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Restaurationen Refits, Lackierungen, GFK-Arbeiten, Reparaturen und Umbauten von Booten aller Art.

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  #1  
Alt 15.11.2019, 17:50
Oldskipper Oldskipper ist offline
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Ich hatte schon im letzten Jahr ein paar Bläschen entdeckt. Nun war die Stunde der Wahrheit. Im Bugbereich, zwischen Steven und Bugstrahlruder hatte ich den Verdacht, ich könnte die Pest am Rumpf haben. Tatsächlich stank es nach dem Aufstechen. Mit einem scharfen Spachtel hab ich das Antifouling abgezogen und wie aus dem Lehrbuch gab es weisse Köpfchen. Und zwar wesentlich mehr, als ich so auf den ersten Blick vermutet habe.
Ich habe dann überall am Rumpf testweise mit dem Spachtel das AF bearbeitet. Kein weiter Befund. Insgesamt habe ich eine Fläche von ca 1m Länge und ca 30cm Breite mit Bläschen gefunden. Da wo der Kielbereich zum Steven wird und nur an Backbord. Nun hat das Boot bei 12m Länge und 4m Wasserlinienbreite ein ziemlich grosses Unterwasserschiff. Das kann mal nicht mal so eben untersuchen. Und warum gibt es so einen räumlich begrenzten Schaden und sonst offenbar keine weiteren Schäden? Das kann doch eigentlich nicht sein. Da geht das Kopfkino los. Also muss Sicherheit her.
Ich habe mir ein Feuchtemesser gekauft. Der zeigt zwar keine geeichten Werte an, aber man kann feuchte Stellen finden und vergleichend messen.
Das war eine der besseren Investitionen, die je getätigt hab. Habe den erst einmal in meinem Keller ausprobiert und konnte quasi auf den cm meine Horizontalsperre in der Wand orten. Das fand ich schon mal beeindruckend und die Messergebnisse ließen sich jederzeit reproduzieren.
Nun habe ich das Gerät am Bootsrumpf ausprobiert. Erwartungsgemäß zeigte das Gerät im Überwasserbereich niedrigere Werte als am Unterwasserschiff an. Zum Vergleich habe ich an einem 2 Jahre alten Boot gemessen. Dort das gleiche Ergebnis. Im Unterwasserschiff waren die Werte fast identisch mit denen von meinem Rumpf.
An den Schadstellen im Bugbereich konnte ich jedoch deutlich höhere Werte messen. Nun gings los, ich habe den gesamten Schiffsrumpf abgescannt. Dabei habe ich noch 2 Stellen von ca 1m Länge und 20cm Breite finden können und eine kleine Stelle achtern. Trotz Spachteltest und intensiver Betrachtung, konnte ich jedoch keine Schäden entdecken.
Ich habe die Stellen dann markiert und es fiel mir wie Schuppen aus den Haaren. Ich habe genau die Lage der Tanks markiert, und zwar genau die Kante, die nah am Rumpf liegt. Blieb noch die Stelle achtern. Tatsächlich hab ich dort innen, einen feuchten Lappen gefunden. Damit hatte ich etwas abgewischt und der war mir heruntergefallen. Der Lappen lag da schon ein paar Tage und war allenfalls etwas klamm. Ich hab die Stelle dann von innen kurz trocken geföhnt und schon war die Messung ok.

Damit hatte ich natürlich überhaupt nicht gerechnet, aber das Messgerät hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Ich habe dann nochmal den gesamten Rumpf komplett abgescannt. Das hat dann schon fast 2 Std gedauert, aber außer der bekannten Stelle, habe ich nichts mehr gefunden.

Die Schäden sind nicht so schrecklich groß. Die Grübchen sind maximal 1mm tief. Tatsächlich ist das GFK darin aber zerfasert. Der Durchmesser liegt bei 2-3mm. Aber ich denke es sind an die 100 Stück. Das lässt sich relativ leicht beseitigen und so einen begrenzten Rumpfbereich kann ich auch gut trocknen. Heizlüfter von innen und Infrarotstrahler von außen bis ich nichts mehr messen kann.

