nationalflagge zu führen, denn das ist heute zum Glück eher ein Mittel zur Völkerverständigung als ein Zeichen falscher Art.

11-06/12-06: Wir verbringen einen Tag in Narbonne, müssen für die 2. Nacht € 9,50 bezahlen, die 1. Nacht ist umsonst. Narbonne ist eine größere Stadt, man bekommt am Kanalufer auch die zweifelhaften Seiten mit (Obdachlose, Fixer, Penner). Belästigt werden wir aber keineswegs, das öffentliche Pissoir wird gereinigt, es wird nicht gelärmt oder anderweitig gestört. Allerdings lässt sich auch hin und wieder eine Polizeistreife blicken. Da alles ruhig bleibt, greifen die auch nicht ein. Der Besuch der Markthallen am nächsten Tag lässt uns so richtig das Wasser im Mund zusammenlaufen. Wir machen noch eine Stadtrundfahrt mit dem Klapprad und kaufen am Bahnhof Fahrkarten für einen Ausflug mit dem „gelben Zug“ an die spanische Grenze in den Pyrenäen. Da dieser Ausflug nur am Sonntag, 14-06 machbar ist, fahren wir den Canal de la Robine über 2 Schleusen nach Port la Nouvelle. Ein Platz im Jachthafen mit Sanitäreinrichtungen vom Feinsten für unser 6 m-Boot kostet sage und schreibe nur € 5,20, das günstigste auf unserer Tour. Abends gehen wir mal richtig lecker Fisch essen.

13-06: Morgens soll in der Hafentankstelle einer sein, aber nix da. Also tanken wir an einer Straßentankstelle mit Kanistern 35 l. Dann bummeln wir bei heißem Wetter von einigen Badepausen unterbrochen zurück nach Narbonne. Baden im Kanal soll angeblich verboten sein, das Wasser sieht auch nicht immer so richtig einladend aus. Aber es war zu dieser Jahreszeit noch recht kühl und erfrischend und immer sauber, wenn auch grünlich trüb. Wir haben fast jeden Morgen ein kurzes Bad genommen, allein um die aufwändige Morgentoilette im Rahmen zu halten. In Narbonne finden wir einen Liegeplatz in Fußwegnähe zum Bahnhof, der irische Stegnachbar hilft uns beim Anlegen.

14-06: Heute geht es früh raus zum Bahnhof, Nachtzug von Metz nach Cerbere bis Perpignan und von dort weiter nach Villefranche-Conflent. Dort beginnt der „train jeaune“ siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Ligne_de_Cerdagne . Das ist ein Erlebnis, das durchaus mit der legendären Eisenbahn auf Korsika vergleichbar ist. Fazit: die Franzosen können nicht langsam Eisenbahn fahren. Eine teilweise abenteuerliche Streckenführung und wenn man in dem offenen Waggon sitzt, hat man richtig Fahrtwind, einfach empfehlenswert. Von Narbonne für 2 Erwachsene und zurück € 98,- , die es wert sind. Abends ca. 2 Std. Aufenthalt in Perpignan, die kann man zum Abendessen nutzen. Wir fallen rechtschaffen müde in unsere Kojen und haben eine recht ruhige Nacht, obwohl wir in der Nähe der Eisenbahnbrücke liegen.

15-06: Der Montag soll uns wieder zum Canal du Midi bringen.Wir kommen so früh in Gang, dass keiner kassieren kommt, hier wären auch wieder € 9,50 für 2 Tage fällig, aber wo kein Kassierer………Wir fahren zurück bis Port la Robine, gehen vorher noch in Salleles d´Aude einkaufen und haben in einer der Schleusen des Verbindungskanals ein Problem mit dem Zündschloß. Man darf halt den Schlüssel nicht herausziehen, dieser Umstand wird in Zukunft durch ein Handtuch verdeckt. Uns ist übrigens auf der ganzen Tour nicht nur nichts geklaut worden, außer einem Duschgel haben wir auch nichts verloren oder liegengelassen. Unsere Wertsachen (Kredit-, Scheck-karten, Portemonnaie, Kamera, Papiere) haben wir aber auch immer direkt bei uns gehabt. Schmuck hat Gabriele gar nicht abgelegt, ansonsten hatten wir nichts wirklich wertvolles mitgenommen. Wir finden in le Somail ein recht ruhiges Plätzchen, können beim Bootsvermieter für € 2,-/Pers. duschen und haben wie fast immer eine ruhige Nacht.

16-06: Der Tag bringt nochmals eine schleusenfreie Strecke bis kurz vor Argens-Minervois, dann ist auch das vorbei, und man kann so alle 2-4 km mit einer Einfach- oder Doppelschleuse rechnen. Wir machen oberhalb der Doppelschleuse von Saint-Martin fest, da es nach 18:30 Uhr ist, ist sowieso Feierabend. Das Schleusenpersonal hält seine Dienst- und Pausenzeiten genau ein, ist aber auch immer zuverlässig und pünktlich und bei Bedarf auch hilfsbereit. Allerdings drängt es seine Hilfsbereitschaft niemals auf, ist aber immer freundlich und lässt keinesfalls den Wichtigtuer raus. Häufig sind es wohl (hübsche) Studentinnen oder Studenten, manche können auch etwas englisch, das ist ja in Frankreich nicht so selbstverständlich.

17-06: Der Mittwoch bringt außer 5 Einfach-, 1 Doppel- und 2 Dreifachschleusen wenig Erwähnenswertes. Weil fast alle Schleusen für uns ideal stehen (Wasser unten, Tor offen), und weil für uns die obligatorische Schleusenmittagspause von 12:30 bis 13:30 etwas verschoben wird, bringen wir die 26 km nach Carcassonne bis zum frühen Nachmittag hinter uns. Also Rädchen ausgeklappt und rauf zur weltberühmten Cite. Für einen Rundgang über die Stadtmauer ist es aber zu heiß, also machen wir eine private Rundfahrt. Um alle Einzelheiten dieser nie bezwungenen Festung zu erfahren und zu entdecken bedarf es sicher mehrerer Wochen. Aber ganz so groß ist unser historisches Interesse nun auch wieder nicht, zumal ein Großteil der historischen Bauten Kirchen sind, und die gleichen sich irgendwo alle mehr oder weniger. Kanaltechnisch gibt es nichts erwähnenswertes, aber der Bahnhof hat wie auch in Sete ein futuristisches Klo, einen vollautomatischen Donnerbalken aus Edelstahl mit Selbstreinigung und Desinfizierung. Das funktioniert sogar (meistens, wie Gabriele später erfahren muß, aber Service-Personal ist sofort zur Stelle.)

