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Motoren und Antriebstechnik Technikfragen speziell für Motoren und Antriebstechnik.

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  #1  
Alt 29.08.2010, 16:39
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JulianBuss JulianBuss ist offline
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Standard Erfahrungsbericht Schalldämpfung Motorraum (Diesel, Stahlverdränger)

Hallo,

ich möchte von meinen Erfahrungen hinsichtlich Schalldämpfung des Motors berichten. Die Historie könnt Ihr in diesem Thread nachlesen: http://www.boote-forum.de/showthread.php?t=99463&page=2

Wenn jemand aber nach Erfahrungswerten hinsichtlich Schalldämpfung sucht, wir er von dem Titel dieses Threads irregeführt und hat sicher auch keine Lust, bis zum Ende zu lesen - daher beschreibe ich meine Erfahrungen in diesem separaten Thread.

Alle Lautheitsangaben hier sind subjektiv, exakte Phone oder Sone-Zahlen habe ich nicht gemessen.

Ausgangslage

12m Stahlverdränger, 2 x Mercedes OM-312 Schiffsdiesel.
Großer Motorraum unter dem Salon und Fahrstand, ca. 3m x 2,5m x 1,5m groß.

Deckenplatten bestanden aus starkem Holz (geschätzt 1,5cm), darunter ca. 4cm Mineralwolle, gedeckelt mit Lochblech. Eine Grundisolierung war also schon vorhanden.

Lautstärke beider Motoren war erträglich, bei Marschfahrt mit 2000rpm war ein Gespräch mit angehobener Stimme gut möglich. Nach mehrstündiger Fahrt war der Lärm aber schon nervig (für mich und meine Familie zumindest).

Frequenzen des Motorenlärms habe ich gemessen und hier beschrieben: http://www.boote-forum.de/showpost.p...2&postcount=15

Zielstellung

Die Maschinen sollen bei Marschfahrt so leise sein, dass

a) man sich in normaler Lautstärke problemlos unterhalten kann
b) es auch nach 5 Stunden Fahrt nicht nervt
c) ich morgens um 4 aus dem Hafen fahren kann ohne die Nachbarn zu wecken
d) ich morgens um 4 aus dem Hafen fahren kann, ohne meine Kinder in der Bugkabine zu wecken

Also die Maschine kann gerne noch höhrbar sein, aber eher im Hintergrund, so in Richtung wie bei einem Auto.

Maßnahmen

Bauliche Änderungen an den Maschinen selbst hab ich ausgeschlossen, da wahrscheinlich sowieso nicht möglich.

So lustige Techniken wie Gegenschall sind in der Theorie spannend, in der Praxis aber in unserer Liga wohl eher nicht geeignet.

Bleibt also die klassische Schalldämpfung oder -dämmung mit entsprechenden Materialien.

Unterschied Schalldämpfung und -dämmung

Material zur Schalldämmung reduziert die "Menge" an Schall, die nach außen dringt.

Material zur Schalldämpfung vernichtet aktiv Schall, indem Schallwellen in Bewegungsenergie und letztlich in Wärme gewandelt wird.

Materialwahl

Nach ausgiebiger Recherche habe ich mich für Material von www.aix-foam.de entschieden. Gemäß der von mir gemessenen Frequenzen habe ich konkret für das SH0071 in 40mm Dicke entschieden (man beachte die Dämpfungsangaben je Freqzenzbereich): http://www.aixfoam.de/Kategorie/cat_...art_id_20.html

Dies ist keine Werbung; sicher gibt es von anderen Herstellern auch gute Materialien - mich haben die Angaben auf der aix-foam Website und die detaillierten Angaben zur Dämpfung je Frequenzbereich überzeugt.

Verwendung des Materials

Zuerst hatte ich 8 Platten á 1m x 0,5m, insgesamt also 4qm.

Da die Deckenplatten ja schon eine Schalldämmung hatten, hab ich das Material erstmal an den Seiten des Motorraums angebracht:

- rechts und links, Abdeckung jeweils ca. 80%
- hinter den Maschinen (dort sind auch die Dieseltanks) an der Wand, Abdeckung ca. 60%

Denn SchallDÄMPFUNGS-Material vernichtet ja aktiv Schall, daher macht eine Montage rund um die Maschinen durchaus Sinn: die Maschinen strahlen Schall nach allen Seiten, der wird teilweise von der Bordwand reflektiert und nach oben durch die Deckenplatten zurückgeworfen.

