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Törnberichte Wie der Name schon sagt. Keine Antwortmöglichkeit!

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Alt 20.01.2019, 11:47
SY-time_out SY-time_out ist offline
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Standard Segeln + Aussteigen (ein Törnbericht aus schöneren Zeiten)

Da ich von Euch in meinem ersten Post hier in diesem Forum so nett begrüßt worden bin, möchte ich auf diesem Wege mal Danke sagen.

Ihr wollt gern von meinem künftigen Einhand-Auszeittörn lesen?

Da dies noch etwas dauert (ich kann erst im Juli los; es gibt noch einiges zu regeln, wenn ich für mehrere Jahre weg sein will), stelle ich Euch hier mal einen Törnbericht aus schöneren Zeiten (da war ich noch glücklich verheiratet, ich mußte die Ehe allerdings leider beenden. Naja ..., c ́est la vie) ein:

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Leider habe ich die Fotos zu dem folgenden Bericht nicht mehr, auch die sind leider in Gruissan geblieben. Vielleicht mögt Ihr meinen Törnbericht trotzdem lesen. Hier geht´s los:

“Nachlese“ zu unserem 3. Auszeit-Törn vom 01.06. – 26.11.2017
mit unserer HANSE 385

Wir sind am Sonntag (26.11.) frühmorgens gegen 04.30 h nach 179 Tagen herrlichstem “Segeln-Auszeit-Törn“ wieder gesund und in allerbester Laune in unserem Heimathafen in Gruissan angekommen.
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Laura (meine Ehefrau, die “Beste von Welt“ ) und mir war schon etwas wehmütig zu Mute, als wir diesmal von Bord gingen, wohl wissend, das es nun mind. ½ Jahr dauern wird bis es wieder heißt: “Leinen los“, mal abgesehen von kleinen Tages- bzw. Wochenendtörns im nächsten Frühjahr, die wir sicherlich unternehmen. Jetzt wird unser Böötchen erstmal komplett durchgecheckt, der Rumpf abgestrahlt, Motorinspektion gemacht, usw. und dann geht´s in´s Winterlager.
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Die wichtigsten Dinge an Bord waren neben unseren Rettungswesten mit Lifebelt die aktuellen Seekarten, unser Radar, unsere Solaranlage und der Windgenerator, der Autopilot, unser Navtex-Wetterempfänger, unser geiles Beiboot mit kleinem Motor, die 2 Kühl- und der Gefrierschränke (haben wir uns gleich nach dem Kauf einbauen lassen), mein kleiner KW-Weltempfänger, mit dem wir überall Nachrichten empfangen konnten wenn uns danach war, unsere ganz einfache normale Kaffeemaschine (wir haben und wollen keine Pad-Maschine) und natürlich unser “Cobb-Grill“.
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Eine tolle Idee hatten wir noch kurz vor Beginn unseres “Auszeit-Törns“ auf unserer “be happy“ realisieren lassen:
unsere „Ambiente-Beleuchtung“ (dimmbare, fest verlegte LED-Strips am Cockpitboden), die wir abends oft im Hafen / in Ankerbuchten aber auch während unserer Nachtfahrten und während unser NonStopp-Heimfahrt von Sizilien während der Jahreszeit bedingten langen Abende / Nächte gern genutzt haben, weil sie einfach eine tolle Lichtstimmung im Cockpit zauberten.
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Die unwichtigsten Dinge bzw. was wir überhaupt nicht vermisst haben, war ein Fernseher. Wir werden komischerweise oft gefragt, warum wir keinen TV an Bord haben? Sowas kommt uns niemals auf`s Boot, zu > 90% kommt ohnehin nur Schrott und das Leben selbst liefert doch die schönsten Bilder! Selbst in unseren “Zwischenstopp-Hotels“ hatten wir die Fernseher fast nie an.
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Mein Schatz verzichtete übrigens bis auf ganz wenige Ausnahmen auf ein ganz bestimmtes Kleidungsstück, ohne das sie sonst nie aus dem Haus geht -sie “vermisste“ es auch nicht und ich fand´s sehr schön so ... *grins*.
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Abgesehen von Katrin (mein Sohn war mit seiner Freundin die ersten 17 Tage mit an Bord) war den ganzen Törn keine/r von uns seekrank. Ihr war auch nur die ersten 2-3 Stunden etwas mulmig; als sie sich dann auf Anraten von Laura unter Deck etwas hingelegt hatte, ging es ihr bald wieder besser. Ich teilte sie daraufhin ein, unsere “be happy“ nach Kompasskurs zu steuern. Sie machte ihre Sache wirklich gut, strahlte übers ganze Gesicht und hatte viel Spaß dabei. Anscheinend lenkte sie diese “Aufgabe“ auch vom letzten Rest ihres Unwohlseins ab und sie war danach auch die ganze Zeit topfit.
