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Törnberichte Wie der Name schon sagt. Keine Antwortmöglichkeit!

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Alt 10.04.2002, 12:09
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Standard Emden - Mittelmeer, Klaus , 2000

Urheber des Reiseberichtes:
Klaus Lange
Franz-Liszt-Str. 59
07749 Jena, Tel.: 03641/620609, Fax: 03641/620611, e-mail: tui.reisecenter.jena@t-online.de



Mit der
“SOLEIL II”
von Emden in das Mittelmeer




Einzeletappen: Emden - Plymouth 06.Mai - 10.Mai 2000
Plymouth - Lissabon 14.Mai - 22.Mai 2000
Lissabon - Los Nietos 27. Juni - 13.Juli 2000

Segelyacht “SOLEIL II”, eine Reinke 10M
Baumaterial Aluminium
Stapellauf 1997
Motor: Einbau-Diesel Ruggerini / 20PS
Skipper und Eigner: Klaus Lange





Im Spätsommer 1999 hatten wir unsere in die Jahre gekommene Najade 900 (Baujahr 73) in Kroatien verkauft.
Auf dem Gebrauchtwarenmarkt waren wir inzwischen fündig geworden. Eine erst 3 Jahre alte Reinke 10 M (Aluminium) sagte uns sowohl vom Allgemeinzustand als auch vom Preis zu. Mit dem Eigner wurden wir recht schnell handelseinig und bereits im Oktober wurde der Kaufvertrag abgeschlossen.
Als begeisterte “Warmwasser-Segler” sollte unser neues Stück wieder in den Süden verlegt werden, am liebsten wieder nach Kroatien, wo es uns ausnehmend gut gefallen hatte.

Der Weg sollte “außen herum” führen, also von Emden durch den Kanal, die äußere Biskaya und die Straße von Gibraltar in das Mittelmeer. Diese Herausforderung reizte mich ganz gewaltig. Zum Ende der Überführung wollten wir eine Marina in der Nähe von Alicante ansteuern.
Da ich bisher keine praktischen Erfahrungen in Tide-Gewässern sammeln konnte, nahm ich mir besonders viel Zeit für eine gründliche Vorbereitung. Das betraf sowohl die Studium aller verfügbaren Revierberichte, die Beschaffung notwendiger Handbücher und Seekarten als auch die Durchführung einiger technischer Veränderungen an der Yacht. Den Winter nutzte ich, um den kleinen Petroleumkocher gegen einen Petroleumherd mit Backröhre austauschen zu lassen. Ich ließ 2 weitere Service-Batterien einbauen und die Stromkreise voneinander trennen. Auch die Sicherheitsausrüstung wurde erweitert. Zu dem schon Vorhandenen kamen neue automatische Schwimmwesten, ein Schlauchboot, eine EPIRB Seenotbake sowie kurz vor der Abreise leihweise eine Rettungsinsel für 4 Personen. Nachdem unsere erste Yacht auf den Namen “SOLEIL” hörte, entschieden wir uns, die Nachfolgerin “SOLEIL II” zu taufen. Die notwendigen Schiffspapiere wie z.B. das Flaggenzertifikat mußten auch noch beschafft werden.
Anfang des Jahres stand die Route für die Überführung für mich ziemlich fest. Ich hatte dabei zu berücksichtigen, daß ich noch berufstätig bin und daher nicht über einen unbegrenzten Zeitfonds verfüge. Das gleiche Problem werden die Mitsegler haben, die ich aber erst noch “anheuern” mußte.
Ich wollte die Yacht entweder nonstop oder mit höchstens 2 Zwischenstops zunächst bis nach Portugal schaffen. Von dort wollte ich dann die nächste Etappe mit meiner Frau als Urlaubsreise gestalten.
Nachdem ich im März die Möglichkeit hatte, des Vorhaben auch mit dem Segelprofi Burghard Pieske zu besprechen, der in Jena eine Ausstellung mit seiner “Bounty Bay” durchführte, entschied ich mich, von Emden aus zunächst an der holländischen Küste langzusegeln, vor Erreichen der Straße von Dover das Verkehrstrennungsgebiet zu kreuzen und meinen Kurs an der englischen Südküste fortzusetzen. Ein erster geplanter Zwischenstop sollte in Plymouth eingelegt werden. Von dort aus könnten dann meine ersten 2 Begleiter, die inzwischen mit meinen Freunden Nils und Frank feststanden, wieder nach Hause fliegen.
Von Plymouth wollte ich dann mit neuer Crew durch die äußere Biskaya bis nach Lissabon segeln.
Für die erste Etappe waren 7-8 Tage eingeplant, für die 2. Etappe 12 Tage. Gerechnet hatte ich mit Etmalen von 100 sm. Als Starttermin entschieden wir uns für den 6. Mai 2000.

Die letzten Tage vor unserem Start lag die Yacht an einem Steg der Schleusenverwaltung im Hafen von Emden. Dort standen mir freundlicherweise Wasser und Strom zur Verfügung, so daß ich die Yacht fahrfertig vorbereiten konnte, bevor Frank und Nils am 5.Mai anreisten. Nachdem alles verstaut war und alle notwendigen Dinge an Bord besprochen waren, nahmen wir im “Feuerschiff” noch einmal ein gemütliches Abendessen ein.
Kurz nach Mitternacht war Wecken angesagt. Um 01.20 wurden die Leinen losgeworfen und kurz danach passierten wir bei Hochwasser die Emdener Seeschleuse. Der Schleusenwärter war der
Voreigner unserer “SOLEIL II”. Er verabschiedete uns über Funk und wünschte uns eine gute Fahrt (sicherlich auch mit einem weinenden Auge).

Als die Sonne aufging, lag Borkum bereits querab. Um 8.00 hatten wir die Ansteuerungstonne im Hubertgat erreicht.
Der Wind blies mit 4-5 Bft direkt von achtern. Nachdem wir uns durch eigene Unachtsamkeit bereits 2 Patenthalsen eingefangen hatten, setzten wir einen Bullenstander und hatten dann Ruhe.
Der Tag verlief ohne besondere Erlebnisse. Eine Rolle spielte dabei sicher auch die Tatsache, daß wir uns erst einmal an die Schiffsbewegungen gewöhnen mußten, die bei der achterlichen Welle doch recht unangenehm waren. So war jeder von uns bemüht, sich nicht übermäßig körperlich zu belasten, worunter auch etwas die Kommunikation litt.
Nachdem wir gegen 18.00 die holländische Insel Terschelling passiert hatten, bereiteten wir uns auf unsere erste Nacht auf der Nordsee vor.
Sie wurde für uns ein tolles Erlebnis - absolute Ruhe, sternklarer Himmel, in Küstennähe ein paar Lichter, ab und zu in sicherer Entfernung ein Schiff. Aber es wurde empfindlich kalt. Für mich war es überhaupt die erste Nachtfahrt.

Am nächsten Morgen, nach einem kleinen Frühstück, fühlten wir uns alle zwar etwas müde aber körperlich deutlich wohler. Die Anpassungszeit war offensichtlich vorüber.
Da Wind und Wetter weiterhin auf unserer Seite standen, entschlossen wir uns, das Verkehrstrennungsgebiet bereits in Höhe Holland zu kreuzen. Um 06.00 gingen wir auf Kurs 240°.