18-06: Nach einer relativ ruhigen Nacht am Kanalufer, die nahe gelegene Eisenbahnbrücke gab ab ca. 23:00 Uhr Ruhe, suchten wir einen Waschsalon auf, da einige Klamotten arg verschmutzt waren und wir wegen des anhaltend schönen, warmen Wetters nicht darauf verzichten wollten. Gegen Mittag ging die recht beschauliche Fahrt weiter, in den Schleusen trifft man immer wieder die gleichen Schiffe, überwiegend Mietschiffe, große Plastikkisten, entweder in futuristischem Stil: hässlich aber geräumig. Oder auf traditionell getrimmte Penichetten, ganz hübsch und nicht so breit, mit angeblich ganz passablen Fahreigenschaften.
Gabriele hat mal einen Prospekt besorgt, da sind zwar für 8 Leute 4 Duschen/WC drin, aber die Betten haben 0,7 x 1,8 m. Wie später zu hören war, haben wir auf unserem 6 m-Boot kaum weniger Platz und ganz sicher bessere und größere Betten. Wir beenden den Tag bei Bram, einem Ort ca. 1 km vom Kanal entfernt, aber durch einen neuen Radweg gut zu erreichen. Dort gibt’s einen kleinen Supermarkt, Metzger und Bäcker. Wir nehmen ein paar Stück Fleisch für den Grill mit. Mit einem Rucksack, einer Fahrradtasche und einem Sixpack Mineralwasser auf dem Gepäckträger (gut festbinden !) ist das Klapprad ein guter Lastesel auch für den größeren Einkauf.

19-06: Das Wetter ist an diesem Tag etwas bedeckt, also auch nicht so heiß. Unser Ziel heute ist Castelnaudary, wohl das Zentrum der Bootsvermietung. Viele der Besatzungen, die wir unterwegs getroffen haben, kamen von hier bzw. hatten hier ihr Ziel. Kurz vorher gab es an einer nahen Straßentankstelle 40 l Sprit, die Wassertankstellen im Binnenland haben fast ausschließlich Diesel (für die Mietschiffe) anzubieten. In Castelnaudary befindet sich ein großer künstlicher Speichersee, der die 9 Einzel-,1 Doppel-, 1 Dreifach- und als Höhepunkt 1 Vierfachschleuse unmittelbar vor dem Ort versorgt. Es wird empfohlen unbedingt die örtliche Spezialität, das „Cassoulet“ zu probieren. Also machen wir uns landfein und finden im „Maison Cassoulet“ einen Tisch für 2. Das Cassoulet ist ein Eintopf aus weißen Bohnen mit Entenfleisch und Schweinswurst. Sehr heiß, sehr fett, ein bischen scharf und tatsächlich richtig lecker. Später kommen noch die südafrikanischen Besatzungen von 2 Mietschiffen dazu, es wird ein schöner Abend. Unser Liegeplatz ist mitten in der Stadt aber kostenlos und relativ ruhig.

20-06: Es regnet etwas, das lässt aber nach dem Frühstück nach, wir gehen etwas einkaufen und machen uns dann auf den Weg zum höchsten Punkt unserer Tour, der Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Atlantik. Wir haben zuletzt noch 3 Einzel-, 1 Doppel- und 1 Dreifachschleuse zu überwinden, dann sind wir auf dem Kanalscheitel. Die letzte Schleuse zu Berg heißt bezeichnenderweise „la Mediterranee“. Kurz vor der ersten Schleuse zu Tal mit dem Namen „le Oceane“ kann man den Kanal zur Wasserversorgung des Scheitels sehen, außerdem ein ehemaliges Speicherbecken und etwas weiter hat man zu Ehren des Kanalerbauers Paul Riquet einen Obelisken errichtet. Das Bassin du Ferreol, das mit seiner im 17. Jahrh. erbauten Staumauer damals als Weltwunder galt ist ca. 20 km entfernt. Es dient mit 3 weiteren Speicherseen der Wasserversorgung des Canal du Midi. Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Reservo...t-Ferr%C3%A9ol Wir bewundern die großartigen Leistungen der damaligen Ingenieure, und dann geht es nur noch bergab. Da die Autobahn und die Eisenbahn hier sehr dicht dem Kanal folgen fahren wir bis zu einem ruhigen Plätzchen neben der Kanalbrücke über das Flüsschen Hers. Ein sehr schöner Radweg begleitet uns und wir hören immer wieder ein freundliches „bon soir“ oder später „bon appetit“. Georg macht noch eine kurze Radtour und trifft nicht nur auf einige Bisams sondern findet auch entlang des Radwegs kleine Sanitärgebäude mit allem, was man so braucht. Es folgt das übliche Nachtigallenkonzert bis wir schlafen gehen.

21-06: Die Anzahl der Mietschiffe ist nach Castelnaudary spürbar zurückgegangen, wir haben den Kanal jetzt häufig für uns allein. Dafür nimmt die Zahl der am Ufer für längere Zeit oder immer festgemachten Schiffe zu. Da finden wir bewohnte Penichen, holländische Plattbodenschiffe mit dem britischen Union Jack als Nationalflagge, ältere Mietschiffe, die ein zweites Dasein als Wochenendhaus führen, kurzum, man spürt die Nähe einer größeren Stadt. Wir laufen in den Port Sud von Toulouse ein. Für € 12,15 gibt es Dusche, WC, Liegeplatz, Wasser, ganz wie man es braucht. Es ist Sonntag und wir beschließen den Tag mit einem guten Rotwein.