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Unser diesjähriger Segeltörn führte uns von Gruissan aus zunächst östlich entlang der Küste des Languedoc und dann der Cote Azur bis Nizza, wo wir Kurs auf Korsika nahmen. Von dort ging es weiter Richtung Sardinien und dann zu den Liparischen Inseln, bevor wir durch die Straße von Messina weiter östlich Richtung Griechenland zu den Ionischen Inseln Zakynthos, Kefalonia, Lefkas und Ithaka gesegelt sind (natürlich sind wir überall mind. 1-2 Wochen geblieben, mal in Häfen, mal in Ankerbuchten, mal auch in schönen kleinen Hotels).
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Am besten während unseres ganzen Törns hat es uns, wenn man richtig schönen Urlaub machen möchte, tatsächlich auf den Ionischen Inseln gefallen:

Wir empfanden es dort als echt günstig, es ist weit weniger überlaufen als z.B. in Kroatien, überall sehr nette und freundliche Menschen, man hat viel mehr Ruhe und Entspannung, die Natur und das tolle Meer (z.B. auf Kefalonia herrlichste Strände) ist dort mindestens ebenso schön und es gibt neben sehr leckerem Essen und tollem Wein auch Ouzo ... “Jamas“!
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Als nächstes Ziel lag dann westwärts quer über die Adria Bari in Süditalien an. Danach sind wir wieder über die Adria, diesmal Richtung Osten nach Tivat (Montenegro) in die Bucht Kotor gesegelt und von dort nach Dubrovnik, von wo aus wir zu einem “Zwischenstopp“ für geplante 10 Tage nach Rom als Geburtstagsgeschenk für Laura geflogen sind.
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Leider mußte mein Schatz dort ausgerechnet an ihrem Geburtstag mit einer (wohl nur leichten) Lebensmittelvergiftung (Fisch) in´s Krankenhaus, konnte aber glücklicherweise bereits nach zwei Tagen wieder entlassen werden und war dann auch schnell wieder 100%ig fit. Wir haben dann ihren Geburtstag natürlich ausgiebig “nachgefeiert“, unseren Aufenthalt in Rom aufgrund der Hitze allerdings zwei Tage eher abgebrochen und sind wieder zurück nach Dubrovnik geflogen. Abgesehen von der Hitze war es in Rom sehr schön, wir haben trotz der Kürze der Zeit einiges gesehen und besichtigt, was aufgrund der Temperaturen aber nur in den frühen Morgenstunden bzw. am Abend möglich war.
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Als nächstes lagen der Nationalpark Mljet und die Elaphitischen Inseln an, von wo aus wir mit jeweils einem 2-3 Tage Aufenthalt auf den Inseln Susac und Korĉula weiter nördlich nach Brela an der Makarska Riviera gesegelt sind.
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Unterwegs auf unserem Törn von Susac nach Korĉula bekamen Laura und ich einen Mordsschreck:
Bei schönstem Segeln frühmorgens unter wolkenlosem blauen Adriahimmel stürzte wie aus dem Nichts eine Rotte von drei Kampfflugzeugen der kroatischen Armee von irgendwo her im Sturzflug genau auf uns und unser Böötchen herab, donnerte dann in allerhöchstens 100 m Höhe unter einem Höllenlärm “volle Pulle“ über uns hinweg und raste dann weiter auf die offene See hinaus.
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Plötzlich knallte es auch noch mehrfach ganz kurz hintereinander, als die Piloten weiter aufdrehten und wahrscheinlich auf Überschall gingen. Bald waren sie nicht mehr zu sehen und wir dachten schon, der Spuk wäre vorbei. Sie hatten wohl aber weit draußen außer Sichtweite anscheinend “umgedreht“, donnerten rd. 15 min. später wieder rasend schnell auf uns zu, überflogen uns noch ein weiteres wieder im extremen Tiefflug und verschwanden dann über den Bergen in Richtung Küste.
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Auf Brela hatte ich mir sehr gefreut: Ich hatte dort in den 90er (letztmalig vor exakt 20 Jahren) öfters schöne Urlaube (auch mit meinem Sohn) verbracht und nach so langer Zeit meine super nette Pensionswirtin von damals und ihre Familie mal wieder zu sehen, war echt toll. Wir hatten mit ihnen eine sehr schöne Zeit.