Bleibt die Frage, warum kommt es zu so einem eng begrenzten Schaden und der Rest vom Rumpf ist ok? Das hat mir keine Ruhe gelassen und ich hab den Vorbesitzer angerufen. Der Eigner war verstorben. Die Witwe hatte das Boot an ihrem Grundstück liegen. 2 Jahre nicht bewegt. Dabei lag das Boot mit dem Heck an einem Pfahl vertäut und mit dem Bug steckte es in der Böschung. Im Entwässerungsgraben an der Kuhwiese von ihrem Bauernhof in Friesland NL. Und ja, mit der Backbordseite.

Das war jetzt viel Text. Ich habe Spaß, das es kein großer Schaden ist und es auch eine Erklärung dafür gibt. Das hat mich doch ganz schön beschäftigt.

Das Messgerät ist der Knaller und bekommt 12 von 10 möglichen Punkten.
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  #2  
Alt 15.11.2019, 18:06
Bootfan Dieter Bootfan Dieter ist offline
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Vielen Dank für deinen informativen Beitrag.

Da kann man mal sehen, was es alles gibt, da liegt ein Boot mit einer kleinen Stelle dauernd im feuchten Dreck und es gibt Osmose.

Das bestätigt wieder mal meine These: Ein Boot, das vernachlässigt wird, bekommt Schäden, ein Boot, das genutzt und einigermaßen gewartet wird, hält ewig.

Dir ist schon klar, dass es mit einfachem Trocknen nicht getan ist? Die Schadstelle muss sorgfältig bearbeitet werden, schleifen und nochmals schleifen und dann das Gelcoat neu aufbauen, eventuell noch eine dünne Lage Glasfaser einlaminieren?

Dann natürlich schleifen, spachteln, schleifen, spachteln, schleifen und schleifen und dann die Farbe wieder herstellen, zum Schluss mit Klarlack oder Topcoat versiegeln.

Ich fürchte nur, wenn man nur die eine Stelle bearbeitet, sieht das dann nachher komisch aus, man sollte also auch den übrigen Rumpf die gleiche Endbehandlung angedeihen lassen, wie der Schadstelle, kommt man wohl nicht drumrum, wenns gut aussehen soll.


Bootfan Dieter
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  #3  
Alt 15.11.2019, 18:12
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Schmidts Schmidts ist gerade online
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Mal ne Frage zu deinem Tank, der ist aus Metall ?

Grüße René
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Restauration unserer VEGA Tornado GTS BJ 72
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  #4  
Alt 15.11.2019, 18:47
Oldskipper Oldskipper ist offline
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Zitat:
Zitat von Bootfan Dieter Beitrag anzeigen

Ich fürchte nur, wenn man nur die eine Stelle bearbeitet, sieht das dann nachher komisch aus, man sollte also auch den übrigen Rumpf die gleiche Endbehandlung angedeihen lassen, wie der Schadstelle, kommt man wohl nicht drumrum, wenns gut aussehen soll.


Bootfan Dieter
Für einen halben m2 schleife und spachtel ich nicht 50m2 Unterwasserschiff. Mal abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass die Schadstelle hinterher sichtbar ist, wäre es auch egal, weil unter Wasser im Kielbereich allenfalls Fische durch den Anblick gestört würden.

Der Vollständigkeit halber:
Das Gelcoat kommt in dem Bereich komplett runter. Die beschädigten Flächen werden bis ins unbeschädigte GFK angeschliffen. Sollten tiefere Stellen dabei sein oder in der Fläche ein grösserer Abtrag erforderlich sein, könnte tatsächlich eine Matte zum Einsatz kommen. Bei min 12mm Laminatdicke sehe ich aber keine Probleme 1mm mit Spachtel auf zu füllen.
Ein paar Anstriche mit Epoxidharz und fürs Auge am Schluss mit Topcoat und die Angelegenheit sollte erledigt sein. Kommt eh noch Grundierung und Antifouling drauf.