Der Effekt war merkbar, aber es war kein "Aha"-Effekt. Es war etwas weniger Lärm, vor allem hat sich die Art des Lärms geändert, es war durchaus angenehmer, entsprach aber noch nicht der Zielstellung.

Daher habe ich weitere 8 Platten bestellt, die ich nun zusätzlich an den Deckenplatten angebracht habe (also noch unter dem Lochblech der bisherigen Dämmung der Deckenplatten).

Anschließend trat der erhoffte "Aha"-Effekt ein. Der Lärm ist nun DEUTLICH reduziert.

Momentaner Stand

Der Lärm ist subjektiv um mindestens die Hälfte reduziert, auch der "Klang" des Motors hat sich spürbar geändert und zerrt - subjektiv gesehen - weniger an den Nerven bei langen Strecken.

Die Zielstellung ist noch nicht ganz erreicht, da es noch einige Lücken in der Decke gibt, die noch nicht mit dem Material abgedeckt sind (z.B. Verstrebungen, auf denen die Deckenplatten liegen und Stellen, wo reine rausnehmbaren Deckenplatten sind).

Überlegungen zur Haltbarkeit

Das Material wird schätzungsweise 6 bis 10 Jahre überstehen, dann wird es durch die Hitze, Öldämpfe etc. anfangen zu bröseln und sich aufzulösen.
Ich habe das in Kauf genommen und werden dann, wenn das passiert, schlicht wieder neues Material aufbringen.
Das aix-foam Material mit der silbernen Schutzschicht habe ich nicht genommen, weil es mir zu teuer war und es nicht gesichert ist, dass dieses Material deutlich länger hält.

Weitere Tipps

Hier in Kurzform Tipps an denjenigen, der ähnliche Ziele hat:
  • Nimm gutes Material. Nimm nicht das typische "Eierbecher"-Material vom Schiffsausrüster.
  • Versuche zu messen, in welchem Frequenzbereich der Lärm deiner Maschinen ist und nimm darauf optimiertes Material. Es gibt gute Software für Mac und Windows, um mit einem Notebook den Lärm aufzunehmen und zu analysieren.
  • Nimm Material zur SchallDÄMPFUNG, nicht reine Schalldämmung.
  • Decke zuerst die Bodenplatten (also die Decke des Motorraums) von unten mit dem Material ab.
  • Decke die Fläche möglichst lückenlos ab. Ein zentimetergroßer Spalt lässt immer noch genügend Schall durch um den Effekt der ganzen Dämpfung spürbar zu verringern.
  • Nimm selbstklebendes Material. Das spart eine Menge Arbeit.
  • Verlass Dich nicht auf den Kleber. Verwende zusätzlich Schrauben o.ähnl. an einigen strategischen Punkten, um das Material mit dem Untergrund zu verbinden und auch dann zu halten, wenn der Kleber mal nachlässt.
  • Decke nach den Bodenplatten die Seiten des Motorraums ab, bei Verwendung von SchallDÄMPFUNGS-Material bringt das auch etwas.
  • Achte darauf, dass der Motorraum trotzdem noch genügend Luft und ggf. Kühlung bekommt! Teste ggf. mit einem Thermometer bei längerer Fahrt, ob die Temperatur im Motorraum noch akzeptabel ist.

Das Thema Trittschall

Motorlärm wird nicht nur durch die Luft, sondern auch durch den Bootskörper und diverse Vibrationen übertragen (Trittschall). Das lässt sich mit Schalldämmungs- oder -dämpfungsmaterial nicht wirklich in den Griff bekommen, da hilft es wohl vor allem den Motor auf ein gutes, vibrationdämpfendes Fundament zu stellen.


So, ich hoffe ich hab nix vergessen und kann anderen Leuten mit diesen Erfahrungen helfen
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  #2  
Alt 30.08.2010, 12:00
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Hallo Julian,
auch wenn hier keine dB Angaben zu lesen sind, finde ich Deinen Live-Bericht sehr wertvoll, nochmals Danke dafür .
Es dauert bei mir noch einige Jahre bis ich meine Maschinenraumdämmung baue, trotzdem achte ich in meiner Planung bereits darauf .

Übrigens Trittschall, besser Körperschall, verbreitet sich nicht nur durch schlechte Motor- u. Getriebelagerung, auch Druck- u. Wellenlager können Motorengeräusche ins Boot bringen .