Am Nachmittag bekamen wir Besuch - 2 Schweinswale begleiteten uns eine ganze Weile in unserer Bugwelle bis es ihnen irgendwann zu langweilig wurde. Eine Bohrinsel passierten wir aus Neugierde in (sicherlich zu geringem) Abstand. Aber niemand beachtete uns.
Gegen 17.00 hatten wir das Trennungsgebiet erreicht und um 19.00 waren wir, mit Maschinenunterstützung, durch. Der Schiffsverkehr war erstaunlich gering. Mit Einbruch der Nacht gingen wir auf Kurs SSW und segelten parallel zur Schifffahrtslinie Richtung Dover. Es wurde wieder furchtbar kalt. Es dauerte jedes mal wenigstens 15 Minuten, ehe die Wachablösung alle notwendigen Hüllen angelegt und sich zur Unkenntlichkeit verunstaltet hatte.
Am Mittag des 3. Tages kam kurz vor Dover erstmals die englische Küste in Sicht. Ganz langsam tauchte die Steilküste aus dem Dunst auf. Jetzt passierten uns auch die ersten Fähren. Als die Hafeneinfahrt von Dover querab lag, donnerte eine “Hoover-Speed”- Luftkissenfähre an uns vorbei.
Gegen 15.00 setzte in der Straße von Dover der Gezeitenstrom gegen uns ein. Erstmals erlebten wir die ungeheuere Kraft, die der Strom in Landnähe auf eine kleine Yacht ausüben kann.
Die folgende Nacht verlief wieder ohne Probleme. Nur einmal waren wir etwas erschrocken. Schon längere Zeit hatten wir Lichter eines großen Schiffes beobachtet, das auf unserem Kurs lag. Als wir uns auf ca. 1 sm genähert hatten, konnten wir die rote Positionsbeleuchtung deutlich identifizieren. Wir wollten das Schiff deshalb mit sicheren Abstand an Backbord liegenlassen. Plötzlich tauchten auch das grünen Licht auf . Das Schiff drehte direkt auf uns zu. Als wir versuchten, nach Backbord auszuweichen, drehte das Schiff wieder in unsere Richtung. Inzwischen waren wir gefährlich dicht heran. Jetzt erst bemerkten wir, daß es sich um einen Saugbagger handelte, der sich auf der Stelle hin und her drehte. Nun konnten wir auch weitere Einzelheiten erkennen und waren erleichtert.
Um 02.00 passierten wir Beachy Head. Die Nacht war deutlich wärmer als die vergangenen Nächte. Leider ließ jetzt auch der Wind langsam nach und wir kamen nur noch mit Maschine voran.
Der 9.Mai, unser 4. Tag auf See, empfing uns mit starkem Dunst. Der Himmel über uns war frei und die Sonne strahlte auf uns herunter, aber über dem Meer lag ein etwa 3-5 m hoher Nebelschleier. Es war eine gespenstische Stimmung. Das Meer war völlig unbewegt. Trotz einer Lufttemperatur von
20° C kondensierte unser Athem. Vorsichtig fuhren wir weiter. Der Ausguck im Bugkorb wurde regelmäßig abgelöst. Über Funk sowie mit unserem Nebelhorn gaben wir regelmäßig Positionswarnungen durch.
Als in Höhe der Isle of Wight eine Fähre unseren Kurs kreuzte, konnten wir sie aber doch rechtzeitig erkennen.
Mit Einbruch der Nacht verstärkte sich der Nebel noch (oder wir empfanden es wenigstens so). Rings um uns waren graue undurchsichtige Wände aufgebaut. Da wir keinen Radar mitführten, tasteten wir uns vorsichtig weiter.
Gegen 20.00 Uhr rief ich über Kanal 16 die Canal Coast Guard an. Nachdem wir auf Arbeitskanal gewechselt sind, gab ich durch, daß wir über keinen Radar verfügen und bat um Information, ob vor uns die Strecke frei ist. Die Jungs der CCG wuchsen über sich hinaus. Nachdem sie sich alle wichtigen Daten von uns durchgeben lassen hatten, schalteten sie sogar noch die franz. Küstenüberwachung mit ein, die unsere vorgesehene Fahrstrecke mittels Radar absuchte. Zu jeder vollen Stunde meldete sich die Canal Coast Guard über Funk und informierte uns über den neuesten Stand. An Schlaf war zwar nicht zu denken, aber wir konnten beruhigt und sicher unseren Weg fortsetzen.
Als sich die CCG um 06.00 Uhr abermals meldete, hatte sich die Sicht soweit verbessert, daß wir auf weitere Hilfe verzichten konnten. Unser aufrichtiges “Dankeschön” für so viel freundliche Unterstützung wurde mit den schlichten Worten: “keine Ursache, rufen Sie uns ruhig wieder an, wenn immer Sie es für nötig halten” beantwortet.
Da wir in der Nacht sehr gut voran gekommen waren, schien Plymouth noch für den gleichen Tag in Reichweite. Gegen Mittag standen wir bereits wenige Meilen vor dem “Prawle Point”. Urplötzlich hatte wieder Wind aus West eingesetzt, der in kurzer Zeit bis 25 kn anwuchs. Dadurch konnten wir die letzte Strecke gut unter Segel zurücklegen. Über Funk ließen wir uns in der Marina Mayflower einen Liegeplatz zuweisen und um 17.10 Uhr machten wir das Boot fest.
Die erste Etappe von 592 sm hatten wir in 4 Tagen und 16 Stunden geschafft, das entsprach einem durchschnittlichen Etmal von 127 sm.
Unserer Freude über den erfolgreichen Törn folgte dann jedoch ein Schock. Nils bemerkte plötzlich, daß im Boot irgend etwas leise summt. Nachdem wir das genauer untersuchten, stellten wir fest, daß die Bilgenpumpe lief - wir hatten Wasser im Boot, sowohl in der Bilge unter dem Salon als auch im Motorraum. Mit Lappen, Schwamm und Eimer legten wir das Schiff wieder trocken, aber das Wasser lief immer wieder nach. Nachdem wir zuerst einen undichten Fäkalientank vermuteten entdeckte ich plötzlich einen Haarriß im Schiffsboden neben der Motorwelle. Es war für mich unfaßbar; wie ist so etwas möglich? Und wie soll es nun weitergehen? In 3 Tagen sollte die neue Crew anreisen und dann wollten wir nach Lissabon starten.
Am folgenden Morgen setzte ich mich über die Marina mit einer Sevice-Firma in Verbindung. Kurz danach kam auch ein Mechaniker und für den folgenden Tag wurde ein Krantermin vereinbart. Der Riß mußte geschweißt werden. Aber viel wichtiger für mich war die Frage: was war die Ursache, wie konnte überhaupt der Riß entstehen? Nach näherer Untersuchung lag die Antwort klar auf der Hand. Der Voreigner hatte, als er den Motor einbauen ließ, (aus welchen Gründen auch immer) 2 Spanten entfernen lassen. Dadurch war im Schiffsboden eine große unstabilisierte Fläche aus Alu-Blech entstanden, die bei laufendem Motor in´s Schwingen geriet. Irgendwann machte das das Material nicht mehr mit.
Ich ließ also nicht nur den Riß schließen sondern auch nachträglich wieder 2 Spanten zur Stabilisierung einschweißen.
Am 13.5. um 15.00 Uhr lag das Boot wieder im Wasser und als um 18.00 die neue Crew (Karl aus Jena und Hartmut aus Berlin) anreiste, konnten wir uns schon gemeinsam auf die nächste große Etappe vorbereiten.
Nachdem wir den Abend in einem Pub in der Nähe des Hafens verbracht haben, warfen wir nachts um 03.00 Uhr die Leinen los. Der Nebel, der den ganzen Tag über Plymouth lag, hatte sich verzogen und es wehte ein leichter Wind aus W. Nach Passieren von Drakes Island holte uns ein Boot der Hafenpolizei ein und wollte wissen, was wir vorhatten. Als wir Lissabon als Zielhafen angegeben hatten, wünschten sie uns nur gute Fahrt, warnten uns aber vor Nebel. Nebel ? Das