22-06: Wir satteln unsere Klappräder und fahren am Kanal entlang nach Toulouse hinein. Es gibt reichlich Bauwerke zu bestaunen, alles hier aufzulisten würde den Rahmen sprengen. Aber ganz auffallend ist das wunderbare Licht in der Stadt, die am Ufer der Garonne liegt. Die meisten Gebäude sind aus zart-roten fast schon rosa Ziegelsteinen errichtet, die wunderschön mit den hellblauen Schlagläden kontrastieren. Überhaupt ist die Stadt mit kleinen Parks durchsetzt, wo viele Studenten in den Cafes sitzen, aber auch die arbeitende Bevölkerung ihre Mittagspause hält. Auch wenn es keine Bauwerke von richtig großem Weltruhm gibt, die Stadt hat auf uns einen freundlichen, sehr lebhaften Eindruck gemacht.
Wenn man die Nähe der Pyrenäen (Skifahren) einerseits, die Nähe des Mittelmeeres andererseits betrachtet, und dazu die Nähe des Atlantiks und der Erlebnisberge des Massiv-Centrals im Norden, dann dürfte in Toulouse ein Lebensqualität zu finden sein, die z.B. München weit übertrifft. Wir haben die Stadt jedenfalls in unser Herz geschlossen. Aber unser Weg führt noch weiter, der Canal du Midi ist im Hafenbecken des port de l Embouchure zu Ende und wir fahren in den „Canal lateral de la Garonne“ ein. Bis ins 19. Jahrhundert wurde als Fortsetzung des Canal du Midi die Garonne genutzt, aber sie ist sehr unzuverlässig im Wasserstand und deshalb wurde Ende 19. Jahrh. der Seitenkanal erbaut. Die Bautechnik hat sich in 200 Jahren gewaltig weiterentwickelt, so ist der „Lateral“, wie wir in nennen wollen, sehr gerade und damit auch etwas langweilig gebaut. Daher werden besonders die Eisenbahn aber auch die „Autoroute de deux meres“ in den nächsten Tagen häufig unsere Begleiter sein. Auch wird der Lateral häufig „Canal de deux meres“ genannt. Wir fahren bis zumindest die Autobahn etwas weiter entfernt ist und finden einen Platz an einer Spundwand, wo wir aus je 2 Fendern einen langen machen. Georg macht noch einen Abendspaziergang und stellt fest, dass in diesem Abschnitt noch ein englisches Segelboot übernachtet. Außerdem findet er heraus, dass mit dem Kanalgefälle auch noch Strom erzeugt wird.

23-06: Unser 30. Hochzeitstag. Die Kanalfahrt bringt wenig Abwechselung, die Eisenbahn läuft unmittelbar am Kanal entlang, aber auch da fahren keine besonderen Züge (der TGV ist in Frankreich nichts besonderes und hier ist keine Schnellfahrstrecke, also ist er so schnell wie die anderen Züge auch. Und auch so laut.) Nach 8 Pimmelfangschleusen erreichen wir Montech. Irgendwie ist uns nicht nach groß essen gehen, also satteln wir unsere Lasträder und gehen einkaufen. Es ist brüllheiß, aber trocken, man kommt kaum ins schwitzen. Im Supermarkt ist es dank Klimaanlage geradezu kalt. Wir versorgen uns mit dem Nötigsten (Krabben, leckere Rind- und Lammfleischspieße, Oliven, Creme fraiche, guten Rotwein im Karton, Salat, Gemüse, Käse und natürlich Champagner). Bevor wir die grande cuisine anwerfen, fahren wir noch mit dem Fahrrad zum weltgrößten Staukeilschiffshebewerk (s.a. Beziers). Angeblich ist es noch betriebsfähig, aber davon ist nichts zu sehen. Wir nehmen an, auch diese interessante Ingenieurleistung hat den Wechsel der Schiffahrt nicht mehr mitmachen können. Den Plakaten zufolge soll es in den Hochsaisonzeiten touristisch genutzt werden, aber wir sind ja glücklicherweise in der Vorsaison. Jetzt wird aber der Grill angeworfen und das Luxusmahl zum 30. Hochzeitstag kann zubereitet werden.

24-06: Wieder mal eine ruhige und dank der Vorsaison auch kühle Nacht liegt hinter uns und wir werfen die Leinen los. In Montech zweigt auch der Kanal nach Montauban ab, aber der macht keinen einladenden Eindruck. Außerdem verspricht unser Wasserführer keine Möglichkeit auf dem Fluß Tarn von Montauban nach Moissac zu kommen, wo wieder eine Schleuse hoch zum Kanal Lateral ist. Wir durchfahren Castelsarrasin, die Stadt nennt sich Stadt des Jaques Cousteau (der Meeresforscher) aber wir können zumindest bei Wikipedia keinen Zusammenhang finden. Dann überqueren wir den Tarn auf einer sehr schönen Kanalbrücke, und danach bringen uns 3 Schleusen hinunter nach Moissac. Wir durchfahren Moissac, eine Drehbrücke wird für uns geöffnet und nun beginnt ein sehr schönes Stück Kanal. Steuerbord (im Norden) erheben sich hohe Berge, die Straße, die Eisenbahn, der Kanal und der Tarn, später die Garonne drängen sich dicht zusammen. Wir nutzen eine schöne alte Hängebrücke für einige Fotos. Sobald Hauptstraße und Eisenbahn etwas vom Kanal entfernt sind, machen wir am Kanalufer fest für die Nacht.

25-06: Es regnet etwas, aber das scheint den Wanderern, die in ziemlich regelmäßigen Abständen vorbeikommen nichts auszumachen. Die sehen auch eher aus wie Pilger, spätere Recherchen bei Wikipedia ergeben, dass das von uns kurz vorher durchfahrene Moissac ein wichtiger Punkt auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela ist. Wir fahren nach ordentlichem Frühstuck weiter auf dem „Canal lateral de la Garonne“, das ist der Pilgerweg für Freizeitschiffer zwischen den beiden Meeren. Im Örtchen Valence d´Agen bewundern wir einen Wäschereibrunnen und können einkaufen. Die Straßentankstelle finden wir nicht, aber bis Agen, unserem heutigen Ziel reicht der Sprit allemal. Überhaupt macht sich unser 25-PS 2-Zylinder-Mercury-big-foot-Außenborder nur durch ein paar Vibrationen im Leerlauf bemerkbar, ansonsten hört man ihn kaum und er erweist sich als äußerst zuverlässige Antriebsquelle. Noch 3 Schleusen und wir finden im Örtchen le Boe einen Hafen mit Klo und Dusche für € 4,50, es ist mal wieder nötig. Agen, du Hauptstadt des Rugby ist nicht weit, wir satteln unsere Rädchen und schauen uns die Stadt an. Auf den ersten Blick ist eine wassernahe Tankstelle nicht zu finden, auch nicht mit Hilfe des Bureau de Tourisme. Nun gut, wir haben immer noch für 2-3 Tage Sprit im Kanister, Sorgen müssen wir uns nicht machen.
Auf dem Rückweg kurz vor einer großen Straßenbrücke geht der Blick irgendwie nach links: „Intermarche 24/24“, das heißt Tankstelle rund um die Uhr geöffnet. Skipper was willst Du mehr?!