Grüße : TOMMI
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  #3  
Alt 30.08.2010, 12:33
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Übrigens sind dB Angaben m.E. eher theoretischer Natur weil sie nix darüber aussagen, wie unangenehm ein Geräusch ist. Besser wären Sone Angaben, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Sone

Wenn der Lärm von Computern gemessen wird, wird z.B. in den besseren Zeitschriften Sone statt dB/Phone angegeben.
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  #4  
Alt 30.08.2010, 17:31
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Die Maßeinheit dB ist schon weltweit Fakt u. spiegelt Tatsachen wieder .
Phone war im Mittelalter .

Ist schon richtig, viele Menschen können es nicht gut verstehen u.o. umsetzen . Ist aber nicht wirklich schwer .

Deswegen werde ich auch nicht C° verdrängen, nur weil für den einen 20 C° mollig warm ist, für den anderen vielleicht zu kühl .

Wichtig ist vielmehr, dass wenn ein Hersteller sagt: DÄMMT -X dB bei X Hz .
Damit läßt es sich doch techn. gut planen u. bauen .

Grüße : TOMMI
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  #5  
Alt 30.08.2010, 18:49
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Ich hab mal vor ein paar Jahren einen Testbericht einer neuen Linssen Yacht gelesen und da wurde beschrieben
das man über dem Wellentunnel ein Kasten angebracht wurde der mit ganz feinem Sand gefüllt war, sollte auch der Lärmdämpfung dienen.
Keine Ahnung obs was bringt, könnt es mir aber gut vorstellen.
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mfg. Ralf
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  #6  
Alt 18.11.2010, 18:29
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Ich hab in der Zwischenzeit noch etwas mehr Material verbaut. Nun ist fast der ganze Motorraum ausgekleidet und es gibt nur minimale Lücken nach oben hin (hier und da einige Millimeter breit).
Leider kann ich jetzt nicht mehr hören, was es noch gebracht hat - erst im Frühjahr wenn das Boot wieder im Wasser ist

Jedenfalls hab ich nochmal ein paar Bilder gemacht um zu zeigen, wie sowas aussehen kann.
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  #7  
Alt 18.11.2010, 19:21
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Laminator Laminator ist offline
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Gut das Du geschrieben hast das man sich nicht auf den Kleber verlassen sollte.
Das ist immer die grösste Schwachstelle die nach ein paar Monaten auftaucht. Die Dämpfung löst sich ab in Folge von Hitze und öligen Dämpfen.
Ich habe gute Erfahrungen mit Gehäusen gemacht die ich
extra der Luftfilterform angepasst habe und dann anschliessend mit Blei/Zinn Gemisch ausgegossen habe.
Das hat bei meinem Aussenbordmotor schon einiges gebracht. (Ok Ansauggeräuschdämpfer Filter is ja nicht)
Masse ist immer besser als Baumarktschaumstoff.
Gummischnitzelmatten sind auch nicht schlecht ,da sie
ordentlich Masse haben.
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§ 1 jeder macht seins
Gruß Andreas
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  #8  
Alt 18.11.2010, 19:45
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charlyvoss charlyvoss ist offline
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Zitat:
Zitat von JulianBuss Beitrag anzeigen
....

Materialwahl

Nach ausgiebiger Recherche habe ich mich für Material von www.aix-foam.de entschieden. Gemäß der von mir gemessenen Frequenzen habe ich konkret für das SH0071 in 40mm Dicke entschieden (man beachte die Dämpfungsangaben je Freqzenzbereich): http://www.aixfoam.de/Kategorie/cat_...art_id_20.html

....
Hallo,

Welche Brandschutzklasse hat das Material?