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Von Brela aus, wo wir rd. eine Woche verweilten, ging es immer weiter nördlich durch die Kornaten nach Zadar und dann weiter in den Kvarner Golf zu den Inseln Rab und Krk. Diese Fahrt war allerdings für einige Stunden sehr heikel, weil wir trotz Funk und Nasa Weatherman ohne jegliche Wettervorwarnung in eine extreme Bora kamen (sehr plötzlich auftretende, eisige Fallwinde aus Nordost, die durch Lücken im Gebirge wie durch eine Düse auf die Adria treffen).
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Die Temperaturen sanken binnen einer Stunde um 17 Grad und wir hatten während der Bora tatsächlich nur noch knappe 5 Grad. Uns wurde sehr kalt und wir froren ordentlich, zum einen, weil wir durch die Gischt “ruck-zuck“ trotz Sprayhood klitschnass wurden, wir mit einem solchen extremen Temperatursturz auch nicht rechnen konnten und dafür völlig falsch angezogen waren.
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Wir haben natürlich auch für solche Temperaturen entsprechendes Offshore High-Tech-Ölzeug an Bord, hatten dieses aber halt nicht an. Heißer Tee und schnelles Umziehen war also angesagt.
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Häfen anlaufen ging schlichtweg nicht, da hätten wir unser Böötchen sicherlich eher auf die Mole gesetzt und Ankern war bei diesem schweren Sturm ebenfalls völlig unmöglich. Wir sind dann sofort nach Westen auf die offene See hin abgedreht, um möglichst schnell dem Würgegriff der Bora zu entkommen und das klappte dann nach einigen Stunden auch gut, da die Bora weiter gen Westen und abseits der Küste bald ihre Kraft verliert. Dem Griff der Bora entschwunden hatten wir dann bald auch wieder um die 20 Grad. Angst hatten wir beide nicht, aber man mußte schon sehr wachsam sein (wir hätten auch nicht über Bord gehen können, da wir beim Segeln beide immer mit eingepicktem Lifebelt im Cockpit sind). Zum anderen ist unsere “be happy“ als “hochseetauglich für weltweite Fahrt“ eingestuft, da muß sie einen solchen Sturm schon abkönnen.
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Die Bora gehört übrigens zu den Winden mit den schwersten Böen weltweit von angeblich bis zu 250 km/h (lt. Wikipedia). Wir hatten Wind von bis zu 69 kn = 128 km/h (lt. unserer dig. Windanzeige = Windstärke 12), und das auf dem Wasser zwischen vielen Inseln / Klippen reichte uns völlig. Wir mußten sofort alle Segel bergen und sind dann nur noch mit unserer kleinsten Sturmfock weiter, um halbwegs manövrierfähig zu bleiben. Ca. 4 m² - etwa die Größe von 2 Sauna-Handtüchern - für eine voll ausgestattete und mit vollen Tanks / Vorräte knapp 8,5 to. schwere Yacht ist nicht gerade viel, trotzdem hatten wir zwischen 7-8 kn auf dem Log. Mehr an Segelfläche wäre sehr leichtsinnig und sehr gefährlich gewesen.
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Kroatien ist ein sehr schönes Land mit toller Natur, netten Menschen und für Segler / Bootfahrer ein klasse Revier, aber uns sieht Kroatien -mind. die nächsten 10 Jahre- nicht wieder.
Warum? Man sieht in den Touristen nicht mehr die Menschen, sondern nur deren Brieftasche. Vielfach richtig miese Abzocke (nicht bei den “einfachen“ Menschen an sich, nicht in Pensionen, aber sonst fast überall), regelrechter Beschiss (z.B. beim Tanken, illegale Bojenfelder, keinerlei Leistung aber abkassieren, Ankern dort angeblich verboten, mitunter dort auch tätliche Übergriffe, wenn man sich nicht daran hält, uvm.) und je später die Saison desto schlechter ist das Essen / der Service. Ich bin der Meinung, nach Kroatien sollte man nur noch kurz vor der Hauptsaison, danach, na ja ...
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Ich war früher sehr gern und oft in Jugoslawien / Kroatien und habe mich dort immer sehr wohl gefühlt, jetzt würde ich dort nicht mehr Urlaub machen, basta! Schade, sehr schade.
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Nach unserem Aufenthalt auf Krk und Rab segelten wir immer weiter nördlich die Adria hoch und liefen als nächste Ziele Portorož (Slowenien), Triest, Grado und Venedig (Italien) an.