26-06: Frühstück und auf zum Tanken: 2 Kanister auf dem Rädchen heißt 20 l mit einer gemeinsamen Fuhre, insgesamt tanken wir 50 l. Gabriele nutzt den letzten Tankdurchgang zu einem Einkaufsbummel (Bummel ist nicht richtig, sie hat sich beeilt!) im Intermarche. Dem traumhaften Lebensmittelangebot dieser Monstersupermärkte kann man schwer widerstehen, und so sieht es für heute schon nach einem zünftigen Grillabend aus. Heute abend, wo ist das?
Nach Überquerung de Garonne auf der Kanalbrücke sind 4 Schleusen zu überwinden, dann kommt ein sehr langes, gerades Stück Kanal, das wohl einer gewissen Pflege bedarf. Die Ufer sind total zugewachsen, es ist sehr warm, also geben wir etwas mehr Gas als eigentlich erlaubt. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 8 km/h halten wir normalerweise ein, da unser Boot schon eine recht große Heckwelle erzeugt, die den Kanalufern schon zusetzt, aber je schneller wir fahren desto besser ist unser Boot steuerbar. Außerdem ist der Spritverbrauch in Liter/km zwischen 6 km/h und 10 km/h fast gleich. Wir kommen dank nur 3 weiterer Schleusen bis Buzet, einem Wasserstraßenkreuz von großem Reiz. Leider müssen wir hier erfahren, dass unser geplanter Abstecher in den Lot aus Wassermangel dort nicht machbar ist. Also bleibt als Alternative nur die Baise übrig. 4 km vor Buzet haben wir die Baise schon mal auf einer Kanalbrücke überquert, morgen soll es drunter durch gehen. Wir finden einen sehr schönen, schattigen Platz außerhalb des Mietboothafens, können dort aber die Toilette benutzen und für € 2,- / Person 7 min. duschen.

27-06: Punkt 9 Uhr nimmt die Verbindungs-Doppelschleuse hinunter zur Baise uns auf und gleich fällt uns auf, dass die Baise eher ein Fluß als ein Kanal ist. Die Strömunggeschwindigkeit ist zwar durch die insges. 21 Schleusen kaum merkbar, aber es gibt viele Kurven und Schleifen. Die Ufer sind dicht bewachsen und kaum befestigt. Das Wasser wirkt noch trüber als im Kanal, ist aber ebenfalls geruchlos und somit stufen wir es als sauber ein. Nach 5 km fahren wir unter dem Kanal hindurch, leider ist oben kein Schiff zu sehen, was wir uns für ein Foto erhofft haben. Die ersten 10 km sind ohne Schleusen, wir machen in der ersten Schleuse die Erfahrung, dass man hier besser mit 2 Leinen festmacht, da die Schleusen sehr ruppig einströmen. Die Bedienung ist einfach, wir haben in der Verbindungsschleuse von Buzet eine Karte mit Balkencode bekommen, mit der man die Schleuse in Betrieb setzt, dann einen Knopf drücken und der Ablauf beginnt. Wenn die Schleuse gefüllt ist, muß man als Bergfahrer den Vorgang eben 2 mal durchführen. Im ersten Ort Vianne machen wir Mittagspause, laufen durch den Ort, Gabriele kauft eine Bild-Zeitung vom Tage und wir erfahren, dass Michael Jackson verstorben ist. Unsere Trauer hält sich in Grenzen, wir kommen an einem kleinen Supermarkt vorbei, der unter anderem gegrillte Poulets anbietet. Der Duft verfolgt uns und mit einmal sehen wir uns an und wie aus einem Mund: „Sollen wir nicht eins mitnehmen?“ Also kehrt und daraus wird natürlich wieder ein größerer Einkauf mit Pastete, Käse, Wurst und anderen leckeren Schweinereien. Am öffentlichen Anlegesteg ist aber kaum Schatten und so fahren wir weiter bis zum Städtchen Nerac, das sieht ganz nett aus und wir finden ein schönes Plätzchen zum Übernachten ein paar hundert Meter hinter dem Zentrum. Wegen der Hitze gibt es erst mal ein Bad in der Baise, das Wasser ist überraschend kühl und sehr angenehm. Es gibt einige Brunnen zum Teil römischen Ursprungs und die Stadt, in der wohl Heinrich IV. (wer war das?) gelebt hat, hat einige nette Bauwerke und Brücken vorzuweisen.

28-06: Wir haben für heute den Ort mit dem beziehungsreichen Namen Condom als Ziel, aber daraus wird nichts. Nach 5 Schleusen hängen wir fest. Die Schleuse „Vialeres“ öffnet ihr Obertor nicht. Nach zahlreichen Versuchen rufen wir per Nottelefon die Betriebsleitung an: „Ja, wir kommen in 50 min.“ Für uns ist klar, die machen erst ihre Mittagspause. Prinzipiell sind wir ja auch für geregelte Arbeits- und Pausenzeiten, aber dass aus 50 min. dann 2 Stunden werden gefällt uns gar nicht (und den Australiern und Österreichern in den beiden Booten, die zwischenzeitlich von oben kamen sicher auch nicht.) Da uns die Baise nun auch nicht so toll gefallen hat, und da die Österreicher schon sagten, dass es bis Condom nicht anders würde, haben wir beschlossen, hier umzukehren und als Fernziel Bordeaux anzusteuern. Zur Erläuterung: Wir waren jetzt 4 Wochen unterwegs mit unserem 6 m-Bötchen, hatten die geringen technischen Probleme (ein paar Tropfen Wasser im Bett, Kühlschrank kaputt, Zündschloß defekt) locker im Griff. Zwischenmenschliche Probleme waren überhaupt noch nicht aufgetreten von ein oder zwei Anbrüllern beim Schleusen mal abgesehen. Wir hatten uns 6 Wochen Zeit vorgenommen, und jetzt war klar: die wollen wir auch nach Möglichkeit nutzen. Der Lot war leider nicht mehr befahrbar, also blieb nur noch der Canal Lateral bis zum Ende und dann die Garonne bis Bordeaux. Nachdem die Mechaniker ihr bestes gegeben hatten fuhren wir mit dem australischen Pärchen wieder Baise-abwärts bis wir vor Nerac oberhalb der Schleuse Nazareth festmachten für die Nacht. Die Österreicher kamen auch noch durch und berichteten, dass die Schleuse wohl noch länger defekt sei.