Ich kann auf der Homepage keine Angaben dazu finden, sondern nur zur Prüfmethode (FMVSS 302 / DIN 75200)
Die Prüfergebnisse werden nach dieser Methode wie folgt dokumentiert:
DNI - nicht entflammbar
SE - selbstverlöschend (Material brennt, verlischt aber vor Erreichen der Meßmarke)
SE/NBR - selbstverlöschend ohne Brennrate (Material brennt, erlischt aber innerhalb 60 Sekunden und Brennweg liegt unterhalb 76 mm)
SE/B - selbstverlöschend, die Flamme erlischt innerhalb der Meßstrecke oberhalb der ersten 76 mm; Die Brennrate wird als 60xBrennweg/Brennzeit (mm/min) angeben.
B - Die Flamme legt den gesamten Brennweg (insg. 360 mm) zurück. Es wird die Brennrate als 60xBrennweg/Brennzeit (mm/min) angeben.
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Charly
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  #9  
Alt 18.11.2010, 21:49
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Brandschutz nach Norm FMVSS302.
Auszug aus einer Info dazu:
---
Prüfmethode FMVSS 302

Konkrete Anforderungen an das Brandverhalten von Werkstoffen. Wurde in den USA
erarbeitet und als FMVSS 302 im Jahre 1972 in Kraft gesetzt.
Hierbei wird wie folgt geprüft:

Probenkörper
5 Proben 356 x 100 x Anwendungsdicke, jedoch max. 13 mm, Messmarken 38 mm,
88 mm, 292 mm. Messstrecke 254 mm.

Probenanordnung
Probe liegt horizontal auf einem Träger.

Zündquelle
Bunsenbrenner mit aufgesetzter 9mm Düse. Bildung einer 38 mm hohen Flamme.

Beflammungsdauer
15 Sekunden Kantenbeflammung

Beurteilung
Flammenausbreitungsgeschwindigkeit über Messstrecke max. zulässige
Flammenausbreitungsgeschwindigkeit 4 inch/Minute (101,6 mm/Minute)
---

Als Laie entnehme ich daraus, dass es nicht sofort lichterloh brennt, aber auch nicht unbrennbar ist.
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  #10  
Alt 18.11.2010, 23:01
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Zitat:
Zitat von JulianBuss Beitrag anzeigen
Brandschutz nach Norm FMVSS302.
Auszug aus einer Info dazu:
---
Prüfmethode FMVSS 302

Konkrete Anforderungen an das Brandverhalten von Werkstoffen. Wurde in den USA
erarbeitet und als FMVSS 302 im Jahre 1972 in Kraft gesetzt.
Hierbei wird wie folgt geprüft:

Probenkörper
5 Proben 356 x 100 x Anwendungsdicke, jedoch max. 13 mm, Messmarken 38 mm,
88 mm, 292 mm. Messstrecke 254 mm.

Probenanordnung
Probe liegt horizontal auf einem Träger.

Zündquelle
Bunsenbrenner mit aufgesetzter 9mm Düse. Bildung einer 38 mm hohen Flamme.

Beflammungsdauer
15 Sekunden Kantenbeflammung

Beurteilung
Flammenausbreitungsgeschwindigkeit über Messstrecke max. zulässige
Flammenausbreitungsgeschwindigkeit 4 inch/Minute (101,6 mm/Minute)
---

Als Laie entnehme ich daraus, dass es nicht sofort lichterloh brennt, aber auch nicht unbrennbar ist.
das müsste dann die Brandklasse SE/B sein. Vergleichbar mit dem deutschen Begriff "schwer entflammbar".

in der Praxis bedeutet das: wenn man dieses Material mit einem Feuerzeug entzündet, brennt es weiter solange die Zündquelle (Feuerzeug) weiter brennt. Entfernt man das Feuerzeug, erlischt die Flamme nach kurzer Zeit.

Wenn es im Motorraum zu einem Brand kommt, nimmt das Material an der Verbrennung teil und erlischt nicht mehr weil die Zündenergie dann weitaus größer ist als eine Feuerzeugflamme.

Es kann deshalb sein, dass Du Dir ein hohes Brandpotential in den Motorraum geholt hast, welches bei einem Brand noch zusätzlich für starke Rauchentwicklung sorgen kann.
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  #11  
Alt 19.11.2010, 13:13
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"hohe Brandpotential" würde ich es nennen, wenn es ein Brandbeschleuniger wäre... aber sicher, perfekt ist es nicht. Irgendwas ist halt immer.
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  #12  
Alt 03.02.2011, 08:01
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Update: ich hab nun noch Dichtung auf die Auflagefläche der Deckenplatten geklebt weil ich mir vorstellen kann, dass da sonst auch noch Schall durchkommen kann. (siehe Bild)

Ab April kann ich sagen, was es bringt - dann ist das Boot wieder im Wasser
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  #13  
Alt 10.05.2011, 15:55
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Update: die Dichtung auf den Auflageflächen hat minimal was gebracht, das kann man auch sein lassen.

