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Törnberichte Wie der Name schon sagt. Keine Antwortmöglichkeit!

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Alt 21.07.2020, 01:17
Arukard Arukard ist offline
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Standard Motorboot - von Makkum nach Surwold (+Bootsfindung) - Arukard - Juli 2020

Start of a Journey - oder: Wie ich auszog ein Boot zu kaufen


Nach meinem letzten nachgetragenen Törnbericht kribbelt es mir in den Fingern auch den kommenden Törn zu dokumentieren. Damit ich aber auch alles behalten kann und dem ganzen auch meinen eigenen Erwartungen entsprechend gerecht werde fange ich einfach schon mal vor dem eigentlich Törn an und zwar mit der Bootssuche und den sonstigen Vorbereitungen. Wie ich auf die Idee kam mir ein Boot zu kaufen und welche Gedanken ich mir dabei gemacht habe, stelle ich schon hier im ersten Post und im zweiten Post klar. Während der erste Post mehr über die Suche und die Entscheidung geht, geht es in dem zweiten um die Verhandlung und die danach kommenden Besorgungen, Erledigungen und Sorgen. Wer das ganze überspringen möchte darf sich frei fühlen, diesen Teil entsprechend zu Überspringen, den eigentlichen Törnbericht affektiert das nicht.

Die Bootssuche
Nach meinem ersten richtigen Törn (über mehr als ein paar Stunden + 2 Übernachtungen), wusste ich, dass ein eigenes Boot her muss. Ich hatte zwar schon vorher mit dem Gedanken gespielt, jedoch hielten mich einige unsichere Faktoren bei der Arbeit und ein Hauskauf erst einmal davon ab. Zwar hatte es mir, als ich meine Scheine (SBF Binnen und See) hatte, schon etwas in den Fingern gejuckt und ich war tatsächlich auch auf verschiedenen Besichtigungen von Booten, aber irgendwie war nicht das richtige dabei.
Nach meinem Törn also ein neuer Versuch mit neuen Punkten, auf die ich achten musste. Erster Punkt für mich auf der Liste war, dass ich unter Decke und am Steuerstand stehen können möchte. Hört sich einfach an, aber mit einem zarten Leichtbau (Sarkasmus) und einer Körperhöhe von 198cm ist das ganze gar nicht mal so einfach.
Der zweite Punkt war für mich, dass ich mich erst in die Materie reinarbeiten muss und das aufgrund der Arbeit halt auch nur nach und nach kann. Und da so ein Boot – so sagen zumindest die Mythen – gut und gerne auch mal ein Fass ohne Boden sein kann, darf zumindest am Anfang nicht viel Kaputt gehen oder aber noch Reparaturbedürftig sein.
Den dritten Punkt konnte ich zunächst nicht ausmachen, aber ich gestehe, ich wollte einen gewissen Luxusanteil. Für mich war es wichtig eine feste Kochstelle zu haben und eine Notfall-Toilette, bei der ich nicht nach einer Benutzung einen Plastiktank quer durch die Botanik tragen muss.
Der vierte Punkt war die Beweglichkeit bzw. die Flexibilität. Ich möchte mit dem Boot eigentlich alles machen können. Vom gemütlichen Wasserwandern in den Niederlanden bis zum Peitschen über die Nordsee.
Also eBay-Kleinanzeigen, Boote24, Google und andere Portale und Suchmaschinen bedient, in drei Sprachen (De, Nl, En). Die erste Frage war immer: Wie hoch ist die Stehhöhe am Steuerstand und unter Deck. Tatsächlich haben sich damit die meisten Anfragen schon einmal erledigt. Natürlich sucht man zu Beginn nach der eierlegenden Wollmilchsau, die kein Brot nimmt und auch noch nebenbei anschaffbar ist. Jedoch musste ich schnell feststellen, dass „Gut in Schuss“ und „Preisgünstig“ nicht per se die besten Freunde respektive die nahestehensten Faktoren sind.
Ich habe mich daher auch in diverse Newsletter von Bootsmaklern eingetragen, und am Ende auch ein eBay-Gesuch erstellt, bei dem ich genau mitteilen konnte, was ich suchte. Und ich musste mich in meiner preislichen Vorstellung anpassen. Als ich bei meiner ersten Suche noch im Bereich von bis zu 10.000€ war – wofür man ja durchaus schon Boote bekommen kann – ich aber eine bestimmte Sache hatte, die mir fehlte – Zeit – musste ich das Budget kurzerhand erhöhen. In meinem Gesuch hatte ich schließlich 50.000€ VB eingetragen und siehe da. Die Angebote trudelten ein und anscheinend war das auch genau der richtige Betrag um „Bastlerfahrzeuge“ nicht angeboten zu bekommen. Ich hatte mehrere Angebote, berichte im Folgenden aber nur von zwei. Achtung – Spoileralarm – eines davon ist es geworden .

Bootsbesichtigungen
Dann kamen die Besichtigungen, dafür habe ich schon so manchen Liter Sprit über den Jordan geschickt, aber für eine Investiontion in der Größenordnung war das alles vollkommen in Ordnung. Beide hier beschriebenen Angebote hatten ein paar Gemeinsamkeiten. Zum einen waren das beides Privatkäufe, zum anderen beides GFK-Boote mit den entsprechenden Voraussetzungen. Weiterhin waren beide Boote auf ihre eigene Art gepflegt. Jedoch war das Eine Boot eine Bayliner 2855 (Bj. ‘91, Volvo Penta, bezin 330PS, 20 Betriebsstunden, Inneneinrichtung neu, Spülmaschine, Rechnungen etc. vorhanden) für VB 35.000€. Das andere Boot, eine SeaRay Sundancer 335 (Bj, ‘04, 2 x Volvo Penta KAD44 EDC mit 260 PS, 2 Schlafplätze, circa 200 Betriebsstunden) für VB 75.000€. Da es nun letztlich auf die SeaRay hinausgelaufen ist, werde ich auch nur in dem Text Bilder einbinden, schließlich haben die anderen hier zwar einen visuellen Wert, aber ich fände das auch nicht so gut, wenn jemand fremdes von meinem Boot hier Bilder reinstellt und wohlmöglich wird es noch wieder erkannt.
Dass beides verschiedene Boote sind habe ich natürlich – trotz meines nicht vorhandenen Wissens – schnell gemerkt. Aber nicht nur das, auch die Verkaufsgespräche waren sehr – sehr unterschiedlich.
Zunächst einmal die SeaRay.



Der Verkäufer hat mir ein paar Bilder zukommen lassen und ein paar Informationen. Da ich keine Ahnung von dem habe, was ich gemacht habe, konnte ich zunächst einmal nur nach dem optischen gehen. Läuft schon mal, aber jeder, der sich eBay Kleinanzeigen schon mal angesehen hat weiß, es ist nicht alles Gold was glänzt (es ist aber auch nicht alles Schei*e was stinkt ). Also, hin da. Nach ausführlichen Gesprächen, der Verkäufer und ich waren auf einer Wellenlänge, wollte wir eine Probefahrt machen. Zu diesem Zeitpunkt war schon über eine Stunde vergangen. Gesprächsführung mit immer wieder kleinen Anekdoten bzw. Informationen über das Boot.
Doch statt zweier schnurrender Motoren, wie sie der Verkäufer versprochen hatte, kam nur ein sehr grässlicher Piepton. Also versuchten wir die Ursache zu finden. Ich, der mit ohne Ahnung, und der Verkäufer, praktisch durchaus erfahren, Technisch jedoch nicht ganz so hinterher. Okay, nützte nichts, der Verkäufer holte seinen Bruder und auch seinen Vater dazu, waren beiden auch im Hafen von Makkum, aber nichts half.