29-06: Nach einer wirklich ruhigen Nacht machten wir uns auf den Weg Baise-abwärts Richtung Buzet. In Lavardac hatten wir noch ein Schleusenproblem, aber diesmal war der Servicemann (es war der gleiche, wie am Tag zuvor) in 20 min da. Er schleuste uns abwärts und was er dann noch unternahm entzieht sich unserer Kenntnis. Wir fuhren noch bis an die Mündung der Baise in die Garonne um wirklich sicher zu gehen, dass der Lot nicht befahrbar ist, aber an der dortigen Schleuse war kein Mensch und alles sah nach Betriebsruhe aus. Schade, denn der Lot soll ein sehr schöner Fluß sein, was man von der Baise nicht so recht behaupten kann. In Buzet fanden wir den gleichen Liegeplatz wie vor 2 Tagen, jetzt gab es 2x Dusche für je € 2,- und dann ein leckeres Abendessen im Lokal eines englischen Pärchens, das sich hier niedergelassen hat. Die Mietbootstation in Buzet wollen wir hier besonders erwähnen, weil uns dort zu allen Dingen freundlichst in fließendem Deutsch Auskünfte und Erklärungen gegeben wurden, obwohl wir ja keine Klienten waren.

30-06: Wir fuhren recht früh am Morgen los und erlebten einen ruhigen, ereignisarmen Tag. In Mas d `Agenais, einer weiteren wichtigen Mietbootstation haben wir noch etwas eingekauft und dann Mittagspause gemacht. Die automatischen Schleusen auf dem Lateral de la Garonne haben keine Mittagsruhe wie die bemannten Schleusen auf dem Midi. Daher wird die eigene Mittagspause schon mal vergessen. Aber zur Erholung sollte man durchaus mal Pausen machen, besonders jetzt, wo es ziemlich heiß wird. Der Kanal verläuft hier weit oberhalb der Garonne aber die ist gar nicht weit entfernt. Vom Kanalufer kann man direkt hinuntergucken. Des weiteren sind auch hier die Schleusen die hauptsächliche Abwechselung, bis auf das ständige Vogelkonzert, das schon erstaunlich ist. Wir haben 7 Schleusen und 40 km hinter uns, als wir in Meilhan für die Nacht festmachen. Ein Segelboot aus Bordeaux gesellt sich zu uns, und wir haben eine weitere ruhige Nacht.

01-07: Ein nahe gelegener Campingplatz hat die nötigen Sanitäreinrichtungen, man hat von dort auch einen schönen Blick zur Garonne, kosten tut beides nichts. Wir fahren los, es wird wohl der letzte Abschnitt im Kanal werden. In Hure gibt’s einen kleinen, aber wohlsortierten Alimentationsladen (Lebensmittel), der auch unten am Kanal per Plakat auf sich aufmerksam macht. In Fontet gibt’s einen wohl noch sehr neuen, sehr großen Hafen, aber da dort kaum Schatten ist (es ist mittlerweile richtig heiß geworden.), fahren wir weiter bis wir ein schattiges Plätzchen für die Mittagsrast finden. Der Kanal ist hier auf dem letzten Stück sehr stark verkrautet. Wir müssen ein paar Mal den Motor hochnehmen, um Wasserpflanzen zu entfernen. Dafür wird das Wasser immer klarer und ein kurzes Bad ist nach wie vor eine willkommene Erfrischung. Noch eine knappe Stunde und eine Schleuse, dann sind wir im Hafen von Castets-en-Dorthe, dem Ende des Canal Lateral de la Garonne. Da uns sehr nach Duschen ist machen wir an der Hafenmole fest, kostet für die Nacht € 7,- incl. Dusche. Wir erfahren, dass um 16:30 Uhr geschleust werden soll. Das hat einen besonderen Grund: Um diese Zeit hat die Flut vom Atlantik Castets erreicht und beginnt wieder zurückzulaufen, so dass man einen Geschwindigkeitszuwachs von ca. 5 km/h mit auf die gut 50 km bis Bordeaux nehmen kann, für uns heißt das statt der üblichen 10 km/h also 15 km/h, ein erheblicher Gewinn. Ich hätte nie gedacht, dass man die Gezeiten so tief im Land noch bemerkt, zumal man noch rund 100 km Gironde dazurechnen muß. Wir fragen den Schleusenwärter, wann er das nächste Mal schleust, die Antwort: morgen um 17:30 Uhr, also hat eine Tide 12 ½ Stunden. Wir sind durch die Hitze etwas geschafft und beschließen, erst morgen weiter zu fahren. Der Hafenmeister betreibt auch eine Kneipe, wo man recht gut und preiswert essen kann.

02-07: In der Nacht kommt das erwartete Gewitter, es ist aber nicht so stark, und die erwünschte Abkühlung hält sich auch in Grenzen. Morgens ist es noch am regnen, wir frühstücken gemütlich. Dann schauen wir uns Castets an, faulenzen etwas und tanken die letzten 20 Liter aus den Kanistern in den Tank. Da sind jetzt noch ca.35 l drin, das sollte bis Bordeaux sicher reichen. Pünktlich um 17:30 geht die Schleuse auf, und wir werden mit 2 anderen Booten in den Verbindungskanal abgeschleust, dann wird die letzte Schleuse für uns geöffnet und wir können einfahren. Wir warten noch auf ein 4. Schiff und müssen daher an einem der anderen Boote längsseits festmachen, was für uns ein gemütliches Abschleusen bedeutet. Es geht sicher 7-8 m herunter und dann ist die letzte der genau 200 Schleusen dieser Tour hinter uns. Die Garonne ist ein großer breiter Fluß, der hier mit z.Zt. ca. 5 km/h strömt. Wir haben einiges gelesen und uns auch mit anderen Langzeitfahrern unterhalten. Demnach hat der Fluß auch schon mal Untiefen, die Betonnung ist sehr mager, also halten wir uns hinter einem Segelboot, das sicher einen größeren Tiefgang hat als wir. Doch der Segler wird immer langsamer, so dass wir ihn doch überholen. Wir nehmen die erste brauchbare Möglichkeit zu übernachten war, das ist ein schöner Schwimmsteg vor dem Örtchen Cadillac. Eines der Boote, die mit uns geschleust haben liegt schon da, und auf der Innenseite des Steges liegen einige Sportboote z.T. mit unten hängendem Außenborder. Das heißt, für uns ist das geeignet. Dank der Strömung kann ich unser Boot rückwärts einparken und wir haben einen schönen Liegeplatz. An einem Pfahl hängt ein Kugelfender, der war zu Beginn unseres Manövers noch im Wasser, jetzt hängt er schon in der Luft. Der Segler gesellt sich auch noch dazu, wir erleben noch einen schönen Sonnenuntergang, es gibt zu essen und zu trinken, dann ab in die Kojen. Wegen der Geräusche, die das fließende Wasser macht, schlafen wir nicht sehr gut und wir können anhand des Fenders am Pfahl in der Nacht feststellen, dass das Wasser sicher 4 m gesunken ist.