konnten wir gar nicht verstehen, wir hatten beste Sicht, oder etwa doch nicht? Wenige Minuten später saßen wir in der Suppe. Noch befanden wir uns im Hafengelände, aber nur an Backbord waren die hellen Lichter eines Kreuzfahrtschiffes zu erahnen. Nachdem wir wie blind ein paar Runden auf der Stelle gedreht hatten, entdeckten wir nicht weit entfernt eine rote Tonne. Anhand der Kennung konnten wir auch feststellen, um welche es sich handelt. Wir nahmen noch einmal genauen Kurs und tasteten uns vorsichtig nach Kompaß aus dem Hafengelände. Eine Stunde später lüftete sich der Nebel und wir konnten beruhigt Segel setzen.
Die Eddystone Rocks passierten wir mit sicherem Abstand früh gegen 06.10 Uhr.
Bei 14 kn Halbwind und ruhiger See konnten sich die 2 “Neulinge” erst einmal an das Boot gewöhnen. Die Luft war auch recht angenehm und wir machten gute Fahrt. Vor Sonnenuntergang hatten wir bereits den Ausgang des Kanals erreicht. Unerwartet bekamen wir plötzlich noch Besuch. Zuerst landete ein kleiner Vogel (später als ein Pirol identifiziert) in unserem Cockpit und wenige Minuten später gesellte sich noch eine Brieftaube dazu. Beide entschieden sich, die folgende Nacht mit uns zu verbringen. Während sich der kleine Piepmatz in unser Vorschiff zurückzog, um dort trocken und warm zu übernachten, suchte sich die Brieftaube einen geschützten Platz im Freien.
Wir hielten in der Nacht unseren Kurs Südwest in die äußere Biscaya bei.
Der nächste Morgen begann mit schwachem Wind und Sonnenschein. Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von unseren 2 gefiederten Gästen. Der Brieftaube hatten wir vorher noch eine Nachricht an das Bein gebunden.
Gegen Mittag drehte der Wind auf SW und wehte uns damit genau auf die Nase. Nach ein paar Stunden unter Maschine gaben wir den ungleichen Kampf auf und segelten hart am Wind auf Kurs SW. Im Verlauf der nächsten Stunden drehte der Wind weiter westlich und wurde böig. Das Barometer fiel merklich.
Wir wollten uns nicht in die innere Biscaya drängen lassen und änderten unseren Kurs auf West, in den frühen Nachtstunden sogar auf NW. Bei inzwischen 30 - 35 kn Wind banden wir das 2. Reff in das Großsegel und verkleinerter Fock. Die See war schon recht unruhig und der Himmel südwestlich von uns sah bedrohlich aus. Deutlich war eine scharf abgegrenzte schwarze Wolkenfront zu erkennen.
Gegen 04.00 Uhr weckte uns Rudergänger Hartmut mit der Information, daß das Barometer innerhalb der letzten 30 Minuten um weitere 4 hPa gefallen sei. Das war das Signal, uns auf eine Sturmfahrt vorzubereiten. Nachdem alles Notwendige erledigt, auch noch einmal die aktuelle Position bestimmt und in die Karte eingetragen war, besetzten wir das Cockpit zu zweit. Karl blieb als Bereitschaft und “Versorgungsposten” unter Deck. Die Fock wurde noch weiter eingerollt, trotzdem machten wir weiterhin 5-6 kn Fahrt hart am Wind.
Unsere Sicherheitsvorkehrungen waren nicht umsonst. Gegen 05.00 nahm der Wind, der inzwischen Sturmstärke erreicht hatte schnell zu. Wir starrten gebannt auf den Windmesser: 38 - 40 - 45 kn.
Plötzlich rauschte eine Wasserwand auf uns zu und über uns hinweg. Während ich gebannt auf unsere Segel schaute und jeden Augenblick damit rechnete, daß sie zerfetzen, las Hartmut 54 kn am Windmesser ab. Der Spuk dauerte nur wenige Minuten, dann ließ der Sturm wieder etwas nach, blies aber weiter mit gut 43 - 45 kn. Das Rigg stand noch und auch die Segel schienen unbeschädigt zu sein. Aus der Kabine kam von Karl die Nachricht, daß das Barometer wieder steigt. Der Sturm blies inzwischen aus NW - wir hatten den Kern des Tiefs passiert und konnten endlich auch wieder auf Kurs gehen.
Der Sturm hielt mit anfangs 9 Bft später 8 Bft den ganzen Tag an. Mit Halbwind konnten wir die inzwischen auf 5-6 m Höhe angewachsenen Wellen gut absegeln. In geringem Abstand passierten uns 2 Frachter. Einer lag direkt auf unserem Kurs und wir mußten ihn erst über Funk auf uns aufmerksam machen. Dann bestätigte er aber, daß er ausweichen wird. Wir nutzten auch gleich die Möglichkeit, die neuesten Wetterinformationen zu bekommen.
In der Nacht zum 17. Mai verlor der Sturm deutlich an Stärke. Bei Sonnenaufgang wehte es nur noch mit 20 kn aus West und auch die Wellen waren auf 2 m “geschrumpft”. Endlich konnten wir wieder mal warm essen und abwechselnd ruhig schlafen.
Die folgende Nacht vom 17. zum 18. Mai werde ich wohl so schnell nicht vergessen. Eigentlich war die Nacht ganz gut verlaufen. Ich hatte die Hundewache und döste im Cockpit leicht vor mich hin. Es war geringer Schiffsverkehr. Die wenigen Lichter in der Ferne hatte ich unter Kontrolle. Gegen 04.00 Uhr fiel plötzlich unser elektron. Autopilot aus. Er schaltete einfach auf “standby”. Wenige Minuten verabschiedete sich unser GPS - die Batterien waren leergelutscht!!! Zuerst sah ich das nicht so dramatisch. Wir hatten ja unseren Motor, damit können wir die Batterien schnell wieder laden. Aber der Motor ließ sich auch nicht starten ! Wir hatten durch eigenes Verschulden (falsche Schalterstellung des Batterie-Hauptschalters) nicht nur die Service sondern auch die Starterbatterie verbraucht. Alle Versuche, den Motor in Betrieb zu setzen, blieben erfolglos. Eine mechanische Starthilfe (Kurbel) ist an diesem Motor (Ruggerini) nicht vorhanden.
Der nächste Hafen lag etwa 130 sm südöstlich. Zuerst schalteten wir einmal alle Verbraucher aus. Dann suchten wir uns mit Hilfe von Karte, Revierführer und “Nautical Almanac” einen geeigneten Hafen, der unter den gegebenen Windbedingungen erreichbar und unter Segel einigermaßen gefahrlos passierbar ist. Wir entschieden uns für die Bucht Ria de Camarinas, wenige Meilen nördlich des Cabo de Finisterre an der span. Atlantikküste. Laut der vorhandenen Literatur sollte diese Bucht, in derem nordöstlichen Teil eine kleine Marina liegt, bei jedem Wasserstand anlaufbar sein. Leider verfügten wir über keine Detailkarte, aber wir hatten gar keine Wahl. Bei bleibendem Wind könnten wir die Bucht in etwa 28 Stunden, also in den späten Morgenstunden des 19. Mai erreichen. Sorge bereitete uns der Gedanke an die bevorstehende Nacht.
Ohne Licht und Funkgerät werden wir nach Mitternacht die Hauptschiffahrtslinie passieren. Außerdem mußten wir nahe der spanischen Küste mit starkem Fischerei-Betrieb rechnen.
Vor Einbruch der Dunkelheit versorgten wir unsere Handy-GPS und Taschenlampen noch einmal mit frischen Batterien. Im Cockpit befestigten wir für den Notfall eine Petroleumlampe.


Inzwischen hatten wir uns auch schon an das ständige Rudergehen gewöhnt ( bei dem Sturm hatten wir bereits ausgiebig “üben” können). Trotzdem lösten wir uns alle 2 Stunden ab. Zum Glück reichte der verbliebene Strom in den Batterien aus, um den Kompaß zu beleuchten.
Die Nacht über beobachteten wir die Schiffslichter mit Argusaugen. Aber es ging alles gut, wir kamen keinem Schiff zu nahe.
Schon lange vor Sonnenaufgang konnten wir die Küste ausmachen. Der Wind hatte inzwischen wieder deutlich an Kraft zugelegt und wehte mit 6 - 7 Bft. aus NO. Um zu vermeiden, daß er uns an der Bucht vorbeibläst, versuchten wir, dichter unter Land zu kommen. Bei den Wellen und dem Wind war das gar nicht so einfach. Hinzu kam, daß plötzlich zwischen den Wellenbergen einige Fischereifahrzeuge auftauchten, denen wir auch nicht gerade in den Weg kommen wollten.
Gegen 09.00 lag des Cabo Villano, die letzte Landspitze vor der Einfahrt zur Bucht, querab und wir passierte es mit geringen Abstand. Dann hieß es: höllisch aufpassen!!!
Vor uns zeigten sich an der stehenden Brandung und dem grünen Wasser einige gefährliche Untiefen. So vorsichtig, wie es bei 7 Bft Halbwind ohne Maschine möglich war, versuchten wir, diesen Stellen auszuweichen und in blauem Wasser zu bleiben. Leider hatten wir von diesem Teil der Bucht überhaupt keine Information und mußten uns auf unsere Augen und unser Gefühl verlassen. Aber es ging alles gut. Die danach folgenden Untiefen Las Quebrantas waren wieder im Kartenausschnitt des Sail and Power Nautical Almanac eingezeichnet und auch gut auszumachen.
Bevor wir in der weitläufigen Bucht unseren Kurs nach Nord ändern mußten, bargen wir vorsorglich das Großsegel. Mit ausgerollter Fock nahmen wir die letzten 2 sm in Angriff. Die wurden aber noch einmal zu einer echten Herausforderung. Als wir die nördliche Landspitze der Bucht Pta. Villueira passiert hatten, knallte uns ein Wind aus NO mit 40 kn genau auf die Nase. Uns blieb nichts anderes übrig als mit Fock dagegen anzukreuzen. Die Bucht war an dieser Stelle gut 0,5 sm breit. Das Ostufer lief flach aus während im Westen Untiefen eingezeichnet waren. Backbord voraus war bereits der Wellenbrecher des Hafens zu erkennen. Mit aller Verzweiflung und ohne Rücksicht auf das Material kreuzten wir hart am Wind gegenan. Bei einer Krängung von über 45° konnte ich kaum noch das Ruder halten, aber wir machten gut Höhe. Ich nutzte die volle Breite der Bucht aus. Nach dem 3. Kreuzschlag schien es so, daß wir den Wellenbrecher passieren können. Aber plötzlich kam uns von
Lee ein Fischereifahrzeug in die Quere. Offensichtlich nahm man von uns überhaupt keine Notiz. Um nicht zu kollidieren, versuchte ich nach Luv auszuweichen, mit dem Erfolg, daß wir mehr und mehr an Fahrt verloren. Mein Herz raste zum Zerbersten! Als uns das Fischerboot endlich passiert hatte, ließ ich sofort abfallen um wieder Fahrt aufzunehmen. Die Sekunden erschienen uns wie Stunden. Endlich trieben wir nicht nur seitlich auf den Wellenbrecher zu, sondern das Boot bewegte sich auch wieder vorwärts. Mit einem Abstand von vielleicht 5 m passierten wir den Kopf des Wellenbrechers. Wir versuchten, so dicht wie möglich an den Steg der Marina heranzukommen, schossen dann in den Wind, warfen Anker und steckten bei 6 m Wassertiefe ca. 30 m Kette. Bei weiterhin über 30 kn Wind kam die Kette sofort steif, aber der Anker hielt sofort.
Erst einmal atmeten wir alle drei tüchtig durch. Wir waren ohne Schaden angekommen, der Rest wird sich schon finden.
Nach einiger Zeit sahen wir jemanden auf dem Steg der Marina, der zu uns herrüberschaute. Wir versuchten, ihm durch Handzeichen verständlich zu machen, daß unsere Maschine nicht einsatzfähig ist. Er verschwand dann wieder und einige Zeit später erschien er mit 3 Männern. Es gab ein kurzes Gespräch zwischen den Vier und bald darauf legte ein Motorschiff ab, kam zu uns rüber und übergab eine Schleppleine. Mit Unterstützung unserer Helfer gelang es zuerst, den Anker frei zu bekommen (an ihm hing ein ca. 50 kg Erdbatzen, ein Stück. Fischernetz und ein 5 m Tau). Dann wurden wir sicher zum Steg geschleppt, wo wir um 11.00 Uhr das Boot festmachen konnten. Zu allererst bedankten wir uns bei unseren Helfern, schlossen dann unser Batterie-Ladegerät an das Stromnetz an und meldeten uns an der Rezeption. Kurz vor Schalterschluß (12.00 Uhr) stürmten wir die Bank im nahe gelegenen Ort, um ein paar span. Peseten einzutauschen und bereits eine halbe Stunde später fielen wir in die Kojen und schliefen, bis wir gegen 22.00 Uhr von Kanonenschüssen und Lärm geweckt. Zuerst konnten wir uns diese Ruhestörung nicht recht erklären. Aber da wir inzwischen auch tüchtigen Hunger hatten, wälzten wir uns aus den Kojen, um im Ort noch ein Restaurant zu suchen. Das war gar nicht so einfach. Es gab zwar alle paar Meter ein Kaffeehaus, aber irgendwann hatten wir dann doch Erfolg. Inzwischen war uns auch der Grund für den Lärm klar geworden: La Curunia, die Hauptstadt der Region, hatte gerade spanischer Fußballmeisterschaft gewonnen.

