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BF - Trockendock und Linkliste Gesammeltes Fachwissen für die große Inspektion Keine Antwortmöglichkeit!

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Alt 21.02.2020, 21:31
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Standard Blind-Einnietmuttern >>Ausführungen + Anwendungstips<<

Blind-Einnietmuttern >>Ausführungen + Anwendungstips<<


Ich werde hier und in loser Folge künftig mal für Interessierte einige Möglichkeiten für unser Bootshobby vorstellen, was womit am besten und dauerhaftesten befestigt werden kann.

Häufig müssen Gewinde in dünnwandige Metallbauteile eingebracht werden, hierfür bieten sich manchmal mechanische Lösungen aus der Befestigungstechnik an

Es gibt bei Booten eine ganze Reihe von Befestigungspunkten, die nur einseitig zugänglich sind, ich wurde dazu in den vergangenen Jahren bereits mehrfach kontaktiert und konnte gelegentlich auch helfen.

Nach meinen Thread`s zu den Themen Flex-Blindmuttern und Blindniete setze ich die „Reihe“ jetzt fort mit dem Thema „Blind-Einnietmuttern“, unter diesem Begriff kennen einige bereits diesen Befestiger.

Das Produkt wird unter diversen Begriffen angeboten, ich verwende hier mal den übergreifenden Begriff „Blind-Einnietmuttern“, da es sich a.) um ein Nietsystem, und b.) um ein Setzverfahren von einer Seite handelt, was auf der „Blindseite“, also innen, einen Schließkopf bildet.

Wichtig erscheint mir für unser Hobby, was gibt es hier für Unterschiede und wie verarbeite ich das Produkt fachgerecht, vor allem, was will ich befestigen, welche Setzfehler können passieren.

Verfügbare, bzw. erhältliche Ausführungen:

Es gibt diese Blind-Einnietmuttern in den Gewindegrößen:
M4– M 16

Ferner für Materialstärken ab 0,5 mm bis 7,5 mm, allerdings abhängig auch von den Gewindegrößen.

Hier mal ein Beispiel einer M4 und einer M16 Ausführung:

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Zu lange Ausführungen entgegen den Materialstärken führen zu keinem festen Sitz, hier müssen die Parameter genau beachtet werden.

Die Muttern gibt es mit Flachkopf, Senkkopf (bei 90° Bohrloch Ansenkung) und kleinem Senkkopf (ohne Bohrloch Ansenkung)

Es gibt sie in den Materialausführungen Aluminium, Stahl, verzinkt, Edelstahl A2 (1.4567), Edelstahl A4 (1.4578) und von wenigen Lieferanten noch in Messing.

Die Standartausführung ist durchgängig offen, es gibt aber auch geschlossene Ausführungen und Sondervarianten mit unterlegten Dichtungen und/oder gerillten und sechseckigen Schaftausführungen zur Erhöhung der Verdreh Sicherheit. Die Ausführungen mit der Schaftrillung sollten grundsätzlich nur in weicheren Materialien verarbeitet werden gegenüber dem Material der Mutter, also z.B. Stahl in Alu

Beispielbild einer Sechskant- und einer gerillten Variante sowie einer Einnietschraube*


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*Vielen dürfte nicht bekannt sein, es gibt aus der gleichen Systemschiene auch Einniet-Schrauben, da die Verarbeitung im wesentlichen dem der Einniet-Mutter ähnelt, werde ich hier nicht näher darauf eingehen, nur soviel, statt eines Setzdornes haben die entsprechenden Setzwerkzeuge dann einen sogenannten Innengewindedorn, der das Einniet-Schraubengewinde aufnehmen kann.

Zur Verarbeitung:

Wichtig für eine sichere Verbindung ist die Übereinstimmung aller Parameter, also die Abstimmung von Materialstärke der Fügeteile und des Klemmbereiches der Blind-Einnietmutter.

Für das Bohrloch sollte ein Bohrer max. 0,1-0,15 über dem Schaftdurchmesse gewählt werden.

Je knapper die Blind-Einnietmutter in das Bohrloch passt, umso günstiger fällt die Verbindung durch entsprechende Schließkopfauflage auf der Blindseite aus, und der Nietkörper kann durch die Laibung im Bohrloch fester anliegen.

Hier eine Abb. zum Arbeitshub, richtig sollte es aussehen wie auf dem mittleren Bild

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Setzvorgang:

Dieses Sytem ist erheblich komplexer in seiner Handhabung gegenüber klassischen Blindniete zu händeln, es passieren hier sehr schnell Fehler, die einen sicheren und festen Sitz der gesetzten Blind-Einnietmutter verhindern.

Prinzipell handelt es sich aber auch hier um ein Nietsystem, das durchaus auch dafür eingesetzt werden kann, Fügeteile zu verbinden und gleichzeitig ein Gewinde zu erzeugen, allerdings zeigt die Praxis, dass das so gut wie nie praktiziert wird, eher werden Blind-Einnietmuttern fast ausschließlich nur zur Herstellung von Gewindeaufnahmen verarbeitet.