03-07: Am nächsten Morgen ist das Wasser wieder oben, wie es sich für eine 12 ½-Stunden-Tide gehört. Wir konnten in der Nacht nicht feststellen, ob das Wasser seine Fließrichtung geändert hat. Nach dem Frühstück heißt es Leinen los und auf nach Bordeaux. 31 km , wir brauchen wegen der Strömungshilfe gerade mal 2 Std. bis in den Hafen von Begles, 4 km vom Bahnhof in Bordeaux entfernt. Wir machen wie es sich gehört gegen die Strömung fest und schon kommt ein netter Hafenmeister und fragt ob wir bleiben wollen. Es gibt einen offensichtlich sehr guten Slip, natürlich Toilette und Dusche. Das ganze für € 9,80/Nacht, also auch ok, zumal die Benutzung des Slip gratis ist. Denn wir sind am Ende unserer Tour angekommen. Ein Abstecher in die Dordogne scheidet aus, da dieser Fluß, der ja mit der Garonne zusammen die Gironde bildet, auch nur tidenabhängig zu befahren ist. Außerdem ist er in dem in Frage kommenden Bereich sehr breit und mit schlammigen Ufern nicht sehr einladend. Wir erfahren vom Hafenmeister, dass die Flut erheblich stärker strömt als der Fluß bei Ebbe, er empfiehlt, das Boot mit dem Bug flussabwärts festzumachen. Wir haben noch nie mit eingelegtem Rückwärtsgang rückwärts gegen den Strom festgemacht, aber irgendwie klappt auch das. Wir packen unsere Fahrrädchen aus und machen uns auf den Weg zum Bahnhof, denn morgen wollen wir zum Ausgangspunkt St. Gilles zurück um Auto und Trailer zu holen. Es gibt eine Verbindung nach Nimes, dem nächsten Bahnhof bei St.Gilles um
8:38 Uhr, der soll um 13:29 Uhr in Nimes sein. Fahrkarte gibt’s am Automat, der kann auch deutsch. Gabriele hat die großartige Idee, unsere Fahrräder zusammengeklappt als Gepäck mitzunehmen, Aldi macht mit diesem Argument ja auch Reklame. Wir nehmen einfach mal an, dass diese Regelung auch in Frankreich gilt. Wir kennen Bordeaux aus etlichen Urlauben, die wir mit unseren Kindern am Atlantik verbracht haben, also bleibt die Radtour zum Bahnhof und zurück unsere einzige Stadtbesichtigung. Nahe beim Hafen ist einer dieser riesigen Supermärkte und wir kaufen noch etwas Proviant für die Bahnfahrt morgen ein.
Beim Mercury-Händler bekomme ich auch ein Kupplungsstück für den Benzinschlauch, so dass ich den Tank ins Auto entleeren kann. Die Nacht wird nicht sehr ruhig, das Wasser macht schon erhebliche Geräusche.

04-07: Kurzes Frühstück, dann auf zum Bahnhof. Der Zug steht schon da. Die Fahrrädchen finden zusammengeklappt Platz zwischen je zwei Sitzen. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl in 5 Stunden den gleichen Weg mit dem Zug (kein TGV) zu fahren, wofür wir mit dem Boot über 4 Wochen gebraucht haben. Hin und wieder können wir Plätze und Orte oder Bauwerke entdecken, die wir auch mit dem Boot gesehen haben. Der Zug hält in allen größeren Orten, die wir überwiegend auch mit dem Boot angefahren haben. Und zu manchem Bahnhofsklo kommt der Kommentar: “Da waren wir auch schon mal.“ In Toulouse wird der Zug voll, und dann kommt noch ein Schaffner. Der fragt wohl auf französisch: „Wem gehören diese Fahrräder?“ Wir melden uns und werden dann auf Englisch ziemlich deutlich belehrt, dass es im Zug einen Fahrradwagen gebe, und man dafür ein Ticket kaufen müsse. Auf Georgs Einwand, dass es sich doch um Gepäck handele, erfahren wir, dass die Räder dann in einem Sack verpackt sein müssen. Auf unsere Frage was denn jetzt zu tun sei kommt nur ein „Denken Sie bitte beim nächsten mal daran.“ Und die Angelegenheit ist offensichtlich erledigt. Später in Nimes werden wir beim Aussteigen noch mal von ihm daran erinnert und damit hat sich der Fall. Das ganze macht auch Sinn, wenn man bedenkt, dass sich andere Reisende an den Fahrrädern verletzen oder auch nur die Kleidung beschmutzen könnten. Wie wir später bei Googlemaps sehen können, unterquert unser Zug den Canal du Midi genau unter dem Kanaltunnel oberhalb von Beziers. In Nimes suchen wir uns eine Busverbindung nach St. Gilles, das ist recht umständlich und nach einiger Zeit und Fragen bei anderen Busfahrern finden wir heraus, dass der nächste Bus in 2 Std. fährt. Wir haben ja unsere Rädchen dabei und los geht’s. Vorher noch schnell Maurice, der unser Gespann verwahrt, anrufen, dass wir in ca. 1 Std. bei ihm sind. Es wird eine anstrengende Fahrt, denn es ist sehr heiß und es gibt einen ordentlichen Berg auf der Strecke. Aber heute beginnt ja die Tour de France, da wollen auch wir zeigen, in welch guter Verfassung wir sind. Ganz am Schluß überholt uns noch der Bus, aber jetzt geht es nur noch bergab, außerdem ist unterwegs noch ein Aldi, wo wir unsere Wasservorräte ergänzen können. Wir kommen zum Canal du Rhone a Sete, wo wir vor fast 5 Wochen losgefahren sind. Und da gibt es eine freudige Überraschung: Maurice hat das Auto offensichtlich mit Wasser abgespült und die Scheiben geputzt, den Trailer schon angehängt, für Gabriele eine Rose in den Getränkehalter gestellt und für uns 2 kalte Limonaden geholt. Wahrscheinlich hat er wirklich mal eine Runde mit dem Forester gedreht, warum auch nicht. Wir erzählen kurz wie es uns ergangen ist, dann müssen wir los. Auf die Frage nach der Rechnung sagt er € 75,-, das sind € 35,- weniger als ursprünglich vereinbart. Das Trinkgeld fällt entsprechend aus, und wir machen uns auf den Weg zurück nach Bordeaux. Aus Zeitmangel nehmen wir die Autobahn und wir wissen nicht genau, ob die Kassenautomaten immer unseren Trailer gesehen haben, es war jedenfalls nicht immer so teuer, wie angegeben. In Belgien müssen wohl die Ferien begonnen haben, denn bis Narbonne war dichter Verkehr in Richtung Spanien, wobei sich die belgische Fahrweise (stur mit 120 km/h auf der mittleren Spur) als sehr hinderlich erwies. Wir kamen nach 550 km um
22:30 Uhr wieder an unserem Hafen in Bordeaux an, wo noch ein Hafenfest gefeiert wurde. Wir tranken noch ein paar Bier mit und fielen dann in die Kojen.