Die eigentlichen Schäden würde ich mal als geringfügig betrachten.

Tanks = Kunststoff
Metall wird von dem Feuchtemesser ignoriert und natürlich auch nicht durchdrungen.
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  #5  
Alt 15.11.2019, 19:10
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45meilen 45meilen ist offline
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Ich würde Dir wünschen das es so ist wie von Dir beschrieben,

aber

ich habe noch nie gehört das ein Boot Osmose bekommen hat nur weil es 2 Jahre mit einer bestimmten Stelle im Busch geparkt wurde

Ich denke außerdem dass es an den punktuellen Stellen nicht damit getan ist da 1 mm runter zu schleifen
So etwas bohrt man in der Regel aus (und zwar jede Blase einzelnd ), lässt es lange trocknen und beginnt dann es wieder zu schließen

Sorry, sicher nicht das was Du hören willst, aber meine Erfahrung.
__________________
Gruß 45meilen

Einer Person zu helfen mag nicht die Welt verändern,
aber es vermag für diese Person die Welt zu verändern
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  #6  
Alt 15.11.2019, 21:24
Wolle63 Wolle63 ist offline
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Punktuelle Schäden können auch von innen, zb. Bilge kommen.
Gruß Wolle
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  #7  
Alt 15.11.2019, 23:32
Oldskipper Oldskipper ist offline
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  #8  
Alt 16.11.2019, 07:03
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Hast du auch mal ein ein Bild im ganzen von deinem Projekt ?
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  #9  
Alt 16.11.2019, 15:38
Oldskipper Oldskipper ist offline
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Heute war Messtag in der Bootshalle. Alles was aus GFK war wurde überprüft. Unter anderem auch ein Boot was schon 20 Jahre unbewegt in der Ecke steht, sowie 2 Boote, die erst 2 Jahre alt sind.
Ergebnis:
Das alte Boot war furztrocken. Die neuen Boote waren im Unterwasserbereich fast genau so feucht oder trocken, wie die älteren Boote. Gefunden wurde eine unsachgemäße Reparatur mit KFZ Spachtel an einem älteren Boot, so wie eine erhebliche Vernässung an einem nachträglich eingebauten Bugstrahlruder. Fast alle Boote mit AB hatten Feuchtigkeit im Spiegel!!
Was das Gerät nicht ausspuckt, ist wie stark die Durchnässung ist, bzw ob das tatsächlich behandlungswürdig ist. So bedeutet die Feuchtigkeit im Spiegel noch lange nicht, das da wirklich was kaputt ist.
Aber insgesamt war das Ergebnis verblüffend gut und scheint tatsächlich recht zuverlässig zu sein.
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  #10  
Alt 16.11.2019, 15:49
Oldskipper Oldskipper ist offline
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Zitat:
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Hast du auch mal ein ein Bild im ganzen von deinem Projekt ?
Projekt ist nicht das richtige Wort. Das Boot fährt problemlos und es funktioniert auch alles. Einziger Ausfall in fast 400h Betriebsstunden war der Impeller vom Stromaggregat. Projekt stimmt aber auch, weil mir vieles nicht gefällt und im Laufe der Zeit verändert wird. Das betrifft aber mehr so Sachen wie Innenausbau oder puffmäßiges Design in rotem Plüsch. Im Moment wird entpufft.
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Alt 25.11.2019, 14:59
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Kleines Update:
Auf der gesamten Fläche gab es 5 stinkende Bläschen mit Flüssigkeit, aber jede Menge Löcher im Gelcoat. Nach dem Ausschleifen habe ich ca 1mm Tiefe Grübchen. Nun kann es erst einmal bis zum Frühjahr trocknen.
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