Die Wetterprognose für den kommenden Tag klang nicht berauschend - Wind aus NO mit 6 - 8 Bft. Vor uns lag das berüchtigte Cabo de Finisterre. Aber wir wollten nicht länger warten. Die Batterien waren wieder voll und keiner wußte, wie sich das Wetter in den nächsten Tagen entwickeln wird. Nachdem wir uns von dem freundlichen Marina-Personal verabschiedet hatten legten wir um 12.00 Uhr ab. Solange wir uns noch in der Bucht befanden, ließen wir die Maschine laufen. Am Ausgang der Bucht erwartete uns bereits eine kräftige Welle. Mit 2/3 ausgerollter Fock und achterlichem Wind machten wir gut 6 kn Fahrt. Anfangs wollten wir noch den Landschutz nutzen, andererseits dem berüchtigten Kap auch nicht zu nahe kommen. Um 14.30 Uhr lag das Cabo de Finisterre 1,5 sm an Backbord. Es ist schon ein beeindruckender Felsen. Inzwischen war das Kap auch seinem Namen gerecht geworden - es wehte mit 38 - 42 kn und gewaltige Wellen rollten aus verschiedenen Richtungen auf uns zu. Schon längst hatten wir das Ruder wieder selbst in die Hand genommen. Trotzdem fühlten wir uns in unserem Boot sicher. Um diese Feststellung noch zu untermauern, wollte uns Karl ausgerechnet am Kap bei Sturm mit einer heißen Suppe überraschen. Als der gefüllte Kochtopf jedoch, statt auf unserem Herd zu landen, durch die Kabine flog, war erst einmal Schluß mit lustig.
So wie der Kochtopf flogen auch wir selbst durch die Kabine. Nachdem bereits in der Biskaya mehrmals die Türfüllung der Toilettentür eingedrückt hatten, flog sie nun entgültig raus. Die schwerste Arbeit war, sich unter Deck an- oder auszuziehen. Sobald man sich nicht mit wenigstens einer Hand irgendwo festhalten konnte, wurde man zum Spielball der Elemente.

Der Sturm blies den ganzen Tag und die Nacht. Der Rudergänger mußte regelmäßig “Vollwaschgängen” über sich ergehen lassen. Den 4-Stunde-Rythmus konnten wir nicht mehr einhalten. Nach 2 Stunden brannten die Augen und der Kompaß war kaum noch zu erkennen. Zum
Glück war es nicht mehr kalt. Der Schiffsverkehr nahm stark zu. Wir bewegten uns östlich von der Hauptverkehrszone. Bereits in der Nacht hatten wir ständig Sichtkontakt zu Fracht-und Fahrgastschiffen, die uns in geringem Abstand passierten. In den frühen Morgenstunden gesellte sich noch eine Vielzahl von Fischereifahrzeugen hinzu.
In den Vormittagsstunden des 21. Mai ließ der Sturm merklich nach und ab Nachmittag herrschte Flaute. Auch die See beruhigte sich sehr schnell. Uns kam es vor wie Urlaub. Endlich konnten wir mal wieder ungestört essen, trinken, die Toilette benutzen und schlafen. Für die Nacht legten wir noch einmal unseren Kurs fest. Die nächste markante Position, die Felseninseln Farilhao vor Peniche müßten wir in den Morgenstunden des nächsten (und wahrscheinlich auch unseres letzten) Tages erreichen.
Die Nacht verlief ruhig. Es war warm und der Autopilot nahm uns die Arbeit ab. Wer wachfrei hatte, konnte ruhig schlafen. Wiederholt begleiteten uns Delphinschulen. Sie waren im Mondlicht sehr gut zu erkennen.
Nach einem gemütlichen Frühstück im Cockpit passierten wir gegen 11.00 Uhr die erwähnte Inselgruppe. Hier mußten wir auf Untiefen und Fischnetze aufpassen. Wir nahmen jetzt Kurs auf das Cabo da Roca. Inzwischen hatte der Wind wieder etwas aufgefrischt und wehte mit 12 - 15 kn aus Nord.
Um 17.30 Uhr passierten wir das Cabo da Roca und steuerten von dort parallel zur Küste die Mündung des Tejo an. Über UKW K 62 meldeten wir uns in der Marina Cascais an und gegen 21.00 Uhr kam der Wellenbrecher der Marina in Sicht. An der Einfahrt zur Marina wurden wir bereits erwartet und nachdem wir alle Formalitäten erledigt hatten lag unser Schiff am 22.Mai um
21.40 Uhr fest am Steg.
Seit Plymouth hatten wir in knapp 9 Tagen 990 sm zurückgelegt, davon 720 sm unter Segel.
Einen Tag davon lagen wir notgedrungen in Camarinas. Das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 5 kn. Damit konnten wir wirklich zufrieden sein.
Am nächsten Morgen verabschiedeten sich Karl und Hartmut. Sie wollten das nächste mögliche Flugzeug nach Hause erreichen. Ich hatte mir noch zwei Tage Arbeit am Boot vorgenommen. Es gab doch einiges zu tun. Aber dann stand auch für mich der Rückflug an. Wie würde ich unsere SOLEIL II in 1 Monat wieder vorfinden ?

Ende Juni flog ich mit meiner Frau wieder mit großen Erwartungen nach Portugal. In den nächsten 3 Wochen wollten wir mit unserem Boot Urlaub machen und dabei bis in die Nähe von Alicante segeln. Unser Ziel war eine Marina im Mar Menor, wo wir unsere Yacht über Winter liegenlassen wollten. Vor uns lagen ca. 700 sm. Da der Urlaub nicht zu kurz kommen sollte, hatten wir und die Strecke in verschieden lange Etappen aufgeteilt.
Aber zuerst galt es einen riesigen Schreck zu überwinden - in unserer Abwesenheit hatte jemand versucht, in das Boot einzubrechen. Die Tür zum Niedergang sowie das Steckschot waren total zerstört, aber das Schoß hatte gehalten. Uns fiel ein Stein vom Herzen.
Am nächsten Tag wurde erst einmal Klarschiff gemacht. Auch einige notwendige Reparaturen und Ausbesserungen (im Ergebnis der Tour durch die Biskaya) waren fällig. Trotzdem blieb noch Zeit, die großartige Stadt Lissabon zu erkunden. Gern hätten wir dafür mehr Zeit verwendet, aber die vor uns liegenden Seemeilen mahnten zum Aufbruch.
Am 27. Juni warfen wir gegen Mittag die Festmacher los. Am Ausgang der Marina füllten wir noch einmal unseren Dieseltank, dann ging es ab gegen Süden. Unser Ziel war es, das Cabo da Sao Vicente
am Morgen des nächsten Tages zu erreichen und nach dem Passieren einen geeigneten Ankerplatz zu finden.
Auf den ersten Meilen trieb uns der portugisische Norder noch mit 3-4 bft voran, aber am Nachmittag schlief er immer mehr ein. Uns blieb nicht anderes über, wir mußten die Maschine starten.
Eine unangenehme Restwelle ließ uns nicht so recht zur Ruhe kommen. Hinzu kam, daß wir uns erst einmal wieder an die Wasserbewegung gewöhnen mußten - kurz gesagt: es war zum kot...