05-07: Auch in dieser Nacht hat die Garonne ganz schön gegurgelt und manches mal dachten wir, da kratzt doch ein Ast unter dem Boot. Am nächsten Morgen ist um 7:32 Uhr Flut und das Zeitfenster zum Ausslippen reicht bis etwa 10:30 Uhr. Um 8:30 gibt’s Frühstück und dann geht’s los. Auto und Trailer zum Slip gefahren, Sicherheitsleine befestigt, dann fährt Georg das Boot zwischen die letzten beiden Rollen des Trailers, Stahlseil einhaken und Kurbeln was das Zeug hält. Um 10:00 Uhr ist das Boot auf dem Trailer und unsere Tour zu Ende. Wir können noch 15 l Sprit aus dem Boot ins Auto laufen lassen, also haben wir 200 l verbraucht.
Das ist nicht zuviel für 731 km. Da wir für die Heimfahrt noch ein paar Tage Zeit haben, wollen wir das Boot wie einen Caravan nutzen, also muß auch nicht viel umgeräumt werden. Gegen 12:00 Uhr fahren wir etwas wehmütig los.

Die Heimfahrt führt uns über la Rochelle auf die Ile de Re. Wir besuchen den Leuchtturm, suchen einen Platz zum Übernachten und fahren unser Gespann auf einem Badeparkplatz fest. Keine Möglichkeit zu wenden, auch abkuppeln nützt nichts, der Trailer ist schließlich über 7m lang. Also ca. 200m rückwärts fahren, da muß man eben durch. Wir finden einen Platz, wo sich ein Flohmarkt auflöst, aber einige Wohnmobile stehen bleiben.

06-07: Am Morgen werden wir durch etliche LKW geweckt, wir schauen raus: ein Zirkus lässt sich hier nieder. Wir werden freundlich gefragt, ob wir am Herausfahren gehindert werden, wir verneinen und alles ist gut. In la Rochelle kaufen wir noch etwas Proviant und einige Mitbringsel, dann Kurs durch die Bretagne nach St. Malo. Wir finden an dieser schönen rauhen Küste einen Übernachtungsplatz auf einem dieser typisch französischen Picknickplätze. Nach einem Grillabend, 800 gr. Rumpsteak für 2 Personen, machen wir noch einen Spaziergang und als wir zu unserem „schwimmfähigen Wohnwagen“ zurückkommen, haben 3 weitere Wohnmobile diesen Platz entdeckt. Trotzdem wird die Nacht ruhig, aber es kühlt gehörig ab.

07-07: Der Mt. St. Michel ist ein absolutes Muß! Beeindruckend steht er seit Jahrhunderten da, wir machen ihm unsere Aufwartung. Diese Gegend Frankreichs kennen wir kaum, aber wir stellen fest: Hier waren wir nicht das letzte Mal. Die Landschaft ist recht bergig und unser Gespann kommt öfters in den 2. Gang, d.h. unter 80 km/h. Die Ortsnamen hat man häufig schon mal im Geschichtsunterricht gehört, wir kommen in die Gegend, wo 1944 die legendäre Landung der Alliierten stattfand. Da dieses Ereignis indirekt auch dazu geführt hat, dass wir uns in fast allen Ländern Europas heute ungezwungen und natürlich aufhalten können, besuchen wir den Pointe du Hoc, wo diese Invasion ihren Anfang nahm. In der Nähe des Omaha beach finden wir einen Campingplatz, es wäre mal wieder Zeit zu duschen. € 20,20 für 1 Nacht, soviel haben wir in keinem Hafen bezahlt. Nicht weit entfernt in Port en Bessin gehen wir noch mal lecker essen, Gabriele nimmt Muscheln a la Normandie mit einer Calvadossauce, für Georg gibt’s deftig 3 Sorten Fisch mit Sauerkraut.

08-07: Wir folgen der Küste und überqueren bei Le Havre die Seine auf der Pont de Normandie, einer wirklich großartigen Brücke. Wir würden gerne mal die Kreidefelsen von Dover sehen, aber das Wetter spielt nicht mit. Im Ortsteil „Bleriot-Plage“ von Calais ist man England so nahe wie nur möglich, aber die Engländer verstecken sich hinter Dunst und Nebel. Zum Glück haben wir sie auf dem Canal du Midi ganz anders als offene und freundliche Mitmenschen kennengelernt. Wir übernachten noch einmal in Gravelines, einem kleinen Hafen zwischen Calais und Dunkerque, schauen den stark wechselnden Gezeiten zu, und wissen, dass wir morgen wohl schon zu Hause sein werden. Die „Notration“ Käsenudeln mit Röstzwiebeln und Salat wird zubereitet und mit den letzten Bierchen vertilgt, dann geht’s ins Bett.