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Italien ist richtig schön und gefällt uns Beiden sehr:
Viel Kultur, nette Menschen, schöne Landschaften, tolles Essen, schöne Städte (z.B. Rom, Bari, Triest = vieles noch aus der Zeit der K.& K.-Monarchie, und in der näheren Umgebung sehr interessante Bauwerke wie z.B. “Miramare“, “Duino“ und die “Redipuglia“ in Gorizia (mehr jeweils unter Wikipedia).
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Die “Redipuglia“ ist für mich auch heute noch nach über 53 Jahren, als ich sie das erste Mal als kleines Kind gesehen habe aber auch für Laura sowohl faszinierend als auch sehr bedrückend.
Es handelt sich dabei um eine Riesentreppe mit 22 Stufen mit in die Stufen integrierten Gräbern von in den Weltkriegen bekanntermaßen 100.187 Gefallenen (jede Stufe weit über mannshoch und geschätzt ca. 60-70 m breit. Die teilweise im Web angegebenen 12 m sind absoluter Blödsinn). Vielleicht mal nach "Redipuglia" googlen?
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Venedig, worauf wir uns beide so sehr gefreut hatten, weil wir es beide nicht kannten, war, so schön die Stadt eigentlich wäre, für uns allerdings eine sehr große Enttäuschung:
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auch Ende Sept. noch sehr voll (okay, damit kann man für´n paar Tage leben), sehr dreckig, sehr stinkig von den vielen Kreuzfahrern, die mitten in der Stadt liegen und die Luft wegen der notwendigen Stromversorgung der Schiffe durch rund um die Uhr mit Schweröl laufende Motoren verpesten – es vergeht angeblich kaum ein Tag, an dem nicht mind. 1-2 Kreuzfahrer dort anlegen, viel kaputte Bausubstanz (scheint aber keinen zu stören) und Preise, man glaubt es nicht.
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Da es nördlich nicht mehr weiter geht, gingen wir wieder auf Südkurs und fuhren Ulcinj in Montenegro an, leider nur für 3 Tage, da es dort weder einen vernünftigen Hafen noch eine entsprechende Ankerbucht für uns gab und der nächste Hafen Budva rd. 50 km entfernt liegt und von dort ein zweites Mal nach Bari, bevor es den italienischen Stiefel weiter südlich über Brindisi und Crotone (Kalabrien) nach Catania, Syrakus und Agrigento (Sizilien) und von dort aus in einem Rutsch nach Hause ging.
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Unsere “be happy“ hat sich während unseres ganzen Törns wieder wunderbar bewährt und war uns immer -auch bei schwerstem Sturm- eine sehr sichere Yacht und ebenso unser sehr komfortables, kleines “Hotel“ (na ja, immerhin auch rd. 30 m² “Wohnfläche“ unter Deck mit 3 Kabinen + Salon, sodaß man sich auch mal aus dem Weg gehen könnte und mit genügend großem Cockpit plus Decksfläche als Sonnenterrasse und ja, ich gebe es zu: ich bin schon ein bißchen stolz auf meine “be happy“).
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Die Segel richtig getrimmt läuft unser Böötchen auch bei Starkwind / in Böen wie auf Schienen und wenn der Wind nicht gravierend dreht oder man nicht wegen anderer Boote / Schiffe achtsam sein muß, kann man es sich im Cockpit derweil stundenlang “arbeitslos“ richtig bequem machen und entspannen (grillen, sonnen, lesen, entspannen, etc.), während das Radar “aufpaßt“ und man den Autopiloten steuern läßt.
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Übrigens war trotz aller Technik mind. Eine/r von uns immer im Cockpit, d.h. wir haben unser Böötchen niemals sich selbst überlassen. Wir haben uns mit und auf ihr immer sehr sicher und wohl gefühlt = “un Voilier genial“.
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Auf unserem kurzen Törn von Bari nach Brindisi wurden wir völlig überraschend von der ital. Küstenwache gestoppt und zwei Marinesoldaten untersuchten unsere “be happy“. Was glaubt man, haben die bei uns an Bord gesucht? Drogen, Alkohol, Waffen? Nein, Migranten!
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Angeblich werden seit einiger Zeit Flüchtlinge gegen schweres Geld mit Privatyachten über die Adria nach Italien eingeschleust und so hat man begonnen, Yachten zu kontrollieren. Natürlich war außer uns beiden keiner an Bord unserer “be happy“ und so konnten wir auch bald wieder, mit besten Wünschen der Carabinieri versehen, weiterfahren.