Ratlosigkeit

Wir versuchten auch noch die Werkstatt zu erreichen, in der der Verkäufer nur wenige Wochen zuvor noch war und noch einen Check hat durchführen lassen, konnten aber keinen erreichen. Schade, also ohne Probefahrt wieder zurück. Aufgrund der guten anderen Gegebenheiten (mit Ausnahme des Kabels des Funkgerätes) und der ehrlichen Worte des Verkäufers aber noch nicht wirklich abgeneigt, aber vorsichtig.








Dann kam die Bayliner an die Reihe
Auch die Bayliner war ein gepflegtes Boot, der Verkäufer war nett ich konnte mir in Ruhe alles anschauen. Naja, nicht so ganz in Ruhe. Der Verkäufer war sehr zuvorkommend. Am Boot angekommen war auch seine Frau dort. Auch ein netter Empfang. Und ab dann wurde angepriesen. Nichts falsch oder übertrieben, aber es wurde angepriesen und das zu einem Zeitpunkt, wo wir noch nicht auf einer Wellenlänge waren.
Ich saß gerade zwei Stunden in der Sonne auf meinem Motorrad um zum Hafen zu kommen, ich war einfach ein Moment platt und wurde schon zugebombt mit „Mach doch mal“, „Schau doch mal“, „Das haben andere nicht“, „Das ist auch das Besondere“ usw. usf. . Als ich dann Bilder machen wollte meinte der Verkäufer sofort, dass das kein Problem sei, die Frau allerdings bemäkelte, dass sie mir ja gute Bilder geschickt hatte. Stimmt, aber man macht doch in solchen Momenten lieber von seinen Einstellungen und Perspektiven Bilder. Naja, beim Rundgang dann alles noch mal gezeigt bekommen, Polster waren alle neu bezogen – sah wirklich gut aus – und alles war gepflegt. Das mit dem unter Deck stehen war hier jedoch ein Schuss in den Ofen. Lediglich am Aufgang konnte ich gerade stehen und auch das Bett vorne, da hätte ich – wie ein Soldat durch den Schlamm – reinkrabbeln müssen.
Was mir persönlich nicht gut gefallen hat war, dass die Verkäufer geraucht haben. Ihr Boot, ihre Freizeit, alles keine Frage, aber es machte in dem Moment einfach einen schlechten Eindruck. Auf dem Boot wurde ausschließlich – laut Verkäufern – nur hinten an der Badeplattform geraucht. Okay, sie haben gemerkt, dass ich nicht rauche und dass es auch nicht meins ist, aber trotzdem weiter geraucht. Wie gesagt, ich will, kann und werde es niemanden der volljährig ist verbieten, aber das schmierte die Chemie zwischen uns nicht positiv.
Es war wirklich lieb gemeint wirkte in dem Moment aber einfach nur aufdringlich. Und natürlich ist mir klar, dass ein Boot Probe gefahren wir und nicht nur auf die Aussagen des Verkäufers gehört wird. Auch als mir die Verkäufer dann die Rechnungen gezeigt haben und erst einmal eine kleine Meinungsverschiedenheit hatten, wer denn dieses Martyrium auf sich nahm, schließlich musste der Andere rauchen. Danach ging es weiter. Motorraum anschauen. Kurz, sehr kurz. Als der Motor dann später mal lief habe ich einfach die Klappe aufgemacht, was bei der Verkäuferin zumindest auch nicht auf Zufriedenheit traf.
Alles in allem muss ich jedoch zu Gute halten, dass sie sehr freundlich waren, aber einfach wir auf verschiedenen Wellenlängen waren. Sie war nicht aus dem Rennen, aber der Verkäufer wollte auch innerhalb von zwei, drei Tagen spätestens eine Antwort, am liebsten aber sofort. Also sagte ich dieses Angebot nach den zugesagten zwei Tagen ab.

Zurück zur SeaRay
Nach nicht einmal einer Woche Meldete sich der Verkäufer, beschrieb, dass es nur ein Hebel war, der in der falschen Position war – ja das habe ich danach getestet, stimmte – und schon sprang das Boot an. Ich rief also meinen persönlichen Boot-Guru an, nachdem ich gefühlt schon das halbe Forum mit meinen Anfängerfragen auf die Probe gestellt hatte. Wir machten eine Termin aus und fuhren gemeinsam zur SeaRay. Klasse!
So stand sie da. In ihrer vollen Pracht, fast 11m lang, über 3m breit.

Nachdem mein persönlicher Boots-Guru (über 30 Jahre zur See gefahren und danach immer mit eigenem Boot unterwegs gewesen, sowie auch schon die Motoren gefahren usw. usf. mitgefahren ist zur Probefahrt, war ich schon etwas beruhigter. Der Mann kannte sich aus und es war auch einer der wenigen, auf dessen Meinung ich wirklich Wert lege.
Raus auf das Ijsselmeer (wir starteten in der Marina Makkum). Hier und Hier habe ich mal zwei kurze Videos auf Youtube hochgeladen, wie das dann während er Fahrt von der Perspektive meines Boots-Gurus aussah. Lange Rede kurzer Sinn, wieder an Land meinte mein Boots-Guru dann vor dem Verkäufer, 1. Ob ich so etwas wirklich als Boot haben möchte, schließlich ist es kein gemütlicher Verdränger und 2. – und dafür hätte ich ihn fast ins Wasser geschubst – das Boot ist top in Ordnung und wenn er 20 Jahre jünger wäre würde er sich das kaufen.
Mit meinen Verhandlungsmöglichkeiten wurde es also nicht besser, aber es kam Klarheit ins Spiel. Also ging es daran nun mich selber schlau zu machen und zu rechnen und zu recherchieren.
Jeder, der in einem meiner Threads irgendwann mal geantwortet hat, konnte mir in meiner Entscheidungsfindung etwas helfen. Zwar waren das nicht immer Konkrete Antworten, aber dadurch konnte ich mir in meinem Kopf alles so zurechtlegen, dass ich ohne schlechtes Gewissen die Entscheidung treffen konnte.

Geändert von Arukard (21.07.2020 um 14:18 Uhr)
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  #2  
Alt 21.07.2020, 20:01
Arukard Arukard ist offline
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Standard Teil 2 - kaufen kaufen kaufen