Ansonsten habe ich an Bodenplatten, die nicht im Motorraum sondern achtern über den Schrauben und Wellen sitzen, mal Schwerfolie angebracht (http://www.aixfoam.de/Kategorie/cat_...art_id_15.html). Das ist ein lustiges Zeug, ziemlich dünn, aber richtig schwer.

Das hat durchaus was gebracht, die Wellen- und Schraubengeräusche in der Achterkajüte sind deutlich geringer geworden.

Auch hier gilt: unbedingt mit Schrauben befestigen, der Kleber hält manchmal, aber nicht immer.

Für die Bodenplatten des Motorraums würde ich aus heutiger Sicht Material mit Oberflächenkaschierung UND drunterliegender Schwerfolie verwenden:
- die Oberflächenkaschierung verhindert, dass Staub vom Schaumstoff auf den Motor rieselt
- die Schwerfolie hilft gegen den Köperschall und dämpft nochmal zusätzlich

Ansonsten bin ich mit dem Material und den Ergebnissen weiter sehr zufrieden. Mit einem nicht-geeichten Lautstärkemesser auf dem iPhone habe ich bei 2000 Umdrehungen in Fahrt unter 60dB gemessen (am Steuerstand, direkt über den Maschinen).
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  #14  
Alt 17.05.2011, 09:36
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Hallo alle zusammen .

Finde ich , nach wie vor, klasse Deine Berichte hier, Julian .

Ob nun 102 mm /min Brandgeschwindigkeit gut oder eher schlecht ist,
kann ich z.Z. auch nicht sagen .
Hier müsste man nun mehrere Dämmwerkstoffe vergleichen, incl. entsprechender Zulassungen .

Tatsache ist aber, dass viele Dämmungen aus porigem, dünnzelligem Material
bestehen, die viel Luft u. damit auch Sauerstoff einschließen .


Grüße : TOMMI
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  #15  
Alt 31.08.2011, 15:03
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Hinweis: in der jetzt aktuellen Palstek Heft 5/2011 gibts einen sehr kompetenten Bericht über Lärmdämmung von Motoren. Sehr empfehlenswert!
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  #16  
Alt 16.11.2011, 09:56
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Gut fand ich diese (allerdings schon 9 Jahre alte) Quelle:

http://www.hifi-highend-selbstgebaut...ersteifen.html

Die Kombination aus Schwerfolie und Filz scheint sehr effektiv zu sein. Ich zimmere gerade meine Motorraumabdeckungen neu und plane, diese Kombination einzusetzen. Ich werde dann mal berichten.
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Gruß,
Thorsten
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  #17  
Alt 16.11.2011, 10:21
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bin gespannt.
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  #18  
Alt 16.11.2011, 14:02
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Zitat:
Zitat von LO-Technik Beitrag anzeigen
Tatsache ist aber, dass viele Dämmungen aus porigem, dünnzelligem Material
bestehen, die viel Luft u. damit auch Sauerstoff einschließen .
Das spielt doch keine Rolle. Wenn da kein Dämmmaterial wäre, wäre noch viel mehr Luft(sauerstoff) dort.
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  #19  
Alt 16.11.2011, 16:39
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Hallo immer noch ohne Namen zum Ansprechen (Wohnbusfahrer) .

Nur wenn ich Dich vernünftig anreden kann,
bin ich gerne bereit Dich etwas zum Thema aufzuklären .

Mit nur halbherzigem Wissen lehnt man sich sehr schnell zu weit aus dem Fenster .

Infos nur über freien u. gebundenen O² im Brandraum genügen da nicht alleine .

Ist ein sehr weites u. interessantes Thema !

Aber mal als Tip : Brandeindämmung, Folgebrandverhinderung .


Grüße : TOMMI
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  #20  
Alt 16.11.2011, 17:45
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Ja, hatten wir heute gerade in der Vorlesung.
Ich behaupte trotzdem, dass dort, wo Dämmmaterial ist, keine Luft sein kann. Damit ist automatisch die Luftmenge geringer als wenn dort kein Dämmmaterial wäre.
Das sagt nichts über das Brandverhalten der Dämmung aus, aber viel über dein Wissen von der Gleichzeitigkeit von Etwas in Etwas.

Im Übrigen darfst du mich gerne auch "Herr Wohnbusfahrer" nennen, wenn dir "Wohnbusfahrer" zu vertraulich ist.
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