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Wir sind insgesamt lt. GPS 3.469 sm (6.424 km) gesegelt, was rein rechnerisch 19,4 sm (35,9 km) pro Tag entspricht, wobei wir allerdings an vielen Tagen unsere “be happy“ garnicht bewegt haben und irgendwo im Hafen oder vor Anker lagen.
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Das segeltechnisch „anspruchsvollste“ Teilstück auf unserem gesamten Törn war die Straße von Messina, die Sizilien vom italienischen Festland trennt. Lt. Wikipedia ist sie etwa 32 km lang und zwischen 3 und 8 km breit. Das anspruchsvolle daran sind die starken und sehr böigen Winde, die dort fast immer wehen, die immensen Strömungen und sehr starke Strudel, die dort mitunter sehr heftig auftreten.
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Glaubt man dem antiken Homer, hausen dort angeblich auch die beiden mythologischen Ungeheuer Skylla und Charybdis, die die Durchfahrt sehr erschweren und Schiffe mit ihren Besatzungen in´s Verderben ziehen. Wir haben die beiden Fabelwesen zwar glücklicherweise nicht gesehen, sehr wohl aber die Strömung und die Strudel bemerkt und würden jedem abraten, mit einem kleinen Boot dort nachts durchzufahren, wo doch angeblich sogar für Ozeanriesen Lotsenpflicht besteht.
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Unsere längste “Non-Stopp-Etappe“ segelten wir jetzt auf unserer Heimreise. Wir entschlossen uns am 22.11. gegen 07:00 h Richtung Heimat zu segeln, weil der Wind auf die von uns erwünschte Richtung drehte, die Wind-Prognose auch für die nächsten Tage passte, und nahmen Kurs von Agrigento (Südspitze Siziliens) Richtung Gruissan, was einer Strecke lt. GPS von 664,80 sm (1.231 km) entspricht.
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Unser Böötchen lief echt super gut und wir brauchten für diese Strecke genau 93,5 Stunden (knappe 4 Tage), = rd. 7,11 Knoten durchschnittliche Geschwindigkeit, für einen Fahrtensegler ein echt guter Schnitt, zumal wir ja auch nicht auf der Flucht waren. Wir haben normal 74 m² Segelfläche und sind tagsüber zusätzlich mit unserem 96 m² Gennaker gefahren = also mit insgesamt rd. 170 m² Segelfläche, nachts natürlich ohne Gennaker und mit gerefften Segeln.
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Wir waren 44 Tage in kleinen (Strand)-Hotels, haben an 46 Tagen in Häfen auf unserem Boot übernachtet und an 89 Tagen in kleinen Buchten geankert (für uns immer ein Höhepunkt auf unseren Törns).
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An 74 Tagen sind wir ausgegangen, waren mind. 1 x pro Woche Tanzen, haben uns an 12 Tagen einen Leihwagen genommen, an weiteren 6 Tagen Motorroller (jede/r) gemietet und uns Natur, Land und Leute angeschaut. Wenn wir im Hafen lagen, sind wir immer Essen gewesen. Auch vor Anker liegend sind wir mit unserem Beiboot oft zum Essen gefahren. Das “nicht kochen zu müssen“ ist für uns auch Auszeit und gehört wie selbstverständlich dazu.
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Wir haben allerdings auch sehr gern und oft gegrillt. Fleisch, frischesten Fisch direkt vom Kutter, dazu gegrillte Kartoffeln, frischen Salat (gab es übrigens fast täglich!), Brot oder Baguette dazu, ne Flasche gekühlten Wein oder ein, zwei kalte Biere = einfach nur klasse.
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Zwischendurch etwas zum Thema Verpflegung:
Laura und ich legen generell sehr viel Wert auf gutes Essen, Zuhause, in Restaurants aber ebenso an Bord. Damit meine ich allerdings weder Schickimicki- oder Sternekoch-Restaurants, sondern einfach nur gute Küche und gutes Essen muß nicht unbedingt teuer sein.
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Man kann z.B. auch in St. Tropez oder selbst in Monte Carlo gut und trotzdem günstig essen gehen, wenn man einfach mal zwei Querstraßen weiter geht und die Touri-Abzock-Restaurants meidet. Zur Erinnerung:
Die sehr gute und reichliche Fischplatte für Zwei mit 4 Sorten gegrilltem Fisch, div. Beilagen und Salat hat pro Pärchen 39,00 € gekostet, eine Flasche Weißwein 16,00 €; und das in einem guten Restaurant in Monte Carlo in der (Vor-) Saison.