Grundsätzlich muss die Einnietmutter auf den Setzdorn des Setzwerkzeuges in seiner ganzen Länge aufgefädelt werden. Wird eine Maschine (Pneumatisch oder Elektrisch) verwendet, ist die Hubeinstellung von entscheidender Bedeutung: Der Arbeitshub, also der Weg, den die Mutter im Bohrloch zur vernietung zurücklegen soll, muss entsprechend der Gewindegröße genauestens beachtet werden.

Hier einige Darstellungen des Setzvorganges:

1. Das Aufdrillen der Blind-Einnietmutter auf den Dorn des Setzgerätes:

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2. Das einführen in das Montageloch:

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3. Der Setzvorgang:

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4. Das "Ausdrillen" aus der gesetzten Mutter:

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5. Das Befestigen des gewünschten Bauteiles:

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Als „Hausnummer“ kann hier angesetzt werden: Halbe Gewindegröße gleich Arbeitsweg des Setzdornes, also bei z.B. M6: 3 mm, bei M8: 4mm usw.
Pauschal stimmt das zwar, ist aber auch nur bedingt richtig. Ist eine M6-Mutter ausgelegt von 1,5-4,5 mm Materialstärke und das Material liegt von seine Dicke genau dazwischen, wäre es o.k., ist das Material aber wirklich nur 1,5 mm dünn, muss der Hub des Setzwerkzeuges entsprechend erhöht werden, also hier etwa 1 mm mehr.

An den Setzwerkzeugen, die Hubgesteuert sind, lässt sich das einstellen.

Bei einfachen Handwerkzeugen nicht, hier sollte mit Fingerspitzengefühl gearbeitet werden.

Ist der Setzvorgang getätigt, wird das Setzwerkzeug durch linkslauf aus der gesetzten Mutter entfernt.

Was aber hier vielen Anwendern nicht klar ist: Die Mutter hat jetzt noch nicht ihren endgültigen Festsitz erreicht, dieser erfolgt erst durch das aufbringen des zu befestigenden Bauteils und dem einbringen der Schraube, um dieses zu befestigen, dann zieht sich die Mutter auch auf der Blindseite (Schließkopfseite) nochmals fest(er). Natürlich kann man mit Hilfe eines gebohrten Bleches oder einer U-Scheibe vor der Endmontage diesen Vorgang simulieren, um den Festsitz der Mutter zu prüfen.

Wichtig ist zu beachten, das sich der Mundstückskopf des Setzwerkzeuges plan auf den Kopf der Blind-Einnietmutter bei dem Setzvorgang auflegen kann, insbesondere bei Senkkopfausführungen passieren hier die meisten Anwenderfehler, wenn die Mutter quasi „in das zu tief angesenkte“ Bohrloch fällt, und der Gegendruck zum Setzwerkzeugkopf somit nicht stattfinden kann, ein Festsitz ist somit nicht zu erreichen, da die Blind-Einnietmutter sich während des Setzvorganges nach oben zieht und anschließend wieder in das Senkloch zurückfällt. Der Schließkopf liegt dann zwangsläufig nicht an. Daher sollte auch der Senkkopf mind. 0,1 mm über der Bohrlochansenkung stehen, er zieht sich dann während des Setzvorganges hinein.

Verarbeitungswerkzeuge:

Bis zur Größe M6 können manuelle Handwerkzeuge verwendet werden, für M8 gibt es Hebelgeräte, hierfür und vor allem bei den größeren Größen sind jedoch pneumatisch-Hydraulische Geräte zu empfehlen, diese arbeiten mit Setzkräften von über 20 kn bis zu 34 kn.
Man muss sich nur vorstellen, was bei einer Blind-Einnietmutter aus Stahl in M16 an Kräften aufgebracht werden muss, um hier eine Verformung zu erreichen.

Bezugsquellen brauche ich hier nicht nennen, jeder gute Schraubenhandel kann diese Muttern liefern, ggf. auch auf Bestellung.

Wenn Ihr zu den Muttern Fragen habt, insbesondere zu den technischen Werten, wie Prüfergebnisse namhafter Lieferanten zu den Drehmomenten und Axialen Prüflasten, schreibt bitte per PN, hier im „Trockendock“ ist eine Fragestellung direkt nicht möglich. Ich werde nur u.U. nicht immer gleich antworten aufgrund der Häufung von PN`s auch aus meiner Mod.-Tätigkeit

Thread zum Thema Blindniete: https://www.boote-forum.de/showthread.php?t=294694

Thread zum Thema Flex-Nietmuttern: https://www.boote-forum.de/showthrea...41#post4892141
__________________
Gruß Heinz
BF Moderator


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