Die Nacht verlief recht ruhig. Die Welle ließ etwas nach. Gegen Mitternacht lag Sines, der einzige für Yachten geeignete Hafen in diesem Gebiet, querab. Die Schiffsbewegung hielt sich im Rahmen. Die Hauptschiffahrtslinie verlief etwa 10 sm von uns entfernt.
Bei Sonnenaufgang hatten wir uns der Südwestspitze Europas schon sehr weit genähert. In den späten Vormittagsstunden passierten wir das Cabo da Sao Vicente, natürlich wurden (wieder viel zu viel) Fotos geschossen. Aber alle paar Minuten bot dieses Cap andere beeindruckende Ansichten.
Plötzlich setzte auch der Wind wieder ein. Als wir gegen 12,00 Uhr in der Bucht vor Sagres Anker warfen, blies er bereits mit 25 kn aus Nord über uns hinweg. Als ich unser Schlauchboot auf Deck aufgeblasen hatte erleichterte mir der Wind das zu Wasser lassen. Er erfaßte das Schlauchboot ganz plötzlich und warf es über die Reeling. Nach einem kurzen Schreck sprang ich hinterher und konnte es gerade noch einfangen.
Die Bucht bot uns vor den Wellen, nicht aber vor den Windböen Schutz. Aber auf gut haltendem Sandgrund lag unsere Yacht sicher. Jetzt hatten wir auch wieder Zeit. Heidi briet ein paar leckere Hühnerbeine und servierte sie mit Kartoffelbrei und einem kühlen Bier.
Mit diesem Essen war unsere Eingewöhnungsphase beendet und nun konnte der Urlaub beginnen.
Am nächsten Morgen lichteten wir, nach einem erfrischenden Bad und einem ausgiebigen Frühstück, den Anker. Bei kräftigem Halbwind segelten wir die Küste ab. Nach dem Kap hatte sich die Landschaft total verändert. Steile, schroffe Felsen, kleine Buchten, versteckte Sandstrände. Am Nachmittag entschieden wir uns, vor einer Steilküste auf 6 m


Wassertiefe zu ankern. Bis Lagos waren es noch 7 sm. Sonderlich guten Schutz bot uns dieser Platz zwar nicht, aber der Wind war ablandig schien für uns keine Gefahr zu bringen.
Noch am gleichen Tag bereiteten wir unseren Außenbordmotor vor. Der kräftige Wellengang bescherte uns dabei allerdings einige Probleme. Schließlich wollten wir ihn nicht gleich am ersten Tag im Meer versenken. Unsere geplante Erkundungsfahrt in die naheliegenden Buchten und Grotten mußten wir also verschieben. Zu sehr pfiff uns der Wind um die Ohren und wir wollten auch nicht gerade auf das offene Meer getrieben werden.

In der Nacht ließ der Wind deutlich nach und am nächsten Morgen empfing uns ein ruhiges Meer. Jetzt stand einer Schlauchboot-Erkundungsfahrt nichts mehr im Wege. Wir starteten noch vor dem Frühstück. Langsam glitten wir an traumhaft schönen Buchten und Grotten vorbei. Vorsichtig steuerten wir unser Schlauchboot durch schmale Gänge. In einer kleinen einsamen Bucht zogen wir unser Boot auf den Sandstrand und genossen die Ruhe - bis die ersten Ausflugsschiffe erschienen !
Schnell kehrten wir wieder zu unserer “SOLEIL” zurück und frühstückten erst einmal.
Gegen Mittag lichteten wir den Anker, mit etwas Mühe, denn er hatte sich unter einem Stein verkeilt.
Bei 4-5 Bft. Halbwind segelten wir die eindrucksvolle Küste gen Osten ab und versuchten dabei, so dicht wie möglich unter Land zu bleiben. Wo es uns besonders gut gefiel, kreuzten wir in Buchten hinein.
Vor etlichen Jahren hatte ich in einem Hotel in der Nähe von Armacao de Pera meinen Urlaub verbracht. Ich erinnerte mich noch gut daran, daß das Hotel oberhalb einer weitläufigen schönen Bucht lag, die von schroffen Felsformationen begrenzt ist. Dort wollten wir am Abend ankern. Wir erreichten die Bucht am späten Nachmittag. Vom Wasser her war sie noch schöner, als ich sie in Erinnerung hatte. Auf 5 m gut haltenden Sandgrund warfen wir den Anker. Die Bucht war gut gegen die nördlichen Winde geschützt. Bei einer Winddrehung auf S oder SO hätten wir die Bucht wieder gefahrlos verlassen können.
Am späten Nachmittag bereitete ich das Schlauchboot vor, um an Land Getränke und Obst einzukaufen. “Ordentlich” angezogen und mit dem nötigen Geld machte ich mich sofort auf den Weg. Als ich schon fast den Strand erreicht hatte, stoppte ich den Außenborder und sprang aus dem Boot, um es auf den Strand zu ziehen.
Ich mußte mich wohl etwas in der Wassertiefe verschätzt haben, denn ich fand keinen Grund unter meinen Füßen, tauchte bis zum Hals ein und mußte die letzten Meter schwimmend, das Schlauchboot im Schlepptau, zurücklegen. Ich muß ein urkomisches Bild abgegeben haben, denn Heidi, die diese Aktion von der Yacht aus beobachtet hatte, bog sich vor Lachen. Schnell, ohne bei den Badegästen zu viel Aufsehen zu erregen, kletterte ich wieder in das Boot und brummte zurück. Bevor ich zum zweiten Versuch starten konnte, mußten jetzt erst einmal die Sachen wechselt und die Geldscheine getrocknet werden.

Wir verbrachten eine ruhige Nacht in der Bucht. Den 1.Juli begannen wir mit einem ausgiebigen erfrischenden Bad. Nach dem Frühstück war noch einmal “Fototermin” und dann wurde der Anker gelichtet. Ziel war die nur 23 sm entfernte Marina Vilamoura.
Die Küste veränderte sich nun zusehens und wurde flacher. Um 14.45 Uhr passierten wir die Einfahrt der Marina und bekamen, nachdem wir uns an der Rezeption angemeldet hatten, einen Liegeplatz zugewiesen.
Vilamoura ist eine der größten und modernsten Marinas Portugals und Ausgangsbasis vieler Yachten mit Ziel Kanaren. Um so unverständlicher war es für uns, daß wir zwar in unmittelbarer Nähe unseres Steges die teuersten Schmuck und Modegeschäfte vorfanden, das nächste Lebensmittelgeschäft aber erst in etlicher Entfernung aufspürten. Diese Feststellung sollten wir auf unserem weiteren Törn noch öfter machen. Rings um die Marina tummelten sich viele Touri-Restaurants, Bars und Designer-Buden. Wir fanden in der “3. Reihe” ein nettes Lokal und haben dort sehr gut gegessen.

Unsere nächste Etappe sollte über 135 sm bis nach Barbate (Spanien) führen. Barbate hatten wir als letzten Hafen vor Gibraltar ausgewählt. Aus den vorhandenen Unterlagen wußten wir, daß Barbate möglichst nicht nachts und bei starken westlichen Winden angelaufen werden sollte. Wir planten die Etappe also entsprechend, um in den Vormittagsstunden anzukommen.
Um 10.15 Uhr warfen wir die Festmacher los, und nachdem wir noch einmal Diesel gebunkert hatten gingen wir auf Kurs SO. Bei leichtem achterlichen Wind machten wir 6 kn Fahrt.
Nachmittags nahm der Wind deutlich zu und bei 6 Bft. banden wir ein Reff in das Groß.
Die Nacht verlief anfangs recht ruhig. Als gegen Mitternacht der Wind einschlief starteten wir die Maschine. In einer unangenehme alten Welle von achtern geigte das Schiff recht heftig.
Gegen 03.30 löste mich Heide im Cockpit ab. Der Kurs Barbate lag an. In einiger Entfernung waren Positionslichter von Schiffen zu erkennen.
Ich muß gerade eingeschlafen sein, als plötzlich die Maschine abrupt stoppte. Sofort war ich hellwach und stand im Cockpit. Heidi war genau so erschrocken wie ich und hatte keine Erklärung. Zuerst schaltete ich die Zündung aus. Mit Taschenlampe leuchtete ich den Motorraum aus, konnte aber nichts erkennen.
Im Rhythmus der stampfenden Schiffsbewegung war ein lautes metallisches Klappern zu vernehmen.
Als ich über die Bordwand blickte, sah ich die Bescherung. Neben uns trieb ein zu einer dicken Wurst zusammengewickeltes Fischernetz, dessen Schwimmkörper gegen das Boot schlugen. Das eine Ende der “Wurst” verlor sich hinter dem Heck während das andere Ende an unserer Schraube und unseren Ruder hing. Weit und breit waren keine beleuchteten Tonnen zu erkennen. Das Netz trieb hier völlig unbewacht und ungesichert.
Nachdem ich den ersten Schreck überwunden hatte, stieg ich, angeseilt mit Messer und Taschenlampe in das Wasser. Erst einmal galt es das Boot wieder frei zu bekommen. Die Positionslichter von Fischereifahrzeugen waren nicht sehr weit