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Anders als viele Touristen sind wir allerdings nie in Restaurants gegangen, die mit Werbe-Schildern nach dem Motto “Schweinebraten mit Knödel und Kraut“ oder “original deutscher Kaffee“ um Gäste gebuhlt haben (das kenne ich noch aus den 70er Jahren von den Balearen), sondern haben immer nur in Restaurants mit regionaler, einheimischer Küche gegessen (einfach mal die Einheimischen fragen, die haben die besten Tipps).
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Wir hatten für unterwegs natürlich auch Konserven und Fertiggerichte an Bord, so z.B. für längere Non-Stopp-Törns oder wenn es mal schnell gehen sollte, allerdings haben wir diese nicht allzu oft verwendet. Wir hatten auch eine gute Angel an Bord, haben es allerdings nicht geschafft, während unserer Törns auch nur einen Fisch aus dem Wasser zu ziehen, keine Ahnung warum. Wir hatten uns zweimal in Häfen sogar extra Köderfische besorgt, haben auch Krebsfleisch genommen, aber gebissen hat, außer mehrfach in Ankerbuchten, nix (dort aber auch nur ganz kleine Mini-Fischchen, die wir vorsichtig vom Haken befreit und dann wieder freigelassen haben). Die Angel haben wir daraufhin frustriert verschenkt.
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An Treibstoff haben wir 36 Liter Diesel (nur für Hafenmanöver und “Einfahren“ des Ankers, wir hatten nie richtige Flaute und konnten so immer segeln), etwa 110 Liter Diesel für unsere Heizung (um es unter Deck überall im Schiff mollig warm zu haben, tja, meine Frau halt ) und 210 Liter Benzin für unseren Außenborder am Beiboot verbraucht, mit dem wir öfters an den Küsten oder um kleine Inseln herumgekurvt sind, während unsere “be happy“ im Hafen oder vor Anker lag.
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Wir hatten nicht “Wetter“, sondern richtig “Sommer“, teilweise aber, wie in Montenegro und Rom mit bis zu 42 Grad für uns allerdings viel zu heiß. Selbst Laura, die als Südfranzösin hohe Temperaturen eigentlich gewohnt ist, hatte mit dieser Hitze so ihre Probleme. Ansonsten hatten wir bis Ende Sept. ständig Temperaturen von 28-35 Grad, das konnte man gut aushalten, zumal an der See auch immer ein Lüftchen wehte.
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Selbst im Okt. war es, von den wenigen (Regen)-Tagen mal abgesehen, immer noch zwischen 20-26 Grad warm, dann kippten die Temperaturen allerdings, trotzdem hatten wir selbst im Nov auf Sizilien immer noch zwischen 16-20 Grad.
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Das Meer war zwischen 22 Grad (Anfang Juni in Gruissan) - 28 Grad (Aug., Ionische Inseln), warm, danach normalisierten sich die Temperaturen auf zwischen 22 – 25 Grad, im Okt. hatte das Meer 22 Grad, bei unserer Abfahrt aus Agrigento war das Meer immer noch 19 Grad warm und wir waren das letzte Mal für dieses Jahr im Mittelmeer schwimmen.
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An insgesamt (nur) 14 Tagen hat es (zumindest mal zwischendurch) geregnet, an 5 Tagen hatten wir Gewitter, an 16 Tagen Starkwind (echt geiles Segeln), an 5 Tagen wehte es mit 8-10 Beaufort so ordentlich, daß wir auf die Weiterfahrt verzichtet haben und 1 Tag hatten wir schwersten Sturm (s.o., Bora).
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Wir werden oft gefragt, was wir auf unseren Törn´s so ausgeben? Auf diesem Törn haben wir pro Tag / Person 49,11 € ausgegeben, inkl. wirklich aller Kosten (wie die Flüge für uns, meinen Sohn und dessen Freundin und unsere „Zwischenstopp-Hotels“) .
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Ohne die Hotels, die ja auch nicht hätten sein müssen, die wir uns aber zwischendurch immer mal wieder gern gegönnt haben, ohne den Rom-Aufenthalt inkl. Flug und Hotel und ohne Hin- und Rückflug für meinen Sohn mit Freundin von und nach Deutschland haben wir inkl. aller Kosten (komplette Verpflegung, Liegeplatz mit Strom und Wasser, Ausgehen -Essen gehen / Tanzen-, Besichtigungen, Eintrittsgelder, Mietwagen / Roller, Diesel / Benzin) pro Tag / Person 23,39 € ausgegeben.
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Rechnet man z.B. 7 Tage "Malle" ab D für mind. 299,00 € / Person dagegen, kommt man auf einen Tagessatz von 42,71 €, dann ist aber außer Halbpension meist nichts dabei.