Die weitere Vorgehensweise
Nachdem ich jetzt mit dem Boot ein gutes Gefühl hatte und auch zufrieden war, machte ich mit dem Verkäufer einen Termin zum Verhandeln. Haben uns dann am Dankernsee getroffen und an einem der herrlichsten Tage zu der Zeit verhandelt.
Nachdem mein Boots-Guru mir eine Verhandlungsgrundlage genommen hatte, war ich nicht sehr ermutigt, das Boot noch sehr weit runter handeln zu können, allerdings habe ich einen kleinen Nachlass erhandelt, eine halbe Tankfüllung und einen Krantermin vor Dingfest-machen, sowie sämtliches vorhandenes Zubehör erhandelt.
Ein bisschen Unsicher wegen der Summe aber durchaus zufrieden haben wir dann „eingeschlagen“. Also ging es weiter. Zuvor hatte ich mich schon über Anmeldung, Versicherung, ShipStationLicence und co informiert und schließlich alles nach der Reihe abgehandelt. Eine ganze Menge Geld, die in der kurzen Zeit geflossen ist und das sollte noch nicht das Ende der Geschichte sein.
Shoppingtour fürs Boot
Dass das mit dem Geld nach dem Bootskauf nicht alles war hatte ich ja schon geschrieben, was ich dann noch alles investieren musste hat sicherlich damit zu tun, dass ich so ziemlich bei Null angefangen bin. Klar, ein paar Camping-Artikel habe ich, aber die sind mehr so fürs Festival ausgelegt. Als Auf nach Obelink. 2 Stunden Fahrt und garantiert habe ich einiges vergessen, jedoch habe ich erst mal für eine Basis gesorgt, mit de ich reisen kann und alles andere kommt nach und nach.
Geschirr, Besteck, Erste-Hilfe-Set, Untersetzer, kleine Picknick Decke, Pfanne, Abtropfschale, Schneidebrettchen, Kehrblech und Handfeger, Feuerlöscher, Küchenutensilien, Toilettenpapier, Reisekopfkissen, Faltbarer Eimer, Aufsetzer für Dosen, Befestigungsmaterial, Anti-Mücken-Zipper, Mehrfachstecker, Batterien und noch ein paar Kleinigkeiten mehr und sicher fehlt noch was, aber alleine dafür schon knapp 225€ wieder losgeworden.
Doch das war natürlich nicht alles. Direkt Zubehör fürs Boot gab es dann beim Fachgeschäft in Leer – sehr freundliche Beratung – aber der hat natürlich auch seine Preise für Artikel bis zu einem bestimmten Punkt vorgegeben. Die NV-Charts die ich benötige für die Reviere (NL Wattenmeer, NL Binnen Ost und Deutschland Borkum bis Lathen), jeweils 50 Euro. Dazu kam dann natürlich noch eine Rettungsweste für mich, 130 Euro. Für Mitfahrer habe ich mir einfach welche geliehen, man will ja nicht alles auf einmal ausgeben.
Aufbereiter für den Wassertank und neue Taue, Stricke und Tampen für Fender, zum Festmachen und als Tripleine für die Ankerboje, sowie ein Ankerball. Zack sind wieder 75€ weg.
Jetzt bin ich aber auf alles vorbereitet oder? Nope. Flaggen fehlen und da ich die hier nicht in der Gegend bekommen habe setze ich darauf die am Abfahrtstag in Makkum zu bekommen. Mut zur Lücke. Bzw. eher Angst? Ich fühle mich bei dem Gedanken Schrauben in das Boot zu drehen nicht allzu wohl, also erst mal nicht.
Wasserdichte Taschen für Dokumente, Bettlaken und Bettlakenspanner (wegen der komischen Matratzenform). Es summiert sich. Ganz zu schweigen von dem hin und her fahren zum Tanken, aber ich denke ich bin erst mal ganz gut aufgestellt.
Das einzige, was noch etwas kribbelig wurde war es den Bootsnamen und das Kennzeichen zu bekommen. Da die Post sich reichlich Zeit gelassen hatte kam es im Amt zu einem Engpass. Von der Arbeit habe ich das Glück, dass eine der Werkstätten einen Plotter zum Drucken von Aufkleber hat. Jackpot. Aber da die Betriebsferien immer näher rückten wurde ich schon recht nervös, aber 3 Tage vor den Ferien kam das Kennzeichen an. Ich konnte es in Auftrag geben und am Tag vor den Betriebsferien abholen. Nur mal wieder ein kleiner Krimi für zwischendurch.
Bootsübergabe
Am Montag dem 20.07 war es dann endlich so weit. Kennzeichen, Versicherung, Ausrüstung, alles war klar, also ging es zur Übergabe. Ich wollte um 10 Uhr dort sein, aber wie soll es anders sein, Ferienbeginn in Niedersachsen, Zeit für eine Baustelle. Natürlich. Nach dem Kreuz Bunde in Richtung NL wurde die Fahrbahn verengt. Die Freude sprach mir aus dem ganzen Leib. Also schön mit 100km/h über die Niederländische Autobahn. Und immer nur der A7 folgen. Die ganz Zeit. Weiter und weiter und Glück gehabt, die Ausfahrt um der A7 zu folgen nicht verpasst und weiter, weiter und selbes Spiel nochmal, Ausfahrt um der A7 zu folgen und dann war ich quasi auch schon nach 2 Stunden da.
Die ersten Boote, wir sind nah dran!

Pyramide in Sicht.

Mit einer vornehmen Verspätung von 30 Minuten – das ist ja das gute an der Technik, ich konnte den Verkäufer frühzeitig informieren – bin ich endlich angekommen. Wir also zum Boot, alles was ich eingekauft hatte schon mal mit im Gepäck und mit zum Anleger.
Welch herrlicher Ausblick (Panoramabild)

Wir sind also aufgestiegen und dann ging es ab zum Kranen. Der Verkäufer hatte einen Termin klar gemacht zwischen 10 und 11 Uhr, entspannt wie die Niederländer doch sind.
Dort angekommen, war jedoch schon ein Boot am Kran und der Kranmensch am Saubermachen. Also haben wir irgendwie versucht uns trotz leichtem Seitenwind (zwischen3 und 4 bft) in eine schön enge Lücke zu arbeiten, was natürlich nur semi gut funktioniert hat. Am Ende konnten wir an Land und uns kurz abquatschen, jedoch hatte unser entspannter niederländischer Freund auf einmal keine Zeit mehr und hat uns auf 15 Uhr vertröstet. Es war gerade 10:45 Uhr. Super. Hätte ich doch noch länger schlafen können, aber egal. Zeit genutzt und wir sind tanken gefahren. Ich habe in den Verkauf noch eine halbe Tankfüllung reingehandelt.
Von der Tankstelle aus mit Blick Richtung Ijsselmeer

Kein Diesel, kein Benzin mehr. Nur noch GtL. Der Tankstellenmann sagte, dass es eine modernere Dieselart ist, die zwar teurer ist, aber dafür auch besser verbrennt und weniger Bakterien sich darin aufhalten. Also deutlich höhere Standzeiten hat. Als dann, jauchen wir das Ding mal voll. Da schon etwas im Tank drin war, mein Glück. So hat der Verkäufer von meiner halben Tankfüllung etwas mitbezahlt. Mal ganz davon abgesehen, dass ich ein bisschen entsetzt und zugleich fasziniert war, wie viel Liter doch in so ein Bötchen reinpassen. Am Ende standen bei 1,45€ pro Liter fast 500 Liter auf der Uhr. Puh, Tag gerettet, endlich wieder Geld ausgegeben.
Danach sind wir dann zurück zum Anlegeplatz, der Verkäufer hat sich noch mal aus dem Staub gemacht und kam zu halb drei wieder, sodass wir frühzeitig am Kranplatz waren. Zeit für mich, mich schon mal häuslich nieder zu lassen und alles (noch) einmal anzufassen und anzugucken.


Als ich damit durch war wurden meine Mühen mit einem Blick auf diesen schönen Segler belohnt.


Bald, bald werde ich auch die Chance haben so einen zu fahren!
Aber zurück zum Thema. Auf zum Kranen. Dort wurde das Boot schnell und routiniert aus dem Wasser gehoben und was soll ich sagen. Das Unterwasserschiff sah gut aus. Nun gut, die Z-Antriebe waren ein wenig zugeschmoddert, aber das ist nichts was man mit einer ausgiebigen Fahrt oder einem Hochdruck Reiniger so wieder wegbekommt.






Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich den Tiefgang gemessen. 1 Meter, genau. Ich habe von der Wasserlinie am Heck bis zur untersten Spitze vom Propeller gemessen. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, was mir das Echolot anzeigt. In der Marina zeigte es 1,3 Meter an, aber die Frage ist halt unter der Wasserlinie oder unter dem Kiel. Ich bin mal gespannt.
Also wieder zurück zum Anleger und die letzten Formalitäten klären. Abrechnen, unterlagen bekommen und halt! Wir haben auf dem Rückweg noch eben meinen Bootsnamen und mein Kennzeichen drauf gemacht, wobei „noch eben“ fast so sein muss wie „kannst du mal eben“.
Eine Stunde hat es gedauert, bis wir die alten Kennzeichen runter und die neuen drauf hatten. Spaß für ne Mark, weil wir uns einen Seitenanleger dafür suchen mussten. Nachdem wir uns dann mühevoll an einen gezwängt hatten ging die erste Seite auch schön schnell, die andere war etwas schwieriger, nicht zuletzt weil in genau dem Moment der Dauerlieger von der Anlegestelle wieder kam und wir natürlich direkt Platz gemacht haben. Es klebte nur noch der Bindestrich vom alten Kennzeichen. Super, also wieder suchen und dann an den Anleger kämpfen, der nun dichter besiedelt war wie der vorherige, aber irgendwann klappte auch das und schon erstrahlte mein Kennzeichen und mein Name auf dem Boot.
Darf ich vorstellen, Freya.