entfernt, und auf eine Konfrontation mit einheimischen Fischern wollten wir es nicht ankommen lassen. Bei der Dunkelheit und der heftigen Schiffsbewegung traute ich mich nicht, unter das Boot zu tauchen. Ich wollte aber das zusammengedrehte Netz möglichst dicht hinter dem Boot durchtrennen, um wieder freizukommen. Es dauerte gut eine Viertelstunde, bis endlich das Boot anfing, Fahrt aufzunehmen. Von dem Rest des Netzes waren wir nun zwar frei, die Welle war jedoch noch immer blockiert. Nur für diese Arbeit brauchte ich Tageslicht. Völlig erschöpft fiel ich in die Koje und Heidi steuerte inzwischen die SOLEIL unter Fock aus dem Gefahrenbereich.
Nach Sonnenaufgang und einer kleinen Stärkung ging ich wieder an die Arbeit. Jetzt ausgerüstet mit Taucherbrille, Schnorchel sowie Messer und Schere mußte ich unter das Boot tauchen, das von den Wellen heftigen hin und her geworfen wurde. Mit einer Hand hielt ich mich an der Schiffsschraube fest, während ich mit dem Messer die Reste des Netzes von der Welle löste. Mehrmals schlugen mir die Wellen den Schiffsboden auf den Kopf. Auch vor den scharfen Kanten der Badeleiter und des Ruders mußte ich mich in Acht nehmen. Endlich, nach vielleicht 10 Minuten war das letzte Stück Netz entfernt. erschöpft, erleichtert und mit eine tüchtigen Prise Salzwasser im Bauch kletterte ich wieder in’s Schiff. Der erste Versuch, die Maschine zu starten, führte sofort zum Erfolg. Uns fiel ein Stein vom Herzen. Die letzten 12 sm bis Barbate konnten in Angriff genommen werden.
Um 10.30 Uhr lagen wir am Steg in der Marina. Trotz unseres nächtlichen Abenteuers hatten wir die 135 sm in genau 24 Stunden geschafft.

Der nächste Tag begann (für unsere Verhältnisse) recht früh. Bereits um 09.45 Uhr legten wir ab. Nachdem wir die vor der Bucht ausgelegten Fischernetzen hinter uns gelassen hat (wir haben nun auch verstanden, weshalb man eine Ansteuerung dieser Marina bei Nacht vermeiden soll), gingen wir bei schwachem Wind aus West auf Südkurs. 13.45 passierten wir Tarifa und bogen in die Straße von Gibraltar ein. Der Wind blies weiterhin aus West und ein Gezeitenstrom von 1,5 kn lief mit uns. Wir hielten uns etwa 2 sm von der spanischen Küste frei und kamen zügig voran. Die Sicht war gut. Die afrikanische Küste schien zum Greifen nahe. Heidi hatte plötzlich eine tolle Idee: “Komm, laß uns nach Tanger segeln”. Reizvoll war der Gedanke schon, aber ohne Detailkarten und ohne Hafenplan erschien es mir dann aber doch zu waghalsig. Wir blieben also bei unserer geplanten Route.
Die Straße von Gibraltar ist bekanntermaßen stark befahren, aber das Verkehrstrennungsgebiet lag in sicherem Abstand.
Als gegen 15.45 der Affenfelsen vor uns lag, hatte der Wind auf 5-6 kn aufgefrischt und schob uns zügig in die Bucht hinein. Hier erwartete uns nicht nur ein tüchtiger Wellengang sondern auch reger Schiffsverkehr. Wie zur Begrüßung passierte uns dann auch noch eine Delphin-Schule.
Um 16.30 hatten wir die Einfahrt zur Quinsway-Marina erreicht und ließen uns über Funk einen Liegeplatz zuweisen. Eine Viertelstunde später lag unsere SOLEIL II sicher an einem Pontonsteg.

Am Abend wollten wir zu Fuß in aller Ruhe die Stadt erkunden. Daraus wurde leider nichts. In Gibraltar galten die britischen Ladenöffnungszeiten. Um 18.00 Uhr war bereits alles geschlossen. Auf den Straßen lagen Müllbeutel und Verpackungsreste aus den Geschäften. Uns blieb nur die Flucht in ein Restaurant - wie wir später feststellen mußten, eine sehr teure Flucht. Aber das Abendessen hat wenigstens einigermaßen geschmeckt.
Zurück in der Marina sprachen wir die Planung für den nächsten Tag durch. Eigentlich wollten wir einen Tag in Gibraltar bleiben und u.a. auf den Affenfelsen hochfahren. Die Erlebnisse der letzten Stunden haben aber unser Interesse an der Stadt merklich schwinden lassen. Wir entschieden uns daher kurzfristig, am nächsten Morgen wieder auszulaufen.

Als wir nach dem Frühstück die Festmacher loswarfen und die Bucht verließen, wehte uns ein leichter Wind aus Ost entgegen, der uns dazu zwang, die Maschine zu starten. Das änderte sich leider auch nicht in den folgenden Stunden. Unser Ziel war die 43 sm entfernte Marina Cabopino.
Gegen Mittag tauchte neben uns eine große Gruppe von Delphinen auf, die uns darauf hin eine ganze Weile begleitete. Plötzlich entdeckte Heidi dicht neben unserem Boot eine große Wasserschildkröte, die dann langsam wieder hinter unserem Heck verschwand.
Am Nachmittag nahm der Wind deutlich an Stärke zu. Bei 20..23 kn aus Ost setzten wir die Fock zur Unterstützung um den Motor etwas zu entlasten. Aber viel half es nicht. Die letzten 6 sm hatten wir den Wind von inzwischen 6 Bft. genau auf der Nase. Um 20.30 liefen wir un die Marina ein. Wir wollten uns vorher bereits per Funk anmelden, aber die Rezeption war nicht mehr besetzt. Uns blieb nichts anderes übrig als uns selbst nach eigenem Ermessen für einen Liegeplatz zu entscheiden. Platz war genügend vorhanden und so fischten wir uns eine Mooring und legten das Boot mit dem Heck an den Steg. Zu unserem Erstaunen befanden sich außer uns nur noch 3 andere Segelyachten in der Marina, sonst nur Motorboote. Die Erklärung dafür bekamen wir am nächsten Tag. Früh erschien ein Marinero bei uns und klärte uns darüber auf, daß die Marina z. Z. eigentlich für Segelyachten gesperrt ist. Die Einfahrt ist stark versandet und hat bei Niedrigwasser nur noch eine Tiefe von 1.20 m. Wir sollen daher unbedingt bei Flut auslaufen.
Bei unserem Tiefgang von nur 1,0 m machte ich mir keine großen Sorgen. Am Donnerstag, dem 6.Juli um 10.45 bei totaler Flaute liefen wir aus und nahmen Kurs auf Velez. Unsere geplante Tagesstrecke lag etwas über 40 sm und das Wetter schien uns wieder einen verhaßten Motor-Tag zu bescheren. Als später leichter Wind aus Ost aufkam, konnten wir wenigstens die Fock und das Groß zur Unterstützung und als Sonnenschutz setzen.
Heute wollte ich auch wieder einmal mein Angelglück versuchen und bereitete die Schleppangel vor. Der Köder, eine Fisch-Atrappe, war auch noch gar nicht lange im Wasser, da bog sich die Angel plötzlich gewaltig durch. Aufgeregt und voller Vorfreude begann ich die Sehne aufzurollen, bis ich vor Schreck feststellte, daß sich eine Möwe auf den Köder gestürzt hatte. Das Boot machte gut 5 kn Fahrt und der Zug an der Angel war gewaltig. Was sollte ich machen? Die Frage klärte sich von selbst. Nach ein paar Minuten war die Angel plötzlich wieder frei, die Möwe hatte sich gelöst. Inzwischen