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Natürlich hinkt die o.g. Aufstellung, da ich hierbei ein Boot voraussetze, sie soll aber nur die laufenden, täglichen Kosten aufzeigen. Ein kleiner Segler (ggf. auch mit Trailer) kostet auch nicht mehr als ein Mittelklassewagen und man kann damit wunderschöne Wochenendtörns / Urlaube verbringen.
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Wenn man in Häfen liegt, kommt es natürlich unweigerlich zu Kontakten mit anderen Bootfahrern / Yachties: Wo kommt Ihr her, wo wollt Ihr hin, wie war die Fahrt, usw.
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Manche Hafenkontakte sind schön, machen Spaß, manche wünscht man sich garnicht erst zu erleben, so wird anscheinend wird auf manchen Charterbooten mehr gesoffen als gesegelt. Wir trafen u.a. auf eine bereits schon morgens um 11.00 h anscheinend völlig betrunkene österreichische Crew einer Charteryacht, die einfach nur peinlich waren:
diverse Pullen im Cockpit, quer über den ganzen Hafen gröhlen und alle dazu mit irgendwelchen alpenländischen Schlagern in einer Lautstärke bedröhnen, die jeder Disko Ehre gemacht hätten. Diese Leute / Yacht hat man dann letztendlich auch des Hafens verwiesen (der Vercharterer mußte sogar jemanden schicken, die Yacht abzuholen, denn die gerufene Polizei ließ diese Crew nicht mehr ans Steuer).
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Nicht gerade Spaß hat man auch, wenn man in Griechenland oder Kroatien in Häfen auf sogenannte Flottillen trifft (viele Yachten eines Vercharterers auf einem Haufen), da dort anscheinend auch öfters Voll-Suff und Gegröhle vorzuherrschen scheint. Es ist halt auch beim Bootfahren / Segeln wie im richtigen Leben: Idioten gibt’s anscheinend an jeder Ecke.
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Bei uns war Alkohol übrigens sowohl während des Segelns als auch vor einer “Wache“ immer absolut tabu; aber im Hafen / vor Anker, dann aber, ja dann ging´s los, dann „“kamen die Pullen auf den Tisch“ (ist natürlich Quatsch, ich hatte während der ganzen Zeit nicht einmal einen Kater, Laura einmal schon -nachdem sie mit der Tochter meiner Pensionswirtin und deren Freundinnen in Brela tanzen war-, was aber nur daran lag, das ein Drink wohl schlecht gewesen sein muß; soll ich so schreiben *lach).
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Wir trafen aber auch sehr nette Leute, so z.B. in Dubrovnik ein Schweizer Rentnerpaar, die mit ihrem 15 m Katamaran unterwegs waren und seit 4 Jahren dauerhaft auf ihrem Boot leben. Die beiden kamen gaaaaanz langsam die Adria runter und waren -mit diversen geplanten Zwischenstopps- Richtung Zypern unterwegs, wo sie schon seit Jahren überwintern.
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Eine sehr nette Begegnung hatten wir kurz vor unserer Heimfahrt in Catania auf Sizilien. Dort lag neben uns eine 27 Jahre alte aber Top in Schuß befindliche 8 m Yacht aus Perth / Australien. Mit ihr fuhr ein junges Ehepaar von knapp über 30 J. um die Welt. Sie kamen jetzt das Rote Meer hoch, durch den Suezkanal, sind über Kreta auf Sizilien gelandet und wollen weiter gen Westen auf die Kanaren. Die Beiden wollen dort Weihnachten und Silvester verbringen und Anfang Jan. über den Atlantik in die Karibik. In der Karibik wollen die beiden 2-3 Monate bleiben und dann durch den Panamakanal und über den Pazifik langsam nach Hause fahren.
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Die Beiden (sie Sekretärin, er Kfz.-Mechaniker) sind bereits 1 ½ Jahre unterwegs und haben vor, noch ebenso lange unterwegs zu sein. Sie erzählten uns, das sie ihr Boot für 21.000 $ gekauft und dann 1 Jahr auf Vordermann gebracht haben, bevor sie losfuhren.
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Beide haben über Jahre gespart, um sich ihren Traum einer Weltumseglung erfüllen zu können, bevor die Familienplanung losgehen soll und so haben sie sich eine 3-jährige Auszeit verordnet, frei nach dem Motto “wenn nicht jetzt, wann dann?“
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Sie argumentieren:
Wir leben an Bord, Essen und Trinken müssen wir zuhause auch und wir kommen gut klar. Die beiden gönnen sich etwa einmal pro Woche “Ausgehen“ (verteilt über die ganze Welt, wer kann das schon von sich sagen = geil, oder?) und sie sind sehr glücklich.