Nachdem wir also abgerechnet hatten blieb einzig ein Knöpfchen im Bedienpanel im Cockpit unbekannt, aber das finde ich auch noch heraus.

Törnplanung
Die Törnplanung war schon etwas durchwachsen. Ich kannte das Ziel, YC Surwold am Küstenkanal und den Start, Marina Makkum. Alles dazwischen war so ziemlich frei, außer dass ich mir -aus persönlicher Vorliebe heraus – auf dem Weg auf Ameland zu stoppen. Aber wie komme ich da am besten hin. Klar, man hat den SBF und man hat Seekarten und so aber praktisch: Wie zur Hölle komme ich da hin? Ein bekannte Psychiater (mit dem in einigen Fällen zusammen gearbeitet habe) meinte einmal zu mir bei solchen Fragen „Just do it“. Also gut, wie der feine Herr meint. Just do it. Oder? Wenn es schief geht versenke ich eine Unsumme Geld in der Nordsee. Verdammt verdammt verdammt. Also habe ich das gemacht was ich kann. Ich habe vielen Leuten viele Fragen gestellt. Auch hier im Forum und das teilte meinen Wunsch noch mehr. Auch mein Bootsguru meinte bei der Idee durch das Watt zu fahren, dass es definitiv Probleme geben wird, zumindest das erste Mal, wenn ich dadurch rausche.
Also überlegt und überlegt. Schließlich hat mich ein Forumsmitglied hier auf die Idee gebracht. Warum eigentlich durch die grünen Wattbereiche fahren, wenn ich auch einfach außenherum fahren kann? Genug Dampf hat das Boot und Zertifiziert ist es dafür auch. Und dann hat sich die Route relativ schnell ergeben. Von Makkum südlich nach Stavoren, dort rein und die erste Nacht auf „Fluessen“ verbringen. Läuft. Weiter geht es mit dann in Richtung Sneek und dann Leeurwarden und Dokkum, sowie schließlich Lauwersoog. Lauwersoog ist der Knackpunkt an dem ich mich entscheiden muss. Weiter gen Heimat oder Abstecher auf meine Lieblingsinsel. Entweder von dort aus weiter oder wenn man wieder zurück ist nach Groningen und über Delfzijl in die Ems und dann ist es nur noch ein Katzensprung. Ich bin gespannt, was daraus wird und wie ich es mache. Für mich wird es so oder so spannend und ich glaube, die Entscheidung erst einmal über Stavoren zu fahren gibt mir die Chance mit dem Boot erst einmal Sicherheit zu erlangen.
Als zweiten Mann habe ich den Jugendlichen aus meinem ersten Bootstörn mit. Als er erfahren hatte, dass ich mir ein Boot kaufte, hat er mich gefragt und ich war froh jemanden zu haben, der 1. Anpackt, 2. Keine Angst hat und 3. Der Zeit hat, schließlich sind jetzt Sommerferien und so muss ich nicht alles penibel durchplanen. Stattdessen kommen Angeln und Teekocher an Bord und die Fahrt ist gerettet.
Mittwoch, den 22.07.20 geht es los. Bald danach folgt dann auch der erste Bericht, wobei der erst kommt, wenn ich ganz durch bin. Auf dem Tablet zu tippen habe ich absolut keine Lust zu.
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Alt 04.08.2020, 10:48
Arukard Arukard ist offline
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Standard Tag 1 - 3

Endlich ist es so weit, es geht los!

Tag 1 – 22.07.20
Wir wollten gegen 12:00 Uhr in der Heimat los, aber natürlich kommt man immer erst später los. Mit einer vornehmen Abweichung vom ursprünglichen Zeitplan von 30 Minuten und 4 Personen im Auto, mein Mitfahrer auf dem Boot, meine Mutter und eine Freundin der Familie (die beide das Auto wieder zurückbrachten) sind wir also in einen Golf 4 unterwegs gewesen. Natürlich war das Wägelchen mit uns bis unter dem Dach befüllt.
Mein Mitfahrer, ein 11 jähriger Junge, mit dem ich bereits einmal mit einem Boot unterwegs war (Erster (kurzer) Bootstörn). Wir waren sehr gespannt und haben uns auch schon sehr gefreut, die Freude wuchs sogar noch, als wir gegen 14:30 Uhr endlich unseren Blick über die Marina Makkum schweifen lassen konnten


.
Da das Auto schon voll war und ich sowieso gerne in den Niederlanden einkaufen gehe. Man findet allerlei und das auch in anderen Versionen als bei uns
.
Das Einkaufen hat dann jedoch noch mehr Zeit in Anspruch genommen als erwartet und da ein AutoScooter aufgebaut war haben wir uns entschiedenen uns einen schönen Tag zu machen, Makkum zu erkunden und am nächsten Morgen dann in aller Ruhe los zu fahren, schließlich hetzte uns ja nichts
.
Kleine Anmerkung: Die Unruhe und Nervosität die der Junge hatte, hatten ihn auf dem Rückweg vom Einkauf zu schnell die Treppe im Boot heruntergehen lassen, sodass sich meine schöne Packung Chocomel etwas ausbreiten durfte. Im Teppich. Verdammt. Ärgerlich, aber nichts was man nicht beheben könnte.
Wir konnten noch den ein oder anderen „verwunschenen“ Ort finden und nach dem (guten) Essen im Lungo Mare, einem an der Marina liegenden Restaurant, mussten wir dann nur noch zurück zum Boot und uns einen schönen Abend machen.



Wobei ich finde, dass das letzte Bild durchaus Postkartenpotenzial hätte. Der Tag hat sich schon mal gelohnt.

Tag 2 – 23.07.20 – ca. 60 km
Am zweiten Tag ging es dann endlich los. Nach einem kleinen Frühstück ging es also raus aus der Box und schließlich direkt auf das Ijsselmeer.


Wir hatten geplant in Stavoren durch die Schleuse zu gehen und dann in Fluessen irgendwo fest zu machen. Nachdem wir uns also bei mäßigem Wind durch das Ijsselmeer gekämpft haben (Hier habt ihr mal eine Sicht auf den Seegang vom Ijsselmeer) und langsam aber sicher etwas vertrauter mit dem Boot wurden – wie ich feststellen durfte liegen Welten zwischen den verschiedenen Antrieben, bislang immer mit Welle gearbeitet und nun lenkte ich auf einmal zwei Z-Antriebe – ging es also durch die Schleuse. Oder vor die Schleuse? Einige andere Boote hatten auch die Idee durch die Schleuse zu kommen, na super! Aber egal, Anlauf und rein da.
Der 11jährige Junge, der theoretisch alles super konnte war natürlich mindestens genauso aufgeregt wie ich, was ich nicht bedacht hatte und so hatten wir doch in er Schleuse mehr Schwierigkeiten, als ich zunächst eingestehen wollte. Wir haben uns halb gedreht, hätten fast die anderen Boote mitgenommen usw. usf. nicht zuletzt, weil wir uns noch an einem anderen Boot vorbei zwängen mussten.
Nachdem ich nun in der Schleuse ein paar Mal gestorben bin konnten wir auch wieder ausfahren und hatten wieder Platz. Alles ist gut gegangen. Nach diesem Erlebnis und einem Puls der vom „sitzen“ in die Höhe getrieben worden ist wurde es Zeit ein Nachtlager zu finden. Ruhe, Entspannung und ein Bier. Doch mit jedem Kilometer den wir weiter fuhren schwand unsere Hoffnung auf selbiges. Innerlich stellte ich mich schon darauf ein den Anker auszulegen und fertig. Wir fuhren immer wieder verschiedene Häfen an, jedoch war entweder der Tiefgang den mir mein Echolot anzeigte so niedrig, dass ich mich nicht weiter getraut habe oder aber die Häfen waren so voll, dass ich niemals reingekommen wäre. Also weiter.
Unser Ziel fanden wir dann schließlich im Sneekermeer. Starteiland. Viel Platz und Möglichkeiten Anzulegen. Also scheiß einen auf römisch-katholisch anlegen und einfach längsseits an den Steg.