kreisten aber bereits die nächsten Vögel gierig über dem Gummifisch. Schnell gab ich mehr Angelsehne frei und hielt die Angel flacher, so daß der Köder tiefer unter Wasser sank.
Das Wetter hatte sich inzwischen nicht wesentlich geändert. Das Meer war ruhig. In weiter Ferne an Steuerbord hatte ich vor einiger Zeit ein Segelboot, wahrscheinlich einen Motorsegler ausgemacht. Sonst war absolute Einsamkeit ringsum. Heidi saß im Cockpit und war in ein Buch vertieft und ich entschloß mich, ein paar Erfrischungen aus dem Kühlschrank zu holen.
Ich hatte gerade die Gläser gefüllt und war auf dem Weg zurück, als Heidi plötzlich in panischer Angst nach mir schrie. Ich stürzte den Niedergang hinauf und stolperte, noch mit einem Glas in der Hand, in das Cockpit. Im Fallen konnte ich noch dicht vor uns die Bordwand eines Bootes ausmachen. Ich schmiß den Autopiloten von der Pinne und riß im gleichen Moment das Ruder herum. Ich traute mich nicht, nach vorn zu sehen und erwartete jeden Augenblick den Zusammenstoß, aber wenige Meter hinter dem Heck eines großen Motorseglers, voll besetzt mit Ausflugsgästen, zogen wir vorbei.
Wir konnten uns im nachherein nicht erklären, wie das überhaupt passieren konnte. Ich hatte das Boot zwar vorher gesehen, aber es war weit entfernt und steuerte zu diesem Zeitpunkt einen parallelen Kurs.
Nun gut, es war zum Glück nichts passiert und die Schiffsführung des Motorseglers hatte offensichtlich nicht einmal etwas bemerkt. Aber uns war es doch eine Lehre!!
Als wir am frühen Abend in der Marina Velez festmachten, kamen wir noch mehrmals auf diesen Vorfall zu sprechen.
Die Marina Velez liegt am Torre de Mar. Der gesamte Küstenabschnitt macht einen geradezu abschreckenden Eindruck. Vollgepackt mit Hotelburgen und Appartment-Komplexen ist von Natur nicht mehr viel zu erkennen. Auf dem Wasser schwimmt eine Unmenge von Unrat, Plaste und Papiermüll. Nicht viel besser sieht es in der Marina aus. Hier kann uns wahrlich nichts länger halten....außer Nebel.
Unsere “Flucht” an nächsten Morgen müssen wir leider verschieben. Dichter Nebel macht ein Auslaufen unmöglich. Als sich gegen Mittag die Sicht leicht bessert, wagen wir uns gegen 13.30 Uhr doch hinaus. Die ersten Meilen fuhren wir vorsichtig unter Motor nur nach Kompaß aus der Bucht hinaus. Nachdem wir das offene Wasser erreicht haben, lichtet sich zum Glück der Nebel, aber es war bereits zu spät, um noch vor Sonnenuntergang unser nächstes Ziel, die Marina in Motril, zu erreichen. Wir suchten uns deshalb eine Ankerstelle für die Nacht, aber das Angebot war nicht sehr reichhaltig. Von den gräßlichen Hotelkomplexen ist seit Verlassen der Bucht von Velez zum Glück nichts mehr zu sehen. Die Steilküste und schroffen Felswände lassen, Gott sei Dank, keine Bebauung zu. Zuletzt entschieden wir uns für eine Stelle, die die Bezeichnung “Bucht” wohl nicht verdient hat. Dicht vor dem Sandstrand lagen wir auf 4m Tiefe fast in der Brandung. Es wurde eine recht unruhige Nacht, der starke Schwell ließ uns kaum zum Schlafen kommen, aber der Anker hielt gut.
Am nächsten Morgen lichteten wir früh 07.20 den Anker und nahmen Kurs auf das 12 sm entfernte Motril. Wir ahnten noch nicht, was uns in den nächsten Stunden erwarten wird. Nachdem wir die ersten 6 sm bei Flaute zurückgelegt hatten, blies uns plötzlich innerhalb von wenigen Minuten ein Starkwind mit 7 Bft aus Ost entgegen. Gegen die immer höher werdenden Wellen hofften wir, im Hafen von Motril Schutz zu finden. Fehlanzeige ! Im Hafenbecken hatte sich bereits ein gewaltiger Schwell aufgebaut. An den Stegen der Marina waren keine Liegeplätze frei. Außerdem waren da bereits jetzt alle verfügbaren Kräfte damit beschäftigt, die wild tanzenden Boote, so weit möglich, vor Beschädigungen zu schützen. Uns blieb nichts anderes übrig als im Hafenbecken vor den Stegen der Marina zu ankern. Angesichts der wilden Hektik an den Stegen sicherlich auch die bessere Variante.

Aber eigentlich hatten wir uns für Motril einen anderen Plan zurechtgemacht. Von hier aus wollten wir mit dem Bus einen Ausflug nach Granada. Aber daran war im Moment nicht zu denken. Also nutzten wir die Zeit, um erst einmal etwas zu essen. Neben uns ankerte noch ein Norweger mit einer kleinen Yacht. Nach uns kam noch eine deutsche 12 m-Yacht mit 1 Mann Besatzung. Das Ankermanöver bei dem Starkwind und den Wellen, mit den Booten der Marina in lee, und ohne Ankerwinsch wurde dann auch äußerst abenteuerlich. Zuerst fiel der Anker zu dicht vor den Stegen. Als der Skipper bemerkte, daß er auf die anderen Boote getrieben wird, wollte er den Anker (per Hand) wieder aufholen, bei dem Winddruck unmöglich. Als er das merkte, stürzte er sich wieder in das Cockpit, tourte den Motor auf Vollast und zerrte den Anker hinter sich her durch den Hafen, über unser Ankergeschirr hinweg. Warum er dabei unsere Kette nicht erwischt hat, bleibt mir bis jetzt ein Rätsel. In jetzt ausreichenderem Abstand ließ er nun weitere Ankerkette nach und zum Glück fand der Anker im Sandgrund auch Halt. Uns allen war ein tüchtiger Schreck in die Glieder gefahren.
Gegen Mittag ließ der Wind deutlich nach und wir wollten nun doch noch unser Vorhaben durchsetzen. Mit dem Schlauchboot setzten wir zur Marina über und zogen es dort an Land. Nach einigen vergeblichen Versuchen gelang es uns dann auch noch, die entsprechende Bus-Haltestelle zu finden und um 14.00 Uhr saßen wir im Bus nach Granada. Diese Fahrt haben wir nicht bereut.
Die Alhambra, zeitweise maurische Residenz und Festung, ist beeindruckend und wirklich einen Besuch Wert.
Nach diesem Abstecher in die Geschichte führte uns der nächste Tag in die Gegenwart zurück. Almerimar, eine moderne, große Marina mit einem Umfeld aus der Retorte, erreichten wir an Abend nach 40 sm - gegen den Wind. Platz war noch genügend vorhanden und an der Kai-Mauer liegt man sicher und geschützt. Von hier wollten wir nun endlich auch unsere Urlaubsgrüße per Post an Freunde und Verwandte abschicken. Ich bin mir sicher, daß an dem Kasten, in den ich die Karten geworfen hatte, auch ein Postzeichen war. Zuhause angekommen ist bis heute nicht eine.

Für den nächsten Tag war Starkwind aus West angekündigt. Als ich am 10. Mai früh in der Marina unseren Liegeplatz bezahlte und erwähnte, daß wir gleich starten wollen, schauten mich die Marineros etwas zweifelnd an. Es war Wind mit 6-7Bft. in Böen darüber angekündigt. Bereits jetzt pfiff es schon recht bedrohlich in den Wanten. Aber wir wollten weiter und die Windrichtung nutzen.