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Laura war von den Erzählungen der Beiden sehr angetan, ja regelrecht fasziniert, bekam ein merkwürdiges Funkeln in ihren Augen und sagte später zu mir: “ ... toll, was die Beiden machen, ein Traum? oder ... “?
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Ich kenne meinen Schatz sehr genau, ich kenne ihre Reaktionen und weiß (ganz sicher): Da kommt noch was nach, da kommt noch Einiges ............ *freu*
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Eines der faszinierersten Erlebnisse überhaupt war, als wir in den Kornaten überraschend in eine Gruppe (vielleicht 8-10 Tiere) riesiger Finnwale gesegelt sind. Diese Tiere können angeblich bis zu 27 m lang werden und sind sehr beeindruckend. Wir drehten sofort bei und konnten sie so einige Minuten lang beobachten, bevor sie wieder abtauchten und nicht mehr zu sehen waren = einfach nur toll!
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Auf unserem Törn hatte keiner von uns eine Uhr um, es sei denn, wir waren verabredet oder hatten was vor, was eine gewisse Pünktlichkeit voraussetze (zuhause kriege ich ohne Uhr eine Krise). Manchmal hatten wir unsere Handys tagelang aus, kein ständiges Telefongebimmel und keine mitunter schon zwanghafte “immer Erreichbarkeit“; wir genießen das sehr. Das “hinter sich lassen“ des Alltags ist es, was für uns Beide den Reiz unserer Auszeittörns ausmacht.
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Wir hatten wunderschöne Tage u. Nächte auf See, in kleinen (Stadt)-Häfen, vor Anker in traumhaften Buchten.... , morgens, während unter Deck schon der Kaffee durchläuft und die Croissants aufbacken, “wie Gott einen schuf“ aus dem Cockpit ins warme Meer zu springen und noch vor dem Frühstück ´ne Runde zu schwimmen, am leeren oder zumindest fast leeren Strand in einer kleinen Bucht zu grillen, die Stille abends im Cockpit unterm Sternhimmel mit leiser Musik und einer guter Flasche Wein zu genießen, uvm.
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Fazit:
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So schön unser diesjähriger Törn auch war, diesmal war es uns beiden an vielen Tagen viel zu heiß, Temperaturen von über 40 Grad und bis zu 28 Grad warmes Meer brauchen wir nicht. Wir haben in stillen Ankerbuchten so manche Nacht an Deck geschlafen, weil es trotz Windfang über den Luken im Boot einfach nicht auszuhalten war.
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Da wir wegen der Flüchtlingsproblematik (deswegen haben wir sowohl Malta als auch Kreta ausgelassen, selbst auf Sizilien gab es schon gewisse “Schwierigkeiten“), nicht in das östliche Mittelmeer (Ägäis) segeln wollen, wegen der politischen Lage die Türkei erst recht nicht anfahren werden und die nordafrikanische Küste ohnehin meiden, sind wir mit dem Mittelmeer und der Adria fast durch.
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Fast? Ja, es fehlt uns noch die Westküste des “italienischen Stiefels“ von Ligurien im Norden über die Toscana, Elba, Kampagnien (das “Cilento“ z.B. soll wunderschön sein) bis Kalabrien im Süden. Die ganze Westküste Italiens ist es wert, nicht übergangen zu werden und so werden wir diese Küste auch später mal irgendwann absegeln. Für die nächsten mind. 2 Jahre werden wir allerdings die franz. Atlantikküste hoch und runter absegeln.
---
Wir hatten wieder eine traumhafte Auszeit und einen wunderschönen Törn. Wir haben sehr viel gesehen, sehr viel erlebt, hatten schönstes Wetter und haben uns die ganze Zeit super verstanden. Es ist es sehr schön, das wir uns auch diesmal nicht zuviel wurden, wo wir doch den ganzen Törn 24 Stunden täglich zusammen waren.
---
Wir sind sehr glücklich zusammen und freuen uns sehr, das wir gemeinsam so ein herrliches Leben führen können.
---
fin
verfasst 11.12.2017

**************

So, das war´s für´s Erste, jetzt fahre ich erstmal nach Hause, es gibt viel zu tun. Man liest sich ...
__________________
Viele Menschen sind zu gut erzogen, um mit vollem Mund zu sprechen; aber sie haben keine Bedenken, dies mit leerem Kopf zu tun. (Orson Welles)
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