09-07: Wir verlassen unser liebenswertes Gastland nach 40 Tagen und kommen in Belgien irgendwie auf dem falschen Fuß an. Die erste Tankstelle mit Vorkasse, okay die wollen sich gegen Spritdiebe schützen, aber das kann man auch anders als mit: „Eerst moot Doo betaaale“ vermitteln. Das Autogas, das wir hier für preisgünstige € -,45 bekommen, ist aber auch deutlich schlechter als Benzin. Kurz hinter Brüssel ist mal eine Pause angesagt. Der LKW-Parkplatz ist wirklich nicht sehr sauber, das Klo ist sehr weit weg, also pinkelt Georg an einen Baum. Daraufhin wird er von einem sehr unfreundlichen Menschen mit einem Polizeiausweis beschimpft, das könne er in Deutschland machen, aber nicht hier in Belgien. Der mag ja recht haben, aber warum brüllt er auch noch mit Gabriele rum? Belgier sind die einzige Volksgruppe, die in unserem Bericht Minuspunkte bekommen. Ist aber doch eigentlich unnötig, oder? Kurz danach müssen wir noch durch die Niederlande, tanken und zoute drops kaufen, die sind wieder richtig nett und freundlich, dann kommt noch der alltägliche Autobahnkrieg von Aachen nach Köln und wir sind wieder zu Hause.


Fazit:

Der Canal du Rhone a Sete bietet einige Seitenverbindungen zum Mittelmeer, die zum Baden einladen. Ansonsten ist er nicht sehr interessant, Aigues Mortes kann man auch mit dem Auto besuchen.

Sete mit dem Etang de Thau ist für schnelle Sportboote und kleine Segler durchaus ein Urlaubsziel.

Der Canal du Midi ist eine wunderschöne Erfahrung. Man kann Betrieb aber auch Ruhe haben, ganz wie gewünscht. Es lohnt sicher, ihn in beiden Richtungen zu befahren, Toulouse, der obere Endpunkt ist ein absolutes Muß, auf das wir niemals verzichten würden.

Der Canal de la Robine bietet eine interessante Möglichkeit zum Mittelmeer, für seegehende Boote ist er sicher wichtig.

Der Canal Lateral de la Garonne ist wie viele andere Kanäle seiner Zeit gerade und zweckmäßig gebaut, er ist keinesfalls langweilig, aber nach dem Canal du Midi fällt er etwas ab. In Montech bzw. Buzet hat er allerdings Verbindung zu den Flüssen Tarn, Baise und über die Garonne zum Lot. Das ist aber wohl immer abhängig vom Wasserstand.

Die Baise wird wie auch der Lot nicht vom VNF verwaltet, sondern vom zuständigen Departement. Ob das auf die Zuverlässigkeit der Schleusen Einfluß hat, können wir nicht beurteilen. Der Fluß selbst wirkt träge und nicht sehr schön. Die Orte Vianne und Nerac sind aber durchaus sehenswert.

Den Lot haben wir leider nicht befahren können, auch ein Transport mit dem Auto dahin wäre ziemlich sinnlos gewesen, da nur die untersten 10 km noch freigegeben waren. Der Lot soll aber besonders schön sein.

Die Garonne von Castets en Dorthe bis Bordeaux ist recht interessant, aber keineswegs so abenteuerlich, wie es manch einer vorher erzählt hat. Ok, wir haben auch nur 0,5m Tiefgang.


Und noch ein paar Worte über unser Gastland Frankreich:
Die Franzosen sind stolz auf ihr Land und das mit Recht. Alles funktioniert, Auskünfte und Informationen sind warheitsgetreu und zutreffend, es wird nichts übertrieben. Allgemein wird rücksichtsvoll, ja sogar liebevoll mit den Mitmenschen umgegangen, gleich welcher Nation. Wenn man Hilfe braucht, bekommt man sie sofort und ohne Nachfragen. Ein paar Worte französisch sollte man schon beherrschen, allein um klarzumachen, dass man die Sprache nicht wirklich versteht. Die jüngere Geschichte hat auch in Frankreich eine ehrliche Freundschaft zu Deutschland entstehen lassen, auch wenn es noch ein paar alte Querköpfe geben mag, aber die werden nicht mehr ernst genommen.

Die Lebenshaltungskosten: Die Preise in Mitteleuropa sind annähernd gleich, im großen Supermarkt gibt es alles zu etwa den gleichen Preisen wie bei uns. Getränke im Restaurant sind deutlich teurer als bei uns, speziell Spirituosen. Die kleinen Alimentationsläden entlang touristischer Wege sind auch deutlich teurer als die Supermärkte. Es gibt auch Aldi und noch häufiger Lidl.

Die Bootskosten: Sprit ist etwa so teuer wie bei uns, Diesel etwas billiger. Liegeplätze am Kanal recht billig, meistens nur Kosten für Strom, Wasser und Dusche. Aber man kann fast überall „wild“ festmachen und das ist umsonst. Die Vignette des VNF wird nach Bootsgröße und Aufenthaltsdauer berechnet: https://www.vnf.fr/vignettesVNF/page.../tarifs_de.pdf Wir haben € 100,20 bezahlt.
Unseres Wissens muß die Vignette auch von Mietbootfahrern gekauft werden.

Das Boot: Unser „Triton IV“ ist mit 6,1 m Länge und 25 PS absolut ausreichend, es lässt sich auch noch einfach trailern und slippen.
Die zahlreichen Schleusen alter Bauart sind recht ruppig und so sollte man genügend Fender und eine ordentliche Scheuerleiste haben.
Ein Fenderbrett ist manchmal hilfreich an der Spundwand, aber die ist im Canal du Midi selten. 2 oder 3 kleine Autoreifen (die schwimmen nicht) sind am gewachsenen Ufer zweckmäßig. Trotzdem sollte man bei einem kleinen Kratzer am Boot nicht in Panik fallen, die lassen sich gar nicht vermeiden. Die Leinen kann man nach einem solchen Törn durchaus wegschmeißen. Über die vorgeschriebene Ausrüstung kann man das Internet befragen, kontrolliert hat uns keiner.

Wir könnten noch viel mehr über diesen schönen Törn schreiben, aber hier muß jetzt mal Schluß sein. Wenn nichts dazwischen kommt, ist nächstes Jahr der Göta-Kanal dran.
__________________
Richtig saubere Finger bekommt man nur, wenn eine Hand die andere wäscht!

Geändert von lachshunter (10.05.2017 um 18:22 Uhr) Grund: Picasa-Link auf Wunsch geändert.
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