Die Ausfahrt aus der Marina war nicht ganz problemlos. Der Wind blies uns dort mit 6 Bft in’s Gesicht und wir “krochen” mit 2 kn Fahrt aus dem Hafen. Kaum hatten wir den Schutz der Wellenbrecher verlassen, packte uns auch die kräftige Welle und wir mußten aufpassen, nicht gegen die aufgeschütteten Steine gedrückt zu werden. Nach ein paar bangen Minuten hatten wir genügend Freiraum geschaffen und konnten die Fock, etwas später auch das Groß mit einem Reff setzen. Das Schiff nahm schnell Fahrt auf und mit 25 kn achterlichem Wind hatten wir schnell die Küstenregion hinter uns gelassen. Wir wollten quer über den Golf von Almeria segeln und hinter dem Cabo de Gato in der Bucht Pto. Genoves ankern. Anfangs waren noch 2 weitere Segelyachten in Sichtweite, aber die bogen dann in den Golf von Almeria ein und wir waren allein. Je länger wir unterwegs waren, um so mehr wuchsen die Wellen an. Der Wind hatte inzwischen 7 bft. mit Sturmböen erreicht. Aber nicht der Wind und die Wellen machten uns die größten Sorgen. Wir waren so dumm gewesen, bei diesem Wetter unser Schlauchboot hinterher zu ziehen. Das wurde jetzt von Wind und Wellen hin und her geworfen, gegen das Heck geschleudert oder von Böen einfach in die Luft geworfen und umgedreht. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die Schleppleinen reißen oder die Halteösen abfetzen. Als es wieder einmal durch die Luft flog und dann auf das Wasser zurückklatschte, war es passiert. Eine der Leinen reißt durch und wir hielten unser Schlauchboot schon für verloren. Notdürftig konnte ich eine Ersatzleine befestigen und etwas später gelang es Heidi, das Schlauchboot an unserem Spiegel zu verzurren.
Jetzt konnten wir uns endlich auch wieder entspannter mit Wind und vor allem auch den Wellen “beschäftigen”, die inzwischen mit gut 5 m Höhe von achtern auf uns zurollten. Nachdem wir zwischenzeitlich schon wiederholt mit über 10 kn Fahrt in’s Surfen geraten waren, hatten wir bereits das Groß geborgen und die Fock verkleinert. Trotzdem rauschten wir mit über 8 kn dahin. Es war ein echtes Segelerlebnis. Es ließ sich auch nicht vermeiden, daß zweimal ein Brecher in das Cockpit einstieg. Vorsorglich hatten wir schon das Steckschot eingeschoben, so daß nichts passieren konnte und das Wasser sofort wieder ablief.
Auf halber Strecke näherte sich von steuerbord eine Fähre aus Marokko auf dem Weg nach Almeria, aber rechtzeitig wurden wir wohl erkannt und die Fähre räumte uns die Vorfahrt ein.
Am Cabo da Gato wurde es noch einmal spannend. Wir wollten nicht zu dicht an die Felsen heran, mußten aber kurz hinter dem Kap in die Bucht einbiegen. Die Wellen kamen inzwischen aus allen Richtungen und es war nicht einfach, das Boot auf Kurs zu halten.
Nach Passieren des Kaps suchten wir die Bucht, konnten sie aber visuell nicht ausmachen. Die Steilküste bildete eine durchgehende Felsenfront. Wir verließen uns deshalb voll auf unser GPS und steuerten die in der Seekarte ermittelte Position an. Diese Entscheidung war richtig, dann aus 1/2 sm Entfernung war die Bucht nun klar auszumachen. Mit Halbwind rauschten wir hinein. Hier empfing uns ruhiges Wasser - aber weiterhin bis zu 43 kn Wind. Auf 5 m Sandgrund fanden wir trotzdem einen sicheren Platz, weit genug ab vom Strand und den Felsen. Der Anker griff sofort. Wir steckten ausreichend Kette und lagen dann trotz pfeifenden Windes recht ruhig und geborgen.
Diese Bucht ist sehr groß und bietet bei Wind aus westlichen Richtungen hervorragenden Schutz gegen die Wellen. Die Wassertiefe beträgt über Sandgrund durchgängig 4 - 6 m.
Nach dieser aufregenden und spannenden Etappe schmeckte das frisch zubereitete Abendessen mit einem Glas Rotwein besonders gut.

Am nächsten Morgen wollten wir früh aufbrechen und unterwegs frühstücken, aber eine alte, chaotische Welle zwang uns zum Essen wieder in die Bucht zurück.
UM 09.30 ging es dann doch Anker auf. Der Wind hatte inzwischen auf Ost gedreht, so daß wir “endlich” wieder unseren Motor anwerfen durften.
Noch hatten wir bis zum Mar Menor 135 sm vor uns, aber wir lagen gut im Zeitplan.
Unser heutiges Ziel war die Marina von Aguilas. Die 50 sm wollten wir vor Sonnenuntergang schaffen.
Der Küstenabschnitt seit dem Cabo da Gato ist felsig und schroff. Wenn wir mehr Zeit hätten, könnten wir sicherlich kleine und einsame buchten finden. Leider trieb uns der Zeitplan weiter.
Über Funk meldeten wir uns in der Marina an, erhielten aber eine Absage. Es gab keine freien Liegeplätze und so mußten wir uns nach einem geeigneten Ankerplatz umsehen. Wir fanden ihn in einer Bucht wenige sm weiter NO. Wir ankerten auf 4 m Sandgrund vor einer “Vogelinsel”. Diese Insel war Brutstätte einer unübersehbaren Menge verschiedener Seevögel. Neben Kormoranen und Möwen sahen wir u.a. auch Seeschwalben. Die Nacht über war Ruhe, aber mit Sonnenaufgang setzte ein gewaltiges Konzert ein.

Heute ist der 12.07.. Noch 2 Etappen bis zum Mar Menor. Wir wollten deshalb so weit wie möglich kommen, um den letzten Tag ruhig angehen zu können. Wenn das Wetter mitspielt, könnten wir das Cabo de Palos und den dort gelegenen Hafen erreichen. Wenn das Wetter mitspielt !!! Tat es aber leider nicht. Wieder blies uns der Wind genau auf die Nase. Nicht übermäßig stark, aber eben von vorn. Damit war das Cabo de Palos “gestorben” und wir richteten uns auf Cartagena ein. Eine Entscheidung, die wir in nachhinein nicht bereut haben.
Nachdem wir die ersten 2 Stunden beharrlich unter Motor zurückgelegt hatten, versuchten wir später, gegen den Wind zu kreuzen. Nach weiteren 3 Stunden gaben wir das Unternehmen aber auf. Zu gering war der Raumgewinn.
Zwischen Aguilas und Cartagena ist starker Fischereibetrieb zu vermerken. Die ausgelegten Netze und Reusen sind aber gut markiert. Man muß aber schon darauf achten, den Trawlern nicht zu nahe zu kommen. Die nachgeschleppten Netze sind oft beachtlich lang. Auch zwischen 2 parallel laufenden Trawlern sollte man nicht unbedingt hindurch wollen.
Als wir uns dem Hafen auf wenige sm genähert hatten, frischte der Wind (wie jeden Nachmittag) deutlich auf, so daß wir zu guter letzt wieder gegen 6 Bft anzukämpfen hatten.


Cartagena ist ein bedeutender Industrie- und Militärhafen. Die Marina, die im hinteren Teil des Hafenbeckens direkt an der Stadt liegt, wird gegenwärtig noch erweitert. Die Reception war behelfsmäßig in einem Baucontainer untergebracht, ein neuer Sanitärtrakt teilweise fertiggestellt.
Aber mehr als die Marina ist die Stadt selbst sehenswert. Mit finanzieller Unterstützung der EU ist man gegenwärtig dabei, die wertvolle historische Bausubstanz des Stadtkerns zu sanieren. Ein Spaziergang durch die Fußgängerzone oder ein Abstecher auf die Burg sind allemal empfehlenswert.
Der Tourismus hält sich noch wohltuend in Grenzen.
Donnerstag, der 13. Juli - irgendwann ist jede Reise mal vorbei und vor uns lag nun der letzte Reiseabschnitt. Von Cartagena aus hatten wir zuerst 20 sm nach NW bis zum Cabo da Palos vor uns. Danach waren es noch 7 sm NO zur Einfahrt zum Mar Menor. Nach Passieren der Durchfahrt verlief die letzte Strecke auf dem Binnensee 5 sm nach S.
Ein Wind mit 5-6Bft aus NO (!) zwang uns zunächst erst einmal wieder, unter Maschine zu laufen. Eine unangenehme hackige Welle schüttelte uns bis zum Kap tüchtig durch. Zusätzlich mußten wir aufpassen, den vielen Fischereifahrzeugen rechtzeitig aus dem Weg zu gehen. Ca. 1 sm steuerbord tauchte überraschend ein U-Boot auf und setzte seine Fahrt über Wasser fort.
Kurz nach 13.00 hatten wir das Kap passiert. Jetzt konnten wir den Wind aus NO endlich für uns nutzen. Mit halbem Wind und unter voller Besegelung genossen wir die nächsten Meilen Nun hätte die Strecke ruhig etwas länger sein können.
Laut Törnführer Spanien soll die Drehbrücke, die Durchfahrt zum Mar Menor freigibt, in der Saison stündlich geöffnet werden und wir wollten dieses Nadelöhr um 15.00 Uhr passieren. Wir waren auch pünktlich dort, aber die Brücke blieb zu. Aus einem vorbeifahrenden Motorboot erfuhren wir, daß die Brücke nur alle 2 Stunden und das nächstemal um 16.00 geöffnet wird. Nun gut. Also nutzten wir die verbleibende Zeit auf unsere Weise, gingen an der Mündung zur Durchfahrt vor Anker und Heidi bereitete ein warmes Mittagessen vor. Pünktlich um 16.00 waren wir dann zur Stelle.
Die letzten Meilen unter Segel bei schönstem Wetter stimmten uns etwas wehmütig. Gern hätten wir jetzt noch ein paar Tage (am besten sogar ein paar Monate) angehängt.
Um 17.30 fuhren wir in die Marina Los Nietos ein. Hier sollte unsere SOLEIL II eine vorläufige “neue Heimat” finden und nach einigen anstrengenden Verhandlungen auf englisch, deutsch und hauptsächlich spanisch, bei denen wir dankbarerweise Unterstützung durch andere Dauerlieger erhielten, klappte es dann auch.
Danach endete die Überführung unserer Yacht von Emden in das Mar Menor nach insgesamt 2250 sm.
Für das kommende Jahr haben wir inzwischen schon neu geplant. Über die Balearen und Sardinien wollen wir als neues Ziel Kroatien ansteuern. Dort wurde vor 5 Jahren unsere Segelleidenschaft geweckt und dort hatte es uns landschaftlich bisher an besten gefallen.


Die Fotos sind leider alle verschwunden
__________________
Handbreit / Klaus
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