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Törnberichte Wie der Name schon sagt. Keine Antwortmöglichkeit!

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Alt 25.06.2002, 11:23
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Standard Delfzil / Appingedam

Am Wochenende habe ich kurzfristig die Route geändert. Eigentlich wollte ich mit meiner Herzallerliebsten nach Borkum, aber weil wir so spät loskamen und eine Nachtfahrt auf der Ems ohne Radar bei West 4-5 nicht unbedingt ein reines Vergnügen ist, haben wir das Ziel geändert.

Erste Etappe Delfzil.

Die Ansteuerung geht recht einfach, auch bei Dämmerung oder Dunkelheit. Die Tonne 53 ist die Ansteuerungstonne für die Hafeneinfahrt, danach geht es befeuert wie auf einer Landebahn weiter. Unbedingt sollte man den Hafenfunk mithören (Hinweisschild an der Hafeneinfahrt auf Steuerbord). Wenn die dickeren Pötte da manövrtieren kann es sehr eng werden! Das Hafenbecken zieht sich über mehrere Kilometer Richtung NNW. Ein langer Damm schützt das Hafenbecken gegen die kabelige Ems. Bislang war für mich Delfzil immer nur Einfallstor Richtung friesische Seenplatte. Das dort am Ende des Hafens noch der Yachtclub Neptunus ist sieht man auch nicht unbedingt. Zusätzlich geschützt hinter einem Anleger der Berufsschiffahrt kann man ihn auch nur schwer ausmachen.

Dort liegt man sehr ruhig, die Stege sind tip-top, der Hafenmeister ist sehr freundlich, die Toiletten und Duschen sind nagelneu und wie geleckt. Auch die Gebühren halten sich mit 1 Euro pro Meter plus 50 Cent "Touristbelasting" pro Person in moderaten Rahmen. Die Stadt an sich ist nicht so toll. Man findet zwar alles dort, vom Yachtausrüster bis zum Supermarkt, aber die Stadt hat nicht das gewachsene Flair anderer niederländischen Städte.

Highlight war noch, das an der uns gegenüberliegenden Kade ein dreimastiges polnisches Schulschiff festgemacht hatte. So wurde wir richtig "schiffig" durch deren Glasenschläge geweckt.

Zweite Etappe Appingedam.

Am Samstag Vormittag regnete es, so dass wir den Tag langsam angingen. Erst gegen 11 Uhr klarte es auf und wir legten ab, um durch die "Kleine Sluis Delfzil" auf den Eems-Kanal zu schleusen. Die Schleusen Delfzil werden rund um die Uhr, sieben Tage die Woche bedient. Anmelden kann man sich über Funk, ist aber eigentlich nicht notwendig, denn die Schleuse geht in Vorbereitung, sobald man in den Schleusenvorhafen einläuft. Die Niederländer sind da ja um einiges fixer, als die Deutschen.

Mit einem 6m Segler zusammen ging es rein in die Schleuse. Gleichzeitig kam noch ein "Dicker" in die nebenliegende "Große Sluis". Mit dem Segler hinter uns ging es dann auf den Eems-Kanal Richtung Gronningen. Der "Dicke" brauchte etwas länger, holte dann aber zügig auf und überholte uns schließlich. Hier sollte man immer auf genügend Platz achten - nicht so, wie der deustche Skipper, der dem "Dicken" entgegenkam, als dieser uns und den Segler gerade an Backbord überholte. Von der Mitte des Kanals bis an den Rand kann ganz schön weit sein. Und so ein Horn kann ganz schön laut sein...

Bis zur "Groeve Sluis Nord", unserem Abzweig nach Appingedam, sind es nur ein paar Kilometer und zwei Brücken. Die erste hate eine Durchfahrtshöhe von 5 Metern, müsste für uns eigentlich nicht geklappt werden, aber für den Großen vor uns. Wir überholen nicht, sondern halten uns dahinter - sonst hätte er uns doch wieder überholt. Die zweite Brücke reicht jedoch auch für uns nicht und so ist der "Dicke" gleichzeitig Fahrkarte.

Eigentlich braucht man so eine Fahrkarte nicht, denn die Brücken werden bis Gronningen videoüberwacht und fernbedient. Länger als ein paar Minuten dauert es nie, bis sich was tut. Zur Not kann man die Brückenwärter aber auch über den Revierfunk erreichen bzw. sich an etwas versteckt angebrachten Meldern bemerkbar machen.

Nach passieren der zweiten Brücke kommt an Steuerbord dann die "Groeve Sluis Nord" und 200m weiter die "Groeve Sluis Sued". Erstere führt Richtung Appingedam, letztere Richtung Schildmeer (auch wunderschön!). Wir fahren Richtung Appingedam. Die Sluis Nord wird von der Sluis Sued fernbedient und videoüberwacht. Nach der Schleuse geht es ein paar Kilometer mit 6 km/h (gähn) Richtung Appingedam. Anfangs sieht es dort nicht sehr einladend aus (kleinere Industrieruinen, Alpapierverwertung), aber davon sollte man sich nicht schrecken lassen. Der Yachthafen in Appingedam ist zwar klein, die Duschen/Toiletten nur in einem Container (aber sehr sauber!), aber der Hafenmeister ("Goude Tach, ik bin Thies") ist sehr zuvorkommend und ihm liegt die Zufriedenheit der Gäste sichtlich am Herzen. Die Liegegebühren für ein 21 Fuß Schiff betrugen 4,62 Euro (keine Ahnung, warum Thies da nicht aufrundet ) plus 50 Cent pro "Duschvorgang" (was man nach Treu und Glauben mit ihm abrechnet).

Die Stadt selbt ist eine wunderschöne kleine niederländische Stadt, halbseitig umrahmt und durchflossen von Kanälen (Dampster Diep). Kleine Gässchen, schöne Läden und leckere Restaurants versüssen den Aufenthalt - die holländische Lebensart sowieso.

Wieder zurück nach Emden.

Sonntag ging es dann wieder zurück. Schade, dass wir noch keinen Urlaub hatten, wir wären gerne noch länger geblieben bzw. auch mal wieder auf's Schildmeer rausgefahren. Brücken und Schleusen waren schnell passiert, länger als 10 Minuten haben wir nirgendwo gewartet. Im Delfziler Aussenhafen konnten wir dann noch sehen, wie ein wendender Salzfrachter einen 10m Segler zum Ausweichen "überredete" und dann ging es auch schon mit einem kleinen Fischer zusammen raus auf die Ems. Ein netter 1-1,5m Wellengang von achtern bei West um 4 trieb uns nach Hause und mein kleines Boot konnte mal wieder zeigen, was der Begriff "Rauhwassergleiter" eigentlich heisst. Während auf den anderen Gleitern draussen die Anzahl der blauen Flecken dramatisch zunahm, guckten wir uns an und fragten uns: "War da was?"

In Emden hatten wir dann richtig Schwein: Die Nesserlander Schleuse war in Vorbereitung, die Eisenbahnbrücke stand weit auf und die Pause der anderen Brückenwärter und der Kesselschleuse war ebenfalls vorbei. Wider Erwarten konnten wir so durchfahren - das erste Mal, dass ich sowas erleben konnte. So waren wir 2 Stunden als grob geplant schon wieder im Heimathafen.
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Viele Grüsse,
Olaf
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