Dann eben rüber zum Hafenmeister und alles mit ihm abgeklärt. Kein Problem und super nett dort. Wir haben uns noch ein wenig umgeschaut und schließlich auf dem „Inselrestaurant“ „It Foarunder“ unsere wohlverdiente Mahlzeit eingenommen und was soll ich sagen. Meine Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen.

Da ich einen VisPas habe konnten wir den Abend dann auch noch mit Angeln ausklingen lassen. Zwar sind wir Schneider geblieben, hatten so aber noch den ein oder anderen schönen Ausblick.

Wie ihr auf den letzten beiden Bildern sehen könnt habe ich das ursprüngliche Problem mit den Flaggen einfach gelöst. Vorne an die Reling ein Flaggenhalter für die Gastflagge und hinten an den Aufbau erst einmal provisorisch die Nationale dran.

Tag 3 – 24.07.20 – ca. 31 km
Wir hatten ein neues Tagesziel und das hieß Leeuwarden. Also nachdem wir uns dann ein gemütliches Frühstück gegönnt hatten Motoren an und los geht’s. Erstes „Highlight“ der Fahrt war dann eine Schwingbrücke. Schleusen kannten wir ja aber so eine Brücke hatten wir von der Wasserseite noch nie vorher in Aktion gesehen.

Diese Fahrt war auch relativ unauffällig und entspannt. Einzig gegen Mittag mussten wir einmal eine Stunde warten, da der Mitarbeiter, der die Brücke heben sollte, mittag machte. Also nach einigen zögern anlegen und dann auch noch andere Boote unterstützen. Ich war froh, weil ich nun merkte, dass ich nicht der einzige Anfänger war. Direkt hinter uns war ein gechartertes Boot mit einer Tschechischen Familie, der wir ebenfals anlegen halfen. Als Belohnung gab es dann eine Dose feinstes Prager Bier. Nun waren wir guter Dinge, dass die Überführungsfahrt jetzt ohne Probleme weiterlaufen wird.

Denkste. In Leeurwarden angekommen haben wir gleich im Leeuwarder Jachthaven versucht fest zu machen, da wir doch etwas später gestartet sind als gedacht und auch eben den Kopf frei kriegen mussten. Dass Passantensteiger den Gaststeg meint hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf dem Schirm und da ich erst einmal nicht direkt am Kanal mit den ganzen Booten liegen wollte ging es rein in eine Bucht, mit Wind angelegt und zum Hafenmeister, der uns dann sagte: Nö. Ihr müsst nach vorne. Also gut, alles wieder los gemacht und ab nach vorne. Hat dann auch überraschend gut geklappt.

Mit ein wenig Unterstützung der anderen Lieger haben wir es schließlich geschafft. Wir haben uns Fahrräder vom Hafenmeister geliehen und haben dann erst einmal etwas zu essen gesucht und eingekauft. Schließlich ging es dann zurück zum Boot, haben es noch etwas versetzt, damit noch mehr Gäste Platz haben und dann sind wir kurze Zeit später – nachdem mein kleiner Begleiter ein unfreiwilliges kurzes Bad genommen hatte – mit den Fahrrädern durch Leeuwarden gefahren und haben uns einfach ein wenig umgesehen. Es gab so einiges zu entdecken und die engen Kanäle, die wir gefunden haben, ließen mich entschieden, dass wir morgen früh einfach eben um Leeuwarden herumfahren würden, also weiter der langen Mastroute entlang.

Geändert von Arukard (04.08.2020 um 11:22 Uhr)
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Standard Tag 4 - 7

Tag 4 – 25.07.20 – ca. 82 km
In Leeuwarden ging es morgens also los. Wie geplant erst einmal noch etwas südlich, sodass wir nicht durch die ganze Stadt mussten. Schöner plan, keine Frage. Nur leider war die Nordseite von Leeuwarden gepflastert mit Brücken. Nachdem wir also gut rausgekommen waren und quasi im Western von Leeuwarden waren dämmerte es langsam. Und es wurde voller. Viel voller.

Hier waren wir zwar schon von anderen Booten umzingelt, aber es ging noch. Die Brücken mit den Brückenwächtern und dem Holzschuh an der Angel kamen danach. Und nicht nur das, die Kanäle wurden auch relativ eng und es hatten nicht alle Bootfahrer Verständnis für ein Anfängerboot. Naja, was solls, Augen auf und durch. Zwischenzeitlich kam auch noch Sonnenschien in Tropfenform dazu.

Nachdem wir uns aber durch die ganzen Brücken gekämpft hatten – natürlich haben wir uns mindestens einmal mitten auf dem Kanal gedreht als wir bei Strömung auf die Brücke auf engsten Raum warten mussten - und endlich „freie Bahn“ hatten kamen wir gut voran.

Dieses Schild hätte mich fast einbiegen lassen – wenn denn die Maße gestimmt hätten, aber leider reichte das nicht. Da ich in den letzten 25 Jahren mindestens 50 mal auf Ameland war und das quasi meine zweite Heimat ist, wollte ich doch nach Holwerd (dort ist der Fähranleger). Aber ich hatte ja meinen Plan. Erst mal ins Lauwersmeer und dann schauen ob wir uns auf die Insel trauen.
Mittlerweile war es 18:32 Uhr und wir bekamen immer mehr Hunger. Wie jeden Tag haben wir nur gefühstückt und sind dann gefahren.

Dieses Restaurant, was schon von weitem Werbung machte, machte es uns nicht allzu leicht einfach weiter zu fahren, aber wir entschieden uns dafür und letztlich war das auch genau die richtige Entscheidung. Wir hatten keine Brücke und keine Schleuse mehr, bis die Außenschleuse Lauwersoog zwischen uns und Ameland, also suchten wir uns einen Platz zum Festmachen. Die Navionics-App zeigte mir den Hafen Oostmahorn und wir sagten dann – warum nicht. Also hin da. Passantensteiger war jedoch wieder mal voll, die anderen Liegeplätze nicht. Wir telefonierten also mit dem Hafenmeister und der sagte uns „Legt man an wo Platz ist“. Gesagt getan. Unsere Nachbarn waren dann mit viel Abstand ein niederländisches und zwei deutsche Boote, die uns bei für unsere Verhältnisse knackigen Wind halfen fest zu machen. Toll diese Bootfahrergemeinde.

Nach diesem wieder sehr langen Tag gab es auch eine Belohnung. Das Restaurant „Het Raadsel Van De Wadden“ kann ich nur empfehlen. Echt gut!


Tag 5 – 26.07.20
Aufgrund des relativ starken Windes und dem Wunsch nach Ameland zu fahren haben wir uns entscheiden noch einen Tag in Oostmahorn zu bleiben.

Wir angelten so ziemlich den ganzen Tag und genossen am Abend unser selbstgekochtes Essen. Ne selbstgemachte Hackfleisch-Tomatensauce zu Vollkornnudeln. Einfach aber auch echt gut.

Oostmahorn hat in der Nähe ein Recreatiecentrum von Landal, für Urlauber und Besucher, dort gibt es dann schon kleine Supermärkte, Souveniershops, Unterhaltungssachen und und und. Nicht das günstigste, aber wenn man möchte kann man sich dort dann alles besorgen was man braucht. Ich habe an dem Abend noch die Hafenmeister auf Ameland angerufen und die haben mir mitgeteilt, dass es kein Problem ist dort anzulegen und die auch für Anfänger wie mich gerne bereit sind Unterstützung zu leisten, da sie an dem Tag eh zu dritt im Hafen sind. Herrlich, die Vorfreude stieg immer mehr.

Tag 6 – 27.07.20 – ca. 76 km
Am nächsten Tag ging es nach einer letzten netten Unterhaltung mit beginnender Flut los. Auf zur Schleuse. Eine Schleusung mussten wir abwarten und dann war es so weit.

Vor uns das Wattenmeer und die Fähre nach Schiermonnikoog, also raus und gib ihm. Da wir noch keinerlei Erfahrungen mit dem Wattenmeer hatten habe ich versucht immer den Tonnen zu folgen. Einmal hat das leider nicht geklappt und wir haben ganz sanft aufgesessen, aber hey! Da wusste ich, dass ich aufsitze, wenn das Echolot auf 0,7 Meter steht. Also vorsichtig zurücksetzen und weiter. Da wir nun ja noch mehr Sorge vor dem Watt hatten, festigte sich unsere Entscheidung nördlich der Insel entlang zu fahren und dann die Fahrrinne zwischen Texel und Ameland wieder zu nutzen.

Irgendwann trafen wir schließlich auf die kleine Verladestellen oder was auch immer das sind, als Kind auf Ameland hat man sich immer Bohrinseln vorgestellt, aber mit einem Blick auf GoogleMaps und beim Vorbeifahren merkte man, dass das nicht ganz hinhaute.
Wir fuhren immer weiter und weiter und kämpften gegen die Flut an. War nicht meine beste Entscheidung, wenn man den Spritverbrauch dann bedenkt. Und ein weiteres kleines Problem (oder auch nicht, muss sich noch herausstellen) ist mir dabei aufgefallen, auf einmal fingen die Motoren an zu „kreischen“. Also Deckel hoch und mal schauen wo das herkommt.
Zitat:
Zitat von “Einschub“

Zwar nicht das beste Foto, aber falls Ihr eine Idee habt wo das herkommt, gerne als Info per PN an mich. Das Geräusch trat auf, wenn die kleinen Rädchen mit den drei Schrauben an der Vorderseite. Ihr seht ja bei dem unscharfen Foto die Abdeckung auf der Volvo Penta steht. An der linken unteren Ecke davon ist ein schwarzes Rad, das sich dreht und das wurde auch recht schnell – aber alles funktionierte, war einfach „nur“ laut.
An der nördlichen Küste von Ameland und bedenkend, dass alles funktionierte ging es also weiter. So viele Möglichkeiten gab es ja nicht und das „Kreischen“ begann ja auch „erst“ ab 1300 U/min, bei normaler Marschfahrt brauchte ich die nicht um 12km/h zu erreichen, also war ich soweit „sicher“ nach Hause zu kommen.
Also ging es an der Insel entlang bei fast höchstem Wasserstand zwischen der Insel und einer Sandbank und zack. Da saßen wir wieder. Also umgedreht und einen kleinen Umweg um die Bank herum genommen. (Zwei Tage später sollte ich von einem sehr netten Inselbewohner erfahren, dass dieser Weg seit einigen Jahren nicht mehr möglich ist). Alles gut und weiter ging es. Natürlich mussten wir jetzt in die andere Richtung fahren und die Ebbe setzte ein. Wie könnte es auch anders sein, als dass wir gegen die Fließrichtung fahren mussten? Ein Fehler, den man nicht noch einmal macht, check. Als wir an den Ameländer Hafen ‘t Leijgat einliefen waren die Tanks, die zunächst je zu circa ¾ noch voll waren nur noch je ¼ voll. Eine ungenaue Tankanzeige inklusive. Super. Damit hatte ich nicht gerechnet, insbesondere weil auf Ameland die Tankstelle ca. 500 Meter vom Yachthafen entfernt ist. Super bei geplanten 400 Liter, die ich am liebsten aufgestockt hätte. Naja, erst mal Anlegen, also VHF Kanal 31 reinmachen, aber aus irgendeinem Grund ging das nicht. Nochmal, schließlich hatte das Funkgerät bislang bei jedem Kanal tadellos funktioniert. 26, 27, 28, … 60? Was zur Hölle sollte das denn jetzt? Wie auch immer. Es funktionierte nicht, also Handy gezückt und angerufen. Wegen dem Wind konnte der Hafenmeister mich nicht gut verstehe aber irgendwie haben wir uns verständigt und er kam an die vorderste Stelle des Steges und wies mich an der Linken Seite an irgendwas fest zu machen.
Gesagt getan, ganz nach backbord und festmachen und da hörte ich ihn wieder rufen, leider konnte ich das nicht verstehen. Irgendwas war wohl doch was anderes. Ich lief also zum Hafenmeister und der erklärte mir, was er meinte. Ich sollte seitlich an einem Schiff des Rettungsdienstes – einem Ersatz-Ersatz Schiffchen, das rundherum mit Fendern gepolstert war – festmachen. Durchatmen und nochmal durchatmen. Aber alles andere machte keinen Sinn, schließlich war das ein Gezeitengewässer mit circa 2 Metern Tidenhub.

Der Hafen bei „mittlerem Wasserstand“
Nachdem wir dann mit Hilfe - einer der Hafenmitarbeiter ist sogar an Bord gekommen – angelegt und festgemacht hatten konnten wir endlich auf die Insel.






Ich muss sagen, dass der Ameländer Hafen, auch von der Ausstattung zwar einer der teuersten, aber auch einer der besten und saubersten war. Richtig klasse! Natürlich hatte der Jumbo – und alle anderen Einkaufsgeschäfte auch – schon zu, also ran an die Bude mit der Fettschmelze und erst mal Snacken.

Tag 7 – 28.07.20
Wir wollten eh zwei Nächte auf Ameland bleiben, die Strapazen musste sich ja auch gelohnt haben. Zumal uns der Wind eh einen Strich durch die Rechnung machte. Wir haben uns also kurzerhand eine elektrische DuoFiets geliehen, einem Sitzfahrrad, bei dem die beiden Sitze nebeneinander angeordnet waren.





Skurril, aber witzig und so machten wir unsere Einkäufe, zunächst im Jumbo und dann im Hanos, dem Großhändler. Zurück zum Hafen, alles ausräumen und dann ging es auf eine Radtour. Durch Nes und Buren, zur Ritskemoi, dem Strand, klein Vaarwater. Hier kannte ich mich aus, zweite Heimat sozusagen und hier konnte ich auch direkt abschalten.







Abends entschlossen wir dann noch bei Klein Vaarwater schwimmen zu gehen. Als wir losgingen bemerkten wir, dass der Wasserstand gerade auf Hochwasser war.



So viel Platz zum Fußweg war da nicht mehr, aber es passte. Also rauf auf die DuoFiets und ab über kleine Zwischenwege nach Klein Vaarwater.




Ein toller Tag.
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  #5  
Alt 06.08.2020, 14:25
Arukard Arukard ist offline
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Zitat:
Zitat von Einschub
Ich habe übrigens herausgefunden, dass das Ding was ich im vorherigen Post meinte, der Kompressor ist. Werde mal alles aus der Anleitung für den Motor durchchecken und dann mal weiter sehen.
Tag 8 – 29.07.20
Da der Wind am Vorabend schon angekündigt war in Böen bis auf bft 8 hochzuklettern und sich das an diesem Morgen bestätigte, ab zum Hafenmeister und eine Nacht länger buchen. Auch konnten wir mit dem Hafenmeister mein Tank-Problem lösen. Spritkanister und ein Wägelchen halfen, was er uns zur Verfügung gestellt hat. Auch der Tankwart hat uns noch 2 große Kanister zur Verfügung gestellt, sodass wir mit einer Fahrt über 100 Liter transportieren konnten. Auch besprach ich mit dem Hafenmeister den Rückweg von der Insel und fragte, wann ich denn am besten losfahren könne um um den Leuchtturm zu kommen und dann mit der Flut mitzufahren. Er schaute mich nur schief an und fragte mich warum ich nicht durchs Watt fahre. Ich schilderte ihm noch einmal meine Unerfahrenheit und so, aber er meinte, wenn ich um 15:30 mit 12 bis 16 km/h fahre werde ich nicht ein einziges Mal aufsetzen, sofern ich mich an die Betonnung halte. Das musste ich mir erst einmal noch überlegen
Gesagt getan. Nur waren die großen ohne Schüttelschlauch echt schlecht in den Tank zu füllen, also haben wir mit den großen die kleineren Kanister neu befüllt und dann weitergearbeitet. Super. Eine Stunde später hatten wir es dann auch geschafft. Die Tanks waren jeweils wieder zu ¾ voll. Nach den Gesprächen mit dem Hafenmeister sollte das auch locker reichen. Na zumindest hoffte ich das. Da viel uns auf, dass wir gerade Niedrigwasser hatten.


Schließlich konnten wir uns noch eBikes leihen und sind dann noch in Richtung Leuchtturm gefahren. Wenn man schon auf der Insel ist, darf dieser Besuch eigentlich nicht fehlen.


Wir waren uns zunächst nicht sicher ob wir nicht lieber den Bus nehmen sollten, wir hatten aber keine Lust eine Stunde auf den nächsten zu warten. Also war unsere Entscheidung richtig und nach nicht mal 40 Minuten hatten wir den Leuchtturm erreicht.


Und wir haben im Pfannkuchenhaus, „Onder de Vuurtoren“ noch eine Kleinigkeit zu Mittag, oder eher späten Nachmittag, gegessen.


Wieder zurück haben wir uns noch in der Stadt umgesehen. Mein junger Begleiter konnte noch seine letzten paar Kröten in der Amusement Hall in Nes auf den Kopf hauen (Spielhalle für Kinder und weiter hinten auch für Erwachsene) und schließlich haben wir kurz vor 20 Uhr noch unser Abendessen genommen, frische Fischspezialiäteten vom Fischhändler Metz.


Auf dem Weg zurück zum Boot trafen wir noch den Mann, der uns so super beim „Einparken“ geholfen hat. Auch mit ihm habe ich noch kurz meine Rückfahrpläne besprochen und er „segnete“ diese ab, schlug aber auch vor nicht in Lauwersoog zu halten, sondern, wenn ich wollte, gleich durch zu fahren bis nach Delfzijl, da wir ja schließlich noch Strecke vor uns hatten, aber wenn wir keinen Stress bzw. Zeitdruck hatten, machte dieser Halt durchaus Sinn.
Bevor wir dann schlafen konnten kam noch ein Bekannter von der Insel am Boot vorbei, mit dem wir uns noch etwas unterhalten konnten. Er erwähnte, dass wohl überlegt wird Holwerd mit den dortigen Kanälen zu verbinden, um es den Bootfahrern einfacher zu machen, Ameland zu erreichen. Ganz in meinem Sinne.

Tag 9 – 30.07.20 – ca. 37 km
Früh raus mussten wir heute nicht, die errechnete beste Zeit zur Abfahrt war entweder vor 7 Uhr morgens oder gegen 15:30 Uhr. Wir entschieden uns für 15:30 und genossen noch ein wenig den Tag. Nachdem ich nun mit meinen Papierseekarten beim Hafenmeister war und noch mal die Wattroute durchgesprochen habe, sollte es nun so sein. Wir wollte raus. Auf dem Weg zum Boot, um alles klar zu machen, trafen wir noch auf vier Segler, die auch nach Lauwersoog wollten. Für den Fall der Fälle habe ich mich mit denen auch noch abgesprochen. Da diese aber später los wollten (einer von denen hatte deutlich mehr Tiefgang als ich), wagten wir es trotzdem um 15:30 loszufahren.
Nachdem wir aus dem Hafen abgelegt hatten trafen wir noch auf eine der Fähren.


Und waren auch relativ nah an Holwerd dran,


Während wir durch das Watt schipperten. Langsam und bedächtig und mit mehr Mitfahrern als gedacht. Beobachtet von Seehunden, Vögeln und anderen Booten ging es Stück für Stück weiter und auch wenn es manchmal knapp wurde oder man mit Schweißperlen auf der Stirn beobachten konnte, wie das Echolot anzeigte, dass man neben der Boje locker stehen konnte, es ging immer weiter und das ohne ein einziges Mal Aufzusitzen. Andere Boote hatten nicht den Anspruch wie wir nicht aufzusitzen. Wir sahen sie schon vom weiten festliegen und blickten auch noch lange auf diese zurück, während wir schon fast in Lauwersoog waren.








Da wir die Schleuse eigentlich noch erwischen wollten und die Schleuse um 19 Uhr dicht machte, gaben wir zum Ende der Strecke – im Fahrwasser - dann auch noch etwas mehr Gas und überholten so manches Boot. Ab in den Funk, „Sluis Lauwersoog, dit is Motoryacht Freya, Freya, komen”, und wir bekamen Antwort, aber leider nicht nach unseren Wünschen. Es war 18:30 und leider war die letzte Schleusung gerade durch. Mist, also ab in den Außenhafen, hier war zum Glück aber noch viel Platz, nicht zuletzt weil wir auf dem Weg zur Schleuse noch das ein oder andere Boot überholt haben.
Also schön vorsichtig anlegen, unsere Nachbarn Niederländer und Deutsche und dann ab was zwischen die Zähne kriegen.


Im Restaurant haben wir dann noch eine Familie getroffen, die im Ameländer Hafen circa drei Boote vor uns lag und wir konnten uns auch noch etwas austauschen. Diese hatten einen anderen Plan gehabt und waren schon um halb zehn morgens los, dachten dann auf einem Wattenhoch zu liegen und schnell weiter zu können. Leider hatten sie dieses Glück nicht, wir waren schließlich noch vor ihnen in Lauwersoog eingefahren.
Mit einem prächtigen Blick aus dem Lauwersooger Hafen, kamen wir schließlich abends zur Ruhe, am nächsten Morgen um 9 Uhr sollte es schließlich schon weiter gehen. Langsam merkten wir, wie wir traurig wurden, dass die reise langsam zu Ende ging.


Tag 10 - 31.07.10 -ca. 77km
Ab nach Delfzijl. Kurz nach 9 waren wir startklar und sind in die Schleuse eingefahren. Vorher hatten wir noch kurz festgemacht und alte bekannte getroffen, die Segler von Ameland. Motoren etwas ankurbeln und weiter geht’s.
Raus aus dem Lauwersmeer und ab Richtung Groningen.


Wir passierten ein paar Brücken und die ein oder andere kleine Schleuse.


Unser Weg ging über den „Van Starkenborghkanaal“ nach Groningen, in die „Oostersluis“ und schließlich in den „Eemskanaal“ nach Delfzijl. Auf dem Weg gab es die ein oder andere enge Passage und zumindest mir wurde mulmig als einige mutige Badekgäste meinte in dem schmalen Kanal doch recht viel des Kanals in Anspruch zu nehmen und teilweise direkt in die Fahrrinne zu schwimmen. Einer der Badegäste hätte sogar ans Boot spucken können, so nah war der, sodass ich nur noch mit Restgeschwindigkeit und teilweise nicht mal mehr mit Standgas gefahren bin. Und dann auch noch Gegenverkehr… Wahrscheinlich hab ich so manchem entgegenkommendem Boot, das die Badegäste gewohnt war doch ein wenig die schnelle Tour vermasselt, aber das war mir in dem Moment egal.


Um 18:30 waren wir in Delfzijl und mussten uns entscheiden ob wir den Binnenhafen oder den Außenhafen nehmen. Damit wir am nächsten Tag schneller starten konnten, haben wir überlegt den Außenhafen anzusteuern. Also zügig hin und abwarten. Anfunken und Super! Für uns machte er die kleine Schleuse noch startklar. Durch und ab zum Hafen. Dort wartete noch der Hafenmeister, der uns auch direkt beim Anlegen unterstützte, andere Abkassierte und dann noch wieder kam um bei uns abzukassieren. Hier konnte man es wohl aushalten, auch wenn die Aussicht auf den großen Wagenborgdampfer zwar imposant aber nicht unbedingt schön war.

Und eine sehr gute Stadtanbindung. Aus dem Hafen, über die Bundesstraße und schon war man in einem Stadtbereich. Keine zehn Minuten war der Albert Heijn, bei dem wir fast alles bekommen konnten, was wir für den letzten Tag noch brauchten.

Tag 11 – 01.08.20 – ca. 96 km
Letzte Tag, es ging weiter. Schnell los gemacht und auf die Ems hoch. Wir sind wieder um kurz nach halb 9 gestartet. Kurz nach 11 Uhr war schließlich Flut und wir wollte bis dahin nach Möglichkeit die Schleuse Herbrum erreichen.
Also Tschüss Delfzijl


Nachdem wir durch den Dollart gekommen und schließlich in die Ems kamen wir auch bald an das Emssperrwerk. Durchaus Imposant sich das alles so anzuschauen und da sogar durchzufahren, zumindest das erste Mal.


Weiter ging unsere Reise an die verschiedenen Orte die schon wieder bekannt klangen und an verschiedene Altarme vorbei. Kurz mussten wir schmunzeln als wir in unserer Karte noch die Höhenwarnung für die Friesenbrücke sahen und dann dieses tolle Konstrukt vorfanden.


Also man einfach durch und weiter, schließlich hatten wir ja keine Zeit. Auf nach Herbrum, als wir ankamen war gerade schon die Ebbe angefangen. Wir also Schleuse anfunken, vor uns ein Berufsschiff, also erst mal freundlich nachfragen und dann schauen.
Und dann passierte es. Beim Ausgleichen viel auf einmal der Steuerbordmotor aus und das Lenkrad ließ sich nicht mehr drehen.
Was zur Hölle!?
Ich versuchte den Motor neu zu starten und dann weiter zu machen, jedoch ging er nicht an, stattdessen blinkte die Diagnoseleuchte. FUCK. Schleuse anfunken, die mir jedoch leider nicht wirklich helfen konnte. Seine einzige Frage war, ob wir dann jetzt nicht mitschleusen wollen., da wir ja Manövrierunfähig waren und einen Motorenausfall hatten.
Verdammt. Sterben von ein paar tausend Toden in wenigen Sekunden, oder anders gesagt, in jeder vorangehenden Minute ein Jahr gealtert.
Naja, konnte man nichts machen, Motorraum auf, alles überprüfen was ging. Nichts gefunden. Diagnoseknopf gedrückt, schließlich mussten wir noch durch die Schleuse kommen und auf einmal startete der Motor wieder. Mega! Lenkung funktionierte also einkuppeln und…. NÖ. Sobald ich den Steuerbordmotor benutzen wollte ging der Motor wieder aus. Verdammt. Diagnosetaste, Motor an, so konnten wir wenigstens Steuern. Dann haben wir die Schleuse informiert und gefragt ob wir ggf. eine Schleusung abwarten können um weiter auf Fehlersuche zu gehen. Die trockene – aber wahre – Aussage war, dass wir, wenn wir länger vor der Schleuse warten würden von der Ebbe langsam aber sicher zurückgezogen werden würden. Super, also mit rein.
Deutlich weniger Ruhe und Nervosität, schließlich hatten wir nur noch einen Motor, halfen nicht gerade beim Anlegemanöver. Der Junge den ich mithatte versuchte bei der Strömung das Boot nur mit dem Bootshaken festzuhalten, was darin endete, dass dieser an einer Leiter der Schleuse hängen blieb. Super. Ohne Bootshaken und noch aufgeregter auf der anderen Seite der Schleuse schafften wir es schließlich anzulegen. Mehr schlecht als recht, aber wir waren fest. Motor nicht aus in der Schleuse und abwarten. Als wir dann ausfahren wollten, zack Motor aus, Drehung in der Schleuse und die Panik stieg immer weiter auf.
Wir konnten nicht mehr. Fix und fertig.
Schließlich funkten wir wieder die Schleuse an, dass wieder nichts funktioniert. Er meinte wir sollten das andere Boot anfunken, welches wir aber nicht hören konnten. Verdammt. Da half uns der Schleusenwerter und die MY Merlin half uns schließlich. Netter Mann und nette Frau. Lagen längs bei und wir machten uns fest. Stück für Stück zog uns die Merlin aus der Schleuse und machte uns am Wartungsschiff der WSA Meppen fest um Fehler zu suchen. Endlich Zeit zum Durchatmen.
Nach einer kleinen Unterhaltung mit dem netten Bootsfahrer von der Merlin kam auf einmal mein Begleiter und hatte eine Idee warum der Motor nicht mehr funktionierte. Ein Tampen spannte sich von der hinteren Klampe, durch die Badeplattform ins Wasser. Unter Spannung. Und da dämmerte es mir. So ein selten dämlicher Fehler. Jeden Tag darauf geachtet und geschaut aber gerade jetzt kam dieser Fehler. Verdammt!
Badehose an und ab ins Wasser. Der Junge schnitt oben an der Badeplattform den Tampen durch, sodass ich im Wasser das Seil vom DuoProp entwirren konnte. Aufs Boot, kurz abgeduscht und dann ein Test. Es funktionierte wieder! Also konnte nach etwas weiterem Atmen die Reise zu einem guten Ende kommen.
Zwar ohne Bootshaken - aber den hat die Merlin mitgenommen, sodass ich ihn am nächsten Tag vom Liegeplatz der Merlin abholen konnte – ging die Reise weiter durch die Schleuse Bollingerfähr, bei der wir das Berufsschiff wieder eingeholt hatten und schließlich in den Küstenkanal. Die Schleuse Dörpen war etwas kürzer, sodass wir vor der Schleuse warten mussten, da die Berufsschiffahrt schließlich Vorrang hat. Aber da waren noch drei andere Sportboote, zwei hatten im Päckchen festgemacht, also machten wir uns dazu und unterhielten uns noch ein wenig.
Es waren Boote aus Surwold, die „zufällig“ dasselbe Ziel hatten. Richtig gut, so konnte man sich noch austauschen und ggf. schon mal Hilfe klar machen.
Das letzte Stückchen der Strecke


Endlich war der Hafen in Sicht. Eine lange Reise voller Unbekannten und mit so manch kleinem Problem neigte sich dem Ende. Eine Mischung aus Erleichterung und Trauer darüber, dass die Reise zu Ende war machte sich breit. Die letzten Kilometer fuhren wir weiter und kamen schließlich in den Hafen an. Ich hatte schon vorher mit der Hafenmeisterin gesprochen und sie teilte mir einen Platz mit. Ich hatte schon fast vergessen, wie eng dieser Hafen war. Vor dem Hafen ging es zum letzten Durchatmen im Hafen. Gefühlt waren das zwischen den Booten keine 3,5 Meter und das bei einer Breite von 3,29 Metern und ohne Bug- und Heckstrahlruder.
Also vorsichtig rein, ein uns auskuppeln, damit wir nicht zu schnell wurden und weiter geht’s. Rein, leicht drehen und… Schnell die Leine zu den helfenden Händen am Steg. Vorsichtig zurück und etwas drehen und der Rest war dann erledigt durch „Manpower“. Klasse! Geschafft. Festmachen und dann erst mal alles anschließen und Ruhe gönnen. Angekommen haben wir uns noch kurz mit anderen unterhalten und so kam es, dass ich noch mit einem Forums-Member kurz sprechen konnte, der meinen letzten Bericht gelesen hat. Liebe Grüße dahin!
Sehr netter Empfang durch die Mitglieder, die wir seit der Schleuse Dörpen begleitet haben und der Mitglieder, die wir im Hafen getroffen haben.

Zitat:
Zitat von “Einschub“
Als letzten Teil werde ich noch ein kleines Resümee